Demografischer Wandel: Der Bürgermeister kommt erst ab 90

Von: hes
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Zu 80. Geburtstagen gratulierte in der Gemeinde Simmerath bislang der jeweilige Ortsvorsteher im Namen der Gemeinde. Künftig wird der Ortsvorsteher dies auch bei 85. Geburtstagen ohne Begleitung des Bürgermeisters dürfen, wie der Generationenausschuss nun beschloss. Foto: Heiner Schepp

Simmerath. Wer in der Gemeinde Simmerath ein Altersjubiläum feiert, der bekommt künftig nur noch ab einem Alter von 90 Jahren Besuch vom Bürgermeister oder einem seiner Vertreter. Dies hat der Generationenausschuss nun angesichts der kräftig gestiegenen und weiter steigenden Zahl von Bürgern, die das 85. Lebensjahr erreichen, beschlossen.

Besuch erhalten die betagten Geburtstagskinder zum 80. und 85. Geburtstag aber weiterhin durch den jeweiligen Ortsvorsteher, und auch die Geldgeschenke der Gemeinde bleiben trotz Finanznot in der bisherigen Höhe, wie der Ausschuss weiter verfügte.

Alle fünf Jahre macht die Gemeinde ihren betagten Bürgern ihre Aufwartung. Zum 80. Geburtstag kommt der Ortsvorsteher und bringt zehn Euro mit, die aber nicht direkt aus der Gemeindekasse kommen, sondern die der Ortspolitiker aus seinem eigenen „Pott” für diese Zwecke finanziert.

Bei 85-Jährigen verdoppelt sich das Geldgeschenk, das der Ortsvorsteher dann künftig alleine vorbeibringt. Wer sein 90., 95. oder gar 100. Lebensjahr vollendet, darf sich auf Bürgermeister, Ortsvorsteher und 35 Euro freuen, wobei man sich im Ausschuss einig war, dass der hohe Besuch den Bürgern sehr viel bedeute, während das Geldgeschenk zwar eine nette Geste sei, „den Leuten aber nicht so wichtig”, wie Günter Scheidt als Ortsvorsteher von Eicherscheid aus eigener Beobachtung wusste.

Auch Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns stellt bei seinen Jubilarbesuchen immer wieder fest, „dass das Geld den Leuten nicht so wichtig ist, sie sich aber sehr über den Besuch der Gemeinde freuen”. Und Heribert Vroemen wusste gar, „dass viele Frauen extra zum Frisör gehen, wenn der Bürgermeister oder der Ortsvorsteher kommt”.

Wenn der Bürgermeister aber auch weiterhin schon die 85-jährigen Geburtstagskinder besuchen würde, dann käme er bald gar nicht mehr zu seinen übrigen Amtsgeschäften. Denn während diese Geste im Jahr 1990 noch 16 Besuche bei 85-Jährigen bedeutete, so stieg ihre Zahl im Jahr 2000 schon auf 35.

Und wenn das laufende Jahr zu Ende ist, wird der Bürgermeister, sein Vorgänger oder einer seiner Vertreter bei 52 85.Geburtstagen gewesen sein. Nächstes Jahr sind es dann schon 78 Bürger, die „85” werden und deshalb „nur” noch den Ortsvorsteher werden empfangen dürfen. „Das ist die erfreuliche Seite des demografischen Wandels, dass unsere Bürger immer älter werden”, so Günter Scheidt.

Das zeigt sich übrigens auch bei den dreistelligen Geburtstagen, deren im nächsten Jahr in Simmerath auch mehrere anstehen, darunter nach jetzigem Stand sogar ein 102. Geburtstag. Ab der „100” kommen Bürgermeister und Ortsvorsteher dann jährlich und bringen auch jedes Jahr 35 Euro mit, wie der Ausschuss nun ergänzend beschloss.

Besuch und Geschenk der Gemeinde Simmerath gibt es aber nicht nur für Geburtstagskinder, sondern auch für Ehejubiläen. Wer Goldene (50), Diamantene (60) oder Eiserne (65) Hochzeit feiert, darf sich auch künftig über Doppel-Besuch samt Kuvert mit 50 Euro freuen.
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