„Der Flüchtlingsstrom hat doch gerade erst begonnen“

Von: P. St.
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Jolanthe Stoffers von der Betreuungsorganisation „ZOF“ richtet den Sonnenhof in Einruhr für die Ankunft der Flüchtlinge her.
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In den Bettentrakt des Hotels Sonnenhofs auf dem Hostertberg in Einruhr ziehen 130 Flüchtlinge ein. Foto: P. Stollenwerk
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In den Bettentrakt des Hotels

Einruhr. Noch einmal mussten die gut 50 Flüchtlinge rund drei Stunden im Bus verbringen, ehe sie zumindest fürs erste am Ziel ihrer langen Reise waren. Am Dienstagabend traf aus Dortmund kommend der erste Bus mit rund 50 Personen in Einruhr ein, weitere folgten. Im Hotel Sonnenhof auf dem Hostertberg werden sie die nächsten Wochen verbringen.

Wie berichtet, hat ein Hotelier aus Einruhr dem Land Nordrhein-Westfalen, das dringend Unterkünfte sucht, für den rasant ansteigenden Flüchtlingsstrom einen derzeit leerstehenden Gebäudeteil seines Hotels als Notunterkunft zur Verfügung gestellt. Der Mietvertrag gilt zunächst bis zum 15. September.

Die Gemeinde Simmerath hatte kurzfristig am Freitagnachmittag von der Belegung erfahren, am Freitagabend bereits waren die ersten Betten angeliefert worden. Ortsvorsteher Christoph Poschen, der Unverständnis über die Informationspolitik der Bezirksregierung zeigte, hatte in Windeseile einen Infobrief an die Bevölkerung in Umlauf gebracht.

Entgegen den ersten Annahmen können nun doch bis zu 130 Personen im separaten Bettentrakt des Hotels untergebracht werden, der damit voll belegt ist. Zunächst war von 100 Plätzen die Rede gewesen. Nachdem Brandverständige das Gebäude überprüft hatten und die geforderten Maßnahmen wie Brandmeldeanlagen und Verbesserungen an den Feuerschutztüren innerhalb kürzester Zeit installiert wurden, konnte die Kapazität auf 130 Plätze aufgestockt werden. Sollten weitere Auflagen erfüllt werden, könnten rund 60 weitere Flüchtlinge im Hauptgebäude des Hotels Platz finden.

Als der erste Bus am Dienstagabend auf dem Hostertberg eintraf, hatte die zuständige Betreuungsorganisation „ZOF“ aus Duisburg, die mit 20 Helfern vor Ort die gesamte logistische Betreuung abwickelt, bereits für jeden neuen Bewohner ein kleines persönliches Versorgungspaket zusammengestellt. Auch die ersten Spenden aus der Bevölkerung waren bereits im früheren Rezeptionsbereich abgegeben worden.

„Zunächst bekommen die Leute einmal etwas zu essen und zu trinken, und dann werden die Zimmer zugeteilt“, sagt Jolanthe Stoffers, die die Leitung vor Ort übernommen hat. Menschen, die aus politischen Gründen verfolgt werden, werden in Einruhr erwartet. Viele Syrer sind darunter, aber auch in China verfolgte Journalisten.

Zwischen zwei Tagen und zwei Wochen befinden sich die Menschen in Deutschland. Einruhr dient als Erstaufnahmestation, ehe dann die Verteilung auf die einzelnen Kommunen in NRW erfolgt. Familien können in Zimmern für sechs Personen untergebracht werden, Einzelpersonen werden so zusammengelegt, dass es mental und menschlich passt. „Damit haben wir Erfahrung“, sagt Jolanthe Stoffers, die mit der zur Verfügung gestellten „Notunterkunft“ mehr als zufrieden ist. „Das ist hier Luxus im Vergleich zu anderen Unterkünften.“

Die erste Aufgabe für das Betreuungsteam bestehe nun darin, „die traumatisierten Menschen wieder glücklich zu machen“, sagt die Betreuungskraft. Sie hofft, dass auch noch die weiteren Unterkünfte so weit hergerichtet werden können, dass die volle Kapazität des Hauses genutzt werden kann. Jolanthe Stoffers: „Der Flüchtlingsstrom hat doch gerade erst begonnen.“

Hotelbesitzer Roland Körner wurde ebenfalls von der kurzfristigen Zusage der Bezirksregierung, sein Unterbringungs-Angebot anzunehmen, überrascht. Innerhalb von wenigen Tagen musste das Gebäude ausgeräumt werden. Dabei hätten ihm 20 Freiwillige aus Einruhr geholfen. Körner hatte sein Hotel Anfang des Jahres geschlossen. Bereits seit Oktober 2014 stand das Haus leer.

Er fühlte sich von den Brandschutzauflagen, die auch Bereiche des Hauses betrafen, die jetzt nicht von Flüchtlingen belegt werden, regelrecht erdrückt. Daher habe er als letzte Konsequenz das Haus geschlossen. Auch der Gemeinde Simmerath habe er den Bettentrakt als Flüchtlingsunterkunft angeboten. Diese habe jedoch keinen Bedarf angemeldet.

Simmeraths Beigeordneter Roger Nießen stellt klar, dass das Gebäude zu diesem Zeitpunkt wegen unzureichenden Brandschutzes „nicht bewohnbar“ gewesen sei. Außerdem müssten die der Gemeinde zugewiesenen Flüchtlinge langfristig untergebracht werden. Dafür sei das Gebäude nicht geeignet. Der Gemeinde Simmerath sind aktuell 150 Flüchtlinge zugewiesen, 50 befinden sich in der Sammelunterkunft Langschoß, 100 sind dezentral auf angemietete Wohnungen verteilt.

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