Den Skatspielern geht der Nachwuchs aus

Von: ag
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Beim Kartenspiel in der alten Grundschule in Höfen stehen Zeitvertreib, Unterhaltung und das Treffen von Bekannten im Vordergrund. Neue Mitspieler sind hier gerne gesehen. Foto: A. Gabbert
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Der Preisskat am Freitagabend in Widdau gehört für Robert Lauscher, Heinz-Josef Hermanns, Andreas Hermanns und Alois Kirch zu den festen Terminen. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Viele Münzen liegen auf den beiden Tischen in der alten Schule in Höfen, an denen sich die Männer versammelt haben. Es geht aber nur um kleine Beträge, schließlich handelt es sich lediglich um Rotgeld, um Ein- und Zwei-Cent-Münzen. „Reich werden kann man hier nicht“, sagt einer der Männer.

„Doch, an Erfahrung“, widerspricht ein anderer mit einem Lachen im Gesicht. „Jeder hat hier sein Gelddöschen, das wird nicht voller und nicht leerer“, sagt Hubert Kirch, der mit 66 Jahren der Jüngste in der Runde ist. 50 bis 80 Cent seien schon ein großer Gewinn beziehungsweise Verlust – je nach Sichtweise.

Bis zu elf Personen treffen sich jeden Mittwoch von 14.30 bis 17.30 Uhr in dem Raum, der auch von der Pfarrbücherei genutzt wird, um Skat oder Solo zu spielen. Mehr Spielzeit hätten ihnen ihre Frauen nicht genehmigt, sagen die Männer. Fast alle sind Höfener oder ehemalige Höfener, die zum Kartenspielen aus Rohren, Menzerath oder Konzen in ihr Heimatdorf kommen.

Hier spielten schon die Väter

Mit 88 Jahren ist Paul Gerwers der Älteste von ihnen. Er ist seit 15 Jahren dabei, Franz Jansen sogar schon 24 Jahre. Gespielt wird in dieser Runde aber schon seit mindestens 30 Jahren. Teilweise haben sich hier schon die Väter der Männer getroffen, um Skat oder Solo zu spielen. Im Vordergrund stehen Zeitvertreib, Unterhaltung und das Treffen von Freunden und Bekannten. Ein wenig geht es auch um Tradition, schließlich wurde früher sonntags nach dem Hochamt beim Frühschoppen in nahezu allen Dorfkneipen in der Eifel Skat gekloppt. Der ein oder andere aus der Runde hat das Spiel bei diesen Gelegenheiten kennengelernt und erstmal kräftig Lehrgeld bezahlt. Viele von ihnen haben das Spiel auch von ihren Vätern gelernt.

„Eine Frau hat sich noch nicht her getraut“, sagt Lothar Förster. „Die haben ihre eigene Solo-Runde. Irgendwann muss der Zusammenschluss erfolgen“, ergänzt Hubert Kirch mit einem Augenzwinkern. Einmal im Jahr sind aber auch die Frauen mit von der Partie, wenn der Erlös aus dem Getränkeverkauf in einem Restaurant auf den Kopf gehauen wird. Der Skat- und Solorunde fehlt es aber nicht nur an Frauen, sondern auch an Nachwuchs. Deshalb laden die Männer ein, einfach mittwochs in die alte Schule an der Schmiedegasse zu kommen und mitzuspielen.

Neue Mitspieler sind auch beim Skatclub Widdau gerne gesehen. Schon seit Jahrzehnten treffen sich die Spieler aus verschiedenen Orten der Eifel freitags um 20 Uhr in der Gaststätte Küpper in Widdau zum Preisskat. Viel geändert hat sich seit der Gründung nicht, es wird nur weniger geschimpft und es ziehen auch keine dicken Rauchschwaden mehr durch die Kneipe. Das Startgeld kostet 6 Euro. Wer an welchem Tisch spielt, bestimmt das Los. Es werden immer noch zwei Serien à 40 Runden gespielt, „weil es sonst zu spät würde“ und der schlechteste Spieler bekommt immer noch eine Tafel Schokolade als Trostpflaster.

Das einzige noch aktive Gründungsmitglied ist Heinz Küpper. „Viele sind schon tot, aber der Club lebt immer noch“, sagt Heinz-Josef Hermanns aus Rohren. In den Jahren 2010 und 2011 waren einige der besonders aktiven Spieler gestorben und die Zahl der Mitglieder war auf zwölf gesunken. „Das waren Schreckensjahre für den Club.“ In den Folgejahren stieg die Zahl der Mitglieder dann wieder auf 15 an. Die einzige Frau im Verein ist mit 43 Jahren gleichzeitig auch das jüngste Mitglied. Das älteste Mitglied ist 79 Jahre alt.

Seit vielen Jahren ist der Club erfolgreich in den oberen Ligen unterwegs. Momentan spielt er in der Oberliga, wo er im vergangenen den dritten Platz belegte und knapp am Aufstieg vorbei schrammte, gegen Gegner aus Zülpich, Lüttringhausen, Schwerte, Lennestadt, Braubach, Witten oder Weilerswist. Von 1984 bis 1985 spielte der Club sogar in der Bundesliga. Auch bei den Deutschen Meisterschaften reichte es sowohl in der Mannschafts- als auch in der Einzelwertung schon oft für die Teilnahme an der Endrunde. Zeitweise stellte der Club zwei Mannschaften, bei den Verbandsmeisterschaften auch schon mal drei.

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