Dem Nahkauf in Rollesbroich droht die Schließung

Von: P. St.
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Als die co op Monschau-Land sich von ihrem Laden in Rollesbroich trennte, übernahm die Konsumgenossenschaft Eicherscheid eG die Filiale. Im Juli 2008 startete der „Nahkauf“ vielversprechend, jetzt steckt er tief in der Krise. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Rollesbroich. Mit Blumengeschenken, Zuversicht und über 200 einkaufswilligen Kunden startete der Dorfladen Rollesbroich vor sechs Jahren in eine vielversprechende Zukunft. Diese anfängliche Euphorie ist inzwischen aber der wirtschaftlichen Realität gewichen.

Der Rollesbroicher Nahkauf läuft nicht mehr, und wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht, dann wird das Geschäft im nächsten Jahr geschlossen. Der Vorstand der Konsumgenossenschaft Eicherscheid eG, die neben Rollesbroich auch die Läden in Eicherscheid und Rott unterhält, hat bereits vorsorglich einen Beschluss über die Kündigung des Mietverhältnisses für das 84 Quadratmeter große Ladenlokal gefasst.

Hermann Gostek, Vorstandsvorsitzender der Konsumgenossenschaft, will bei der nächsten Zusammenkunft der Genossenschaft am 21. Oktober die Zukunft aller drei Läden erörtern. „Für Rollesbroich bestehen nach dem dezeitigen Sachstand kaum Aussichten, dass der Laden das nächste Jahr noch übersteht.“

Seit Jahren bereits bewegt sich der Laden an der Dürener Straße mit jeweils rund 5000 Euro Minus in der Verlustzone. Wenn dann im neuen Jahr das neue Mindestlohngesetz greift, dann rechnet der Vorstand sogar mit einer jährlichen Unterdeckung von etwa 10.000 Euro.

„Unter diesen Umständen ist die Wirtschaftlichkeit dann nicht mehr gegeben“, bringt Gostek die Situation auf den Punkt. Wenn der Laden keine Perspektive mehr aufzeige, dann sei der Vorstand gezwungen, zu reagieren, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Hermann Gostek: „Wir stehen in der Pflicht, Schaden von der Genossenschaft abzuwenden.“

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in Rollesbroich ist jetzt Marc Topp aus dem Aufsichtsrat der Konsumgenossenschaft zurückgetreten. Der Rollesbroicher Ortsvorsteher zeigt sich hochgradig verärgert über die Informations-Politik des Vorstandes. „Da ist keine konstruktive Zusammenarbeit mehr möglich.“ Er spricht von Entscheidungen „im stillen Kämmerlein“ sowie von „verspäteten und äußerst dünnen“ Informationen. Die Schließung des Ladens in Rollesbroich wäre aus seiner Sicht „eine mittelschwere Katastrophe“.

„Wir haben nichts zu verbergen“, sagt Hermann Gostek und verweist erneut auf seine Verpflichtung, die Wirtschaftlichkeit der drei Läden im Blick zu behalten.

Er könne die Verärgerung von Marc Topp durchaus verstehen, vermisse aber andererseits auch Aktivitäten des nun ehemaligen Aufsichtsratsmitgliedes, um die Entwicklung abzuwenden. „Da hat sich monatelang nichts getan.“ Er habe schon vor längerer Zeit die Möglichkeit angeboten, dass Rollesbroich den Laden in Eigenregie führen könnte. Es gebe genug Beispiele dafür, dass eine solche Struktur funktioniere. Darauf sei bislang keine Reaktion erfolgt. Daher möge Marc Topp „zunächst einmal vor seiner eigenen Tür kehren“, weist Gostek die Vorwürfe zurück.

Der Vorstandsvorsitzende verweist auf die Beispiele der Läden in Rott und Eicherscheid. In Rott habe sich ein Arbeitskreis aus über 30 Mitgliedern gebildet, „die aktiv nach Lösungen suchen, wie man den Dorfladen erhalten kann“, und in Eicherscheid entwickelten sich ebenso Aktivitäten, wie man den Herausforderungen der Zukunft und vor allem dem Thema Mindestlohn begegnen könne.

„In Rollesbroich fehlt die Begeisterung“, hat Hermann Gostek festgestellt, „denn ein kleiner Laden im Ort lebt vor allem von der Solidarität der Dorfgemeinschaft.“

Wenn der Laden in Rollesbroich weiterhin gewünscht sei, „dann muss jetzt ganz Rollesbroich aufstehen“, sieht Gostek die einzig realistische Überlebenschance für den Nahkauf.

Die Erhaltung des Ladens ist auch für Marc Topp ein elementares Anliegen. In der kommenden Woche werde er einen Bürgerbrief verteilen, worin er auch die Situation des Dorfladens in Rollesbroich thematisieren wird. Der Ortsvorsteher denkt unter anderem an eine Neubelebung des seiner Zeit gegründeten Arbeitskreises zur Erhaltung des Dorfladens.

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