Der Heilige Martin muss zu Fuß gehen

Von: hes
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Das große Feuer am „Eifelblick” an der Konzener Hohe konnte am Donnerstagabend nicht entzündet werden, zu gefährlich wäre der Funkenflug gewesen. Die Feuerwehr möchte das aufgeschichtete Brenngut nun am Dienstagabend um 18 Uhr abbrennen und lädt alle Kinder ein, dann mit ihrer Laterne vorbeizukommen. Foto: Heiner Schepp

Nordeifel. „St. Martin ritt durch Schnee und Wind” heißt es im wohl bekanntesten deutschen Martinslied. Doch das traf für die Feiern und Züge am Namenstag des Heiligen in diesem Jahr nicht zu. Das Orkantief „Carmen” machte den Veranstaltern der geplanten Umzüge in Simmerath, Konzen, Imgenbroich und Rohren und vor allem den vielen Kindern mit ihren schönen Laternen einen Strich durch die Rechnung.

Zumindest sämtliche Umzüge mussten aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Bereits am Mittag hatte das Wetteramt eine offizielle Unwetterwarnung herausgegeben und vor Sturmböen der Stärke 9 bis 10 am Abend gewarnt.

Die kommunalen Ordnungsämter informierten deshalb die Ortskartelle und Martinskommitees über die Wetterwarnung, mussten aber ihrerseits nicht tätig werden. „Es hat ja jeder selbst beim Blick aus dem Fenster gesehen, dass es Wahnsinn gewesen wäre, bei diesem Wetter ein Martinsfeuer anzuzünden oder die Kinder durch den Sturm zu schicken”, traf Bruno Wilden vom Simmerather Ordnungsamt auf vollstes Verständnis bei den Veranstaltern.

Als sich dann am frühen Abend noch peitschender Regen zum Sturm gesellte, war endgültig klar, dass auch keine abgespeckte Version der Umzüge möglich sein würde. Und so gingen die Kinder mit ihren Eltern, dem St. Martin und den Ortsvereinen vom vereinbarten Treffpunkt aus auf dem kürzesten Weg unter schützendes Dach.

In Simmerath durfte der Heilige Mann für das kurze Stück von der Schule bis zur Kirche nicht mal auf sein Pferd klettern - zu gefährlich wäre eine Sturmböe für den Reitersmann gewesen oder wenn sein Ross gescheut hätte. In der Kirche bekamen die Kinder dann ihre Brezeln, wobei viele Familien in Simmerath angesichts der Witterung gleich zuhause geblieben waren.

Das war auch in Rohren der Fall, wo sich nur knapp 30 Kinder mit ihren Eltern und Begleitern am Saal versammelt hatten und auf den Zug zum Sportplatz verzichteten.

Das übliche Martinsspiel gab es diesmal im Saal, wo auch der Musikverein aufspielte. „Gott sei Dank hatten wir am Donnerstagmorgen schon einen kleinen Martinszug ums Gebäude gemacht; dann haben die Kinder ihre Laternen nicht ganz umsonst gebastelt”, meinte Kindergartenleiterin Birgit Theißen. Und freuen durfte sich die kleine Rohrener Tagesstätte dann am Tag nach St. Martin, denn die nicht abgeholten Martinstüten und Weckmänner erhielt der Kindergarten.

Gemütliche Feier im MuK

Aus der Not eine Tugend machte man am Donnerstagabend auch in Konzen. Der traditonelle Gang zum Feuer auf der sturmumtosten „Hohe” wurde frühzeitig abgeblasen, stattdessen verlegte man die Martinsfeier in das neue Dorfzentrum MuK. „Es herrschte eine richtig schöne Stimmung, und wir überlegen, den Zug im nächsten Jahr auch dort statt in der Schule ausklingen zu lassen”, freute sich Ortskartellvorsitzender Peter Jung über einen gemütlichen Abend.

In der Schule wurden lediglich vom St. Martin die Tüten an die Kinder ausgegeben, während die Eltern sich im benachbarten Musik- und Kulturzentrum mit Kakao und Glühwein aufwärmten.

Auch das Singen musste nicht ausfallen; die „Eintracht” und das Trommlerkorps intonierten die Martinslieder auf der Bühne des Dorfzentrums.

Ein gut gelaunter St. Martin

Von einer „schönen Stimmung in der gut beheizten Pfarrkirche” sprach auch Jenny Logen vom Martinskomitee in Einruhr. Dabei hätten „ein gut gelaunter St. Martin und der sehr geduldige Pfarrer Stoffels” die Notsituation bestens gemeistert und den Kindern eine schöne Feier in der Kirche ermöglicht. Mit ihren Laternen durften die Kinder sogar schön gruppenweise durch St. Nikolaus tippeln.

Auch in Imgenbroich spielte sich diesmal die komplette Martinsfeier in der Kirche ab. Die für die Organisation federführende Grundschule hatte dies in weiser Voraussicht bereits mittags den Kindern mit auf den Heimweg gegeben. Statt sich Sturm und Regen um die Ohren peitschen zu lassen, sang und spielte man in der Pfarrkirche St. Josef, zog sogar eine Runde im Gänsemarsch durch das Gotteshaus, und der Heilige Mann verteilte die Martinstüten am Altar.

So wie in Imgenbroich und anderswo blieb auch in Simmerath das Martinsfeuer am Rathaus unangetastet. Bruno Wilden hatte aber schon einen - nicht ganz ernst gemeinten - Vorschlag für die Verwendung des Holzstapels: „Da macht der Bauhof der Gemeinde Simmerath demnächst ein Grillfest...”
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