Den Niederschlag voll unter Kontrolle

Von: Carmen Krämer
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Gut gefüllt ist die Rurtalsperre: Vom Aussichtspunkt Hirschley im Kermeter wirkt selbst im tristen Winter die Landschaft reizvoll. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Das war mal wieder nichts mit der weißen Weihnacht. Wer einen Schlitten oder Ski unter dem Weihnachtsbaum gefunden hat, der dürfte bislang wohl mehr als enttäuscht sein. Die Weihnachtsferien sind vorbei und keine Flocke ist in den zwei Wochen gefallen - dafür aber „Regen, Regen - nichts als Regen“ wie man die Leute auf der Straße unter ihren Schirmen murmeln hört.

An nur drei Tagen hat es im Dezember 2012 nicht geregnet. „Das ist eher ungewöhnlich, aber nicht extrem. Man könnte hinsichtlich der Talsperren allenfalls von einem 'Hochwässerchen' sprechen“, erklärt Joachim Lange, Unternehmensbereichsleiter für Hydrometrie und Speicherbewirtschaftung beim Wasserverband Eifel-Rur. „Am 28. Dezember lag der Zufluss in die Olef-, Urft- und Rurtalsperre aufgrund der gehäuften Regenfälle mit 70 Kubikmetern pro Sekunde am höchsten. Aber es können grundsätzlich sogar 400 Kubikmeter zufließen, wenn zum Beispiel eine Schneeschmelze dazukommt.“

Derzeit müssen noch 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgelassen werden, in den nächsten Tagen soll die Abgabemenge jedoch stufenweise auf 17 Kubikmeter pro Sekunde reduziert werden. „Der Durchschnittswert für das ganze Jahr liegt bei elf Kubikmetern, das heißt, wir liegen derzeit immer noch über der normalen Abgabemenge“, berichtet Joachim Lange. Das ist jedoch nicht ungewöhnlich. Bei Spitzenwerten, die beispielsweise aufgrund von Schneeschmelzen erreicht werden können, werden schließlich bis zu 60 Kubikmeter abgelassen.

„Dabei kann es zu Überschwemmungen von Wiesen und vollgelaufenen Kellern kommen, aber das wäre ja erst recht so, wenn es keine Talsperren geben würde“, erklärt der Unternehmensbereichsleiter. Die Schwierigkeit liegt für ihn und seine Kollegen darin, den Hochwasserschutz zu beachten und gleichzeitig für einen ausreichenden Wasservorrat zu sorgen. „Beides widerspricht sich gewissermaßen, denn um den Schutz vor Hochwasser gewährleisten zu können, muss das Wasser niedrig gehalten werden. Um für ausreichend Vorräte zu sorgen, muss jedoch Wasser gesammelt werden. Wir müssen uns also irgendwo dazwischen bewegen.“

Doch wie wird die Abgabemenge bestimmt, wo man doch nie weiß, welche Witterung als nächstes auf uns zukommt? Es könnte schließlich sein, dass es bereits ab morgen monatelang trocken ist oder uns im Gegenteil unüberschaubare Mengen an Regen und Schnee überraschen. Woher weiß man also, wie viel Wasser abgelassen werden darf, ohne sich der Gefahr auszusetzen, nach einiger Zeit zu wenig oder viel zu viel Wasser zu haben? „In den letzten 110 Jahren wurden täglich Messwerte genommen, die uns einen gewissen Erfahrungsschatz bieten. Aus diesen Erfahrungen heraus werden Regeln erstellt, anhand derer wir die Abgabemengen bestimmen“, erläutert er. Der Trinkwasserbedarf, der Anspruch der Industrie und das Volumen seien schließlich immer konstant.

Hinsichtlich des Wetters müsse man sich auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre beziehen. Klar ist, dass man auch jetzt schon für den Sommer mitdenken muss. „Ein Restrisiko, dass sich das Wetter so extrem verändert, dass wir einen Fehler begehen, bleibt aber immer. Wenn wir plötzlich Hitze und Trockenheit hätten wie in manchen afrikanischen Ländern, könnte es natürlich kritisch werden“, weiß Lange. Grundsätzlich habe man sich bisher auf die Erfahrungswerte verlassen können.

Fragen zum Speicherkraftwerk

Auf die Frage, was er vom geplanten Pumpspeicherkraftwerk halte, antwortet Joachim Lange, dass Trianel dem Wasserverband derzeit noch circa hundert Fragen schuldig sei. „Alle bisherigen Gutachten haben gezeigt, dass es technisch machbar sein sollte. Einige unserer Verbandsmitglieder hätten sicherlich finanzielle Vorteile von dem Kraftwerk. Es ist allerdings fraglich, ob diese finanziellen Vorteile mögliche Nachteile aufwiegen können. Um tatsächlich eine Stellung beziehen zu können, brauchen wir erst die Antworten auf unsere Fragen“, so Lange. Und dies könnte sich noch bis zu einem Jahr hinziehen.

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