Nordeifel - Der Erste Weltkrieg in den Monschauer Zeitungen

Der Erste Weltkrieg in den Monschauer Zeitungen

Von: Günter Krings
Letzte Aktualisierung:

Nordeifel. Die beiden Monschauer Zeitungen berichten von August bis Anfang September 1914 auf ihren Titelseiten von deutschen Siegen an den Fronten, wobei auffällt, dass der Stadt- und Landbote weitaus reißerischere Überschriften wählen als das Volksblatt.

Hier eine Auswahl aus den Überschriften auf den Titelseiten der Zeitungen: 12. August: „Die Festung Lüttich ist gefallen“, 15. August: „Deutsche Hiebe allenthalben“, 22. August: „Neue deutsche Siege“, 26. August: Die ersten großen Siege. Allgemeiner Einmarsch nach Frankreich“, 29. August: „Namur ist gefallen“, 2. September: „Deutsche Siege auf der ganzen Linie“.

Das Volksblatt unterbricht am 22. August die Kriegsmeldungen auf der Titelseite und berichtet vom Tod des Papstes Pius X. und an den folgenden Tagen über die Beerdigung des Papstes und die Wahl des neuen Papstes, der sich Benedikt der XV. nennt.

Interessant ist, wer die bis dahin siegreichen deutschen Armeen führt: Generaloberst von Kluck, Freiherr von Hausen, der preußische Kronprinz und der Kronprinz von Bayern. Nur Adelige scheinen damals als Armeeführer zu fungieren, die den Krieg nach alten Mustern führen wie einst Friedrich der Große, aber anscheinend überhaupt keine Ahnung davon haben, wie viele Tote die modernen Waffen fordern.

Von deutschen Verlusten an Menschenleben wird in der Presse nicht berichtet, wobei man das nicht den Redakteuren anlasten kann, denn sie waren angewiesen auf die Nachrichten eines Depeschendienstes, der wiederum nur das melden durfte, was die oberste Heeresleitung freigab.

Nach einem Sieg, den der preußische Kronprinz errang, schreibt Kaiser Wilhelm II. an die Kronprinzessin Cezilie folgendes Telegramm: „Innigsten Dank, mein liebes Kind! Wie herrlich hat Gott ihm zur Seite gestanden. Ihm sei Dank und Ehre….“ Unterschrieben ist das Telegramm mit „Papa Wilhelm“.

Die ersten toten Soldaten

Der wohl erste Soldat aus dem Kreis Monschau, der im Krieg tödlich verwundet wird, ist Josef Goffart aus Kalterherberg, der schon am 6. August 1914 im Kampf um die Festung Lüttich sein Leben lassen muss. Am 31. August 1914 stirbt Peter Joseph Schmitz aus Imgenbroich mit 23 Jahren im Gefecht bei Montgen in Frankreich. Johann Steinröx aus Konzen stirbt am 3. September in einem Lazarett in Trier an einer Verwundung.

Worüber berichtet nun die Presse im Lokalteil Ende August/Anfang September? Wegen des schlechten Wetters ist die Heuernte erst Anfang September abgeschlossen. Da infolge des Krieges alle Pferde der Landwirtschaft entzogen worden sind, macht sich eine große Nachfrage nach Ochsen bemerkbar, so dass die Preise dafür gewaltig ansteigen. Weil Roggen, Weizen und Hafer gute Ernteerträge bringen, sei eine Beunruhigung der Bevölkerung wegen Lebensmittelknappheit unbegründet, meint der Lokalredakteur.

Am 27. August tagt der Stadtrat von Monschau unter dem Vorsitz von Bürgermeister Pleuß. Er berichtet, dass die Verwaltung es möglich gemacht hat, ausreichende Lebensmittel zu billigen Preisen zu beschaffen. Des Weiteren konnten für das Gaswerk elf Waggons Gaskohle und ein Waggon Petroleum herbeigeschafft werden. Da man davon ausgeht, dass die Reichsbahn bald auf der Vennbahn wieder den Güterverkehr aufnimmt, sieht die Verwaltung keinen Anlass, weitere Waren zu bestellen. Die zwei Waggons Weizenmehl, die am Bahnhof stehen, werden nicht als Reserve für den Winter aufbewahrt, sondern zum Tagespreis verkauft.

Unter „Anzeigen und Bekanntmachungen“ zeigt der Schuhmacher Carl Kell an, dass er eine Schuhwaren-Handlung in Huppenbroich errichtet hat. Die Firma Salzburg in der Stadtstraße verkauft Landkarten mit den aktuellen Kriegsschauplätzen in Europa. Die Feinbäckerei Heinrich Kohl in Eupen sucht ein „braves Mädchen für kinderlosen Haushalt“. Die Firma Henkel preist Persil für Leibwäsche an und die Apotheke Albert in Monschau ein Mittel gegen Kopfläuse.

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