Nordeifel - Der Erste Weltkrieg im Spiegel der Monschauer Lokalzeitungen

Der Erste Weltkrieg im Spiegel der Monschauer Lokalzeitungen

Von: Günter Krings
Letzte Aktualisierung:
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In Kelmis im Göhltalmuseum ist bis heute eine Ausstellung des Malers Theodor Brün zu sehen. Bei den Nazis wurden seine Bilder zur „entarteten Kunst“ gezählt. Er hat nicht die Schrecken des Krieges gezeichnet, sondern den Alltag der Soldaten in den Unterständen und Laufgräben.

Nordeifel. Auch die beiden Monschauer Lokalzeitungen berichten ausführlich über die Ereignisse nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Bis zum November 1914 war der Krieg dann wirklich zu einem Weltkrieg geworden wie man in den Presseberichten, die von der obersten Heeresführung stammen, lesen kann.

Unabhängige Journalisten konnten nicht von den Kriegsschauplätzen berichten. Russische Vorstoße über die ostpreußische Grenze wurden abgewiesen, an der chilenischen Küste werden englische Kreuzer versenkt, Kämpfe gibt es an der türkisch-russischen Grenze im Kaukasus, bei Ypern in Flandern werden Erfolge des deutschen Heeres gemeldet, in Deutsch-Ostafrika kommt es zu Kämpfen mit Engländern, der große deutsche Kreuzer Yorck gerät im Jadebusen auf eine Minensperre und sinkt, 2300 deutsche Soldaten gerieten bei den Kämpfen in Tsingtau (China) in Gefangenschaft, der Kreuzer Emden wird im Indischen Ozean versenkt, englische Kriegsschiffe bombardieren Zeebrügge.

Das sind nur einige Momentaufnahmen von den vielen Kämpfen in diesem Weltkrieg. Über die Anzahl der gefallenen und verwundeten Soldaten wird nicht berichtet. In der Stadt Monschau wird die Zahlung von Geldmitteln an die durch den Krieg in Not geratenen Bevölkerungsteile eingestellt, stattdessen werden Kartoffeln und Koks kostenlos abgegeben. Das Verfüttern von mahlfähigem Roggen und Weizen an Haustiere wird unter Strafe verboten, es wird anscheinend langsam eng mit der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Der Verkauf von Gummireifen für private Personen wird verboten. Ende November werden das Auslegen und der Verkauf von ausländischen Zeitungen verboten. Alles Reisegepäck von Angehörigen feindlicher Nationen wird beschlagnahmt. Bahn, Post und Spediteure müssen solches Gepäck dem Generalkommando in Koblenz gemeldet werden.

Auf den Ehrentafeln des Kreises Monschau werden als gefallen aufgeführt: Bernhard Thomas aus Höfen, Hubert Schartmann aus Roetgen, Ewald Breuer aus Monschau, Leopold Strang aus Mützenich, Josef Cremer aus Dedenborn.

In Rohren wird der Lehrer Billig endgültig als Lehrer für die Dorfschule berufen. Bei einer Sammlung des Roten Kreuzes im Kreis Monschau für Winterkleidung der im Felde weilenden Soldaten wurden folgende Wäsche gespendet: 2080 Paar wollene Strümpfe, 955 Unterhosen, 864 Hemden, 750 Fußlappen, 305 Leibbinden, 748 Taschentücher, 47 Kopfhüllen, 1015 Paar Pulswärmer, 120 Paar Kniewärmer und weitere Kleidungsstücke. Die Bevölkerung wird dringend aufgefordert Goldstücke an Banken abzuliefern.

Interessant ist auch folgende Anzeige: „Viele Familienväter sind im Krieg gefallen, dadurch unzählige arme Kinder zu Doppelwaisen geworden. Wer ein solches armes Kind um Gotteslohn in sein Haus aufnehmen möchte, möge es bei der Expedition (Redaktion) dieses Blattes melden. Kinder kath. oder evang. Konfession und in jedem Alter sind zu vergeben.“

Im Werbeteil der Presse bietet die Fa. Salzburg aus Monschau Öltuch zum Verpacken der Feldpostpakete an. Die Schlachthofverwaltung Aachen bietet Kompostdünger an, der aus Schlachtabfällen (Darm, Blut) hergestellt und mit Kalk vermengt ist. Der Schmied Alois Theißen aus Höfen sucht einen braven und kräftigen Jungen als Lehrling. Paul Heister aus Monschau sucht ein junges, braves Dienstmädchen. Hermann Küpper aus Monschau verkauft schöne Fichtenstangen, Hubert Löhrer aus Kesternich verkauft einen sechsjährigen, zugfesten Ochsen. Lieschen Herzwurm aus Imgenbroich und Conrad Epping aus Warendorf verloben sich.

Der Volksverein für das katholische Deutschland, Ortsgruppe Höfen, veranstaltet am 22. November im Saal Förster einen Vaterländischen Sonntag, der abends um 6 Uhr beginnt.

Programmpunkte sind unter anderem Soldatenspiel, vorgetragen und aufgeführt von Knaben, der Jungfrauenchor singt „Von meinen Bergen muss ich scheiden“ Dann wird ein Gedicht vorgetragen: „Das Land in Gefahr! Alle Truppen mobil!“. Unter dem Titel „Weihnachten im Feld“ singt der Jungfrauenchor „Ich bin ein deutsches Mädchen“ Gemeinsam singen Jungfrauenchor und Kirchenchor „Harre meine Seele“. Ein Gedicht wird vorgetragen mit der Überschrift „Der tote Soldat“. Gemeinsam werden Lieder gesungen: „Ich hab mich ergeben“, „In der Heimat ist es schön“, „Ich hatt einen Kameraden“, „Deutschland, Deutschland über alles“. Schlusspunkt dieses Abends ist ein Hoch auf den Kaiser und das Heer und das Singen der Nationalhymne. Unterschrieben ist diese Einladung von Pfarrer Schiffhauer.

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