Region/Rollesbroich - Der Gast aus Berlin weiß mit der Melkanlage umzugehen

Der Gast aus Berlin weiß mit der Melkanlage umzugehen

Von: ho
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Politische Prominenz zwischen Kühen, Melkanlagen und Eutern. Auf dem Hof von Rolf Marx in Rollesbroich informierte sich Staatssekretär Peter Bleser aus Berlin (mit Melkschürze) zusammen mit MdB Helmut Brandt, Axel Wirtz (MdL) und Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns über die Probleme der heimischen Landwirtschaft. Foto: Hoffmann

Region/Rollesbroich. Nicht alle Tage legen ein Bundestagsabgeordneter, ein Staatssekretär aus Berlin, ein Landtagsabgeordneter und ein Bürgermeister Hand an die Zitzen eines Kuheuters, um sie an die Melkanlage anzuschließen. Helmut Brandt (MdB), Axel Wirtz, Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Peter Bleser, unternahmen diesen Selbstversuch jetzt auf dem Hof von Rolf Marx in der Rollesbroicher Steinrötschstraße.

Beim anderthalbstündigen Ortstermin wollte Bleser in Erfahrung bringen, welche spezifischen Erwartungen die heimische Landwirtschaft an die Berliner Politik hat und wie die moderne Landwirtschaftspolitik den Ansprüchen familiengeführter landwirtschaftlicher Betriebe gerecht wird.

Helmut Brandt, Bundestagsabgeordneter für die Städteregion Aachen, hatte ihn dazu eingeladen und mit Rolf Marx einen Landwirt ausgesucht, der nicht auf den Mund gefallen ist und anschaulich seine Probleme schilderte. Unterstützung erhielt er dabei von Wilfried Jansen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Aachen, Hans Roßkamp, Kreislandwirt für die Städteregion, sowie Frank Ewert aus Lammersdorf.

Zunächst aber hatte Rolf Marx dem Gast aus Berlin seinen familiengeführten Hof mit 130 Hektar Land näher vorgestellt. Zusammen mit Ehefrau Ursula und drei Kindern wird der Marx-Hof mit gleichzeitiger Unterstützung durch zwei Auszubildende bewirtschaftet. „Wir leben vom Milchvieh“, fasste Marx zusammen, der zu seinem Hof im Ort weiter erklärte, dass er in der fünften Generation geführt würde und man leider nicht viel Grünland rund um den Hof habe. Daher habe man sich vor einiger Zeit einen weiteren Betrieb oberhalb des Rursees zugelegt. 1,3 Millionen Liter Milch werden jährlich erzeugt. Zur Lage seines Stammbetriebes in der Steinrötschstraße merkte Rolf Marx an: „Ich bin froh, dass wir hier am Ortsrand sind, weil es für mich als Bauer wichtig ist, am gesellschaftlichen Leben des Dorfes teilzunehmen“. Natürlich sei durch die Lage manchmal auch eine gewisse Rücksichtnahme (z.B. beim Güllefahren) erforderlich.

Peter Bleser erwies sich dann als Mann vom Fach und meinte nach den Ausführungen von Marx im Hinblick auf seinen eigenen Hof, der von seinem Sohn geführt wird: „Ich sehe schon, dass wir ungefähr gleich ticken“. Der Staatssekretär lobte dann gleichzeitig die Aktivitäten des Rollesbroicher Betriebes bezüglich Umwelt- und Tierschutz, und im Zusammenhang mit der europäischen Landwirtschaftspolitik stellte er klar, kein Freund von „ökologischen Spielchen“ zu sein.

Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns betonte, dass der Hof Marx sich zu einem innovativen und modernen Betrieb entwickelt habe, der im Bund mit den anderen landwirtschaftlichen Betrieben auch für die Pflege der hiesigen Kulturlandschaft wichtig sei. Beim anschließenden Rundgang durch Milchküche, Stallungen und Melkanlage brachte Rolf Marx der fast 20-köpfigen Delegation seinen Hof mit all seinen Facetten näher, wobei Staatssekretär Bleser zwischendurch auch noch ein Kompliment für Simmeraths Bürgermeister übrig hatte: „Kompliment von mir. Es gibt offenbar auch noch Bürgermeister, die sich für Landwirte und Landwirtschaft interessieren.“

Anschließend stellte sich Peter Bleser den Fragen der anwesenden Landwirte, die sich um Milchquote, Lohnkosten und auch die beschäftigen Auszubildenden drehten. Diese wechseln in der Regel nach einem Jahr den Betrieb, um auch andere Sparten der Landwirtschaft kennen zu lernen. In der Diskussion herrschte Einigkeit darüber, dass die Ausbildung an den Schulen auf einem gleichen Standard erfolgen müsse.

Hans Roßkamp aus Lammersdorf kam im Zusammenhang mit dem Aus für das Pumpspeicherwerk am Rursee noch auf die Energiewende zu sprechen, die nach seiner Meinung ohne Landwirtschaft nicht möglich sei. Staatssekretär Bleser wies dazu auf eine künftige Speicherung von Biogas hin. „Wir haben die Möglichkeit, die Stromproduktion von drei Kernkraftwerken mit Biogas abzudecken“, stellte er dazu fest.

Die eingangs geschilderten Melkversuche der politischen Prominenz verliefen im übrigen positiv. Wenn hierdurch in die Tanks von Rolf Marx auch nur einige Liter Milch und keine zusätzlichen Berliner Subventionen flossen, so zeigte er sich nach dem prominenten Besuch doch hoch zufrieden.

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