Dem Bauernmuseum in Lammersdorf droht das Aus

Von: Max Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
14810668.jpg
Georg Schruff vor seinem „Schmuckstück“: Der 1. Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte und Dorfkultur Lammersdorf hofft auf ehrenamtliche Unterstützung, um den Betrieb im Lammersdorfer Bauernmuseum langfristig fortführen zu können. Foto: Max Stollenwerk
14810655.jpg
Im Bauernmuseum Lammersdorf können die Kinder bei den Backtagen auch lernen, wie ein „Knippplatz“, ein Brötchen aus süßem Hefeteig, gebacken wird. Foto: Max Stollenwerk

Lammersdorf. Das Bauernmuseum ist aus dem Lammersdorfer Ortsbild nicht mehr wegzudenken. Seit mittlerweile 33 Jahren gehört es zu Lammersdorf wie die Firma Junker oder der Lammersdorfer Hof. Doch aktuell wird die Lage ernst und es ziehen schwarze Wolken auf über dem alten Fachwerkhaus in der Bahnhofstraße.

Wenn es so weitergeht wie jetzt, droht dem Bauernmuseum das gleiche Schicksal wie dem nur wenige hundert Meter entfernten Burghof und es verschwindet aus dem Ortsbild des zweitgrößten Dorfes in der Gemeinde Simmerath. „Wir brauchen dringend neue Leute, die tatkräftig anpacken, uns unterstützen und die Bereitschaft haben, ehrenamtliche Aufgaben auch dauerhaft zu übernehmen“, sagt Georg Schruff, der 1. Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte und Dorfkultur Lammersdorf und gleichzeitig so etwas wie die „Seele des Bauernmuseums“.

An dem alten Fachwerkhaus seien einige Instandhaltungsarbeiten auf der Strecke geblieben, und auch die Pflege des großen Außengeländes nehme einiges an Zeit in Anspruch. „Leider sinkt die Bereitschaft, ehrenamtliche Arbeit zu leisten, so dass letztendlich alle Arbeiten an einigen wenigen Personen und hauptsächlich am Vorstand hängenbleiben“, zeigt sich Schruff enttäuscht. Auch weiß er, dass das altersbedingte Ausscheiden aktiver Mitglieder ein weiteres Problem darstellt. Aufrufe, um Helfer zu mobilisieren, würden häufig im Sande verlaufen. Durch die Pflege des alten Fachwerkhauses habe man im Gegensatz zu anderen Vereinen erhebliche Mehrarbeit, die mit einer Handvoll Personen nicht zu stemmen sei.

Wie ernst die Lage um das Bauernmuseum ist, machen die mahnenden Worte von Georg Schruff deutlich: „Der jetzige Vorstand wurde auf der Jahreshauptversammlung für die nächsten vier Jahre gewählt. Falls sich in dieser Zeit keine neuen Leute finden, die uns unterstützen und in die Vorstandsarbeit integriert werden, ist es nicht auszuschließen, dass wir gezwungenermaßen die Auflösung des Vereins und damit auch das Ende des Bauernmuseums in die Wege leiten müssen.“

Ein Szenario, das Georg Schruff sich nicht gerne vorstellen möchte. „Ich liebe dieses Haus und wäre sehr traurig darüber, wenn es geschlossen werden müsste oder sogar abgerissen wird, denn es ist ein Alleinstellungsmerkmal für Lammersdorf und die gesamte Gemeinde Simmerath“, so der 60-Jährige. Der Verein für Heimatgeschichte und Dorfkultur Lammersdorf, der sich im Jahr 1982 auf Initiative des Sonderschullehrers, Hobbymalers und Heimatkundlers Hans-Jürgen Siebertz gegründet hat, ist mit aktuell 627 Mitgliedern der mitgliederstärkste im Dorf.

Der Großteil der Mitglieder sei jedoch inaktiv, so dass die Arbeit immer an den gleichen Personen hängenbleibe. Die Hauptziele des Vereins sind es, alte Sitten und Brauchtümer zu pflegen und zu erhalten sowie die Erforschung, Dokumentation und Veröffentlichung der Geschichte Lammersdorfs. So hat man beispielsweise im Jahr 2000 eine Ausstellung mit über 2000 Bildern zur Entwicklung des Ortes von 1880-1930 im Simmerather Rathaus präsentiert. Auch an dem Projekt „Historische Wegenamen“ hat der Verein tatkräftig mitgewirkt und im Zuge dessen über 100 Wirtschafts- und Waldwege beschildert, um die alten Flurnamen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Doch in den letzten Jahren seien die Besucherzahlen und auch die Anzahl der Führungen immer weiter gesunken, erklärt Schruff. Waren es ursprünglich einmal um die 3000 Erwachsene, Jugendliche und vornehmlich Schulklassen plus circa 25 Führungen, seien es im letzten Jahr lediglich noch rund 600 Besucher und zehn bis zwölf Führungen gewesen. „Es werden neue Leute mit frischem Wind und frischen Ideen gebraucht, auch um neue Akzente zu setzen und das Bauernmuseum wieder attraktiver zu machen“, appelliert Georg Schruff an die Bürger.

Es fehle an aktiven Mitgliedern, die selbstständig agierten und eine Aufgabe zuverlässig erledigten. Und auch die Eröffnung der Ravel-Route, die unmittelbar am Bauernmuseum vorbeiführt, habe nicht den erhofften Zulauf gebracht, auch wenn „der eine oder andere schon mal anhält und sich das Museum ansieht“, so Schruff, der seit mittlerweile fünf Jahren Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte und Dorfkultur Lammersdorf ist. Geöffnet hat das Bauernmuseum in der Regel an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Zudem gibt es mehrmals im Jahr Backtage sowie vereinzelt Museumsführungen. „Es ist aber in der Vergangenheit auch schon vorgekommen, dass wir gar nicht aufgemacht haben, weil uns einfach die Leute fehlten“, sagt Schruff ernüchtert.

Dass die Helfer an allen Ecken und Enden fehlen, zeigt auch die Tatsache, dass das sonst so beliebte Museumsfest am ersten Samstag im Juli in diesem Jahr erstmals nach 15 Jahren ausfällt. Hier haben Handwerker ihre Fertigkeiten unter Beweis gestellt, es wurde geschmiedet, geschustert und vieles mehr. „Leider fehlen auch hier die Leute, die es aktiv mitgestalten und alleine schafft der Vorstand es nicht“, erklärt Schruff.

Ebenfalls Unterstützung für die Zukunft benötigt die Theatergruppe im Bauernmuseum. „Egal, ob Schauspieler, Techniker, Personen für den Bühnenbau“, sagt Schruff, der einen Elektrobetrieb in Aachen betreibt und betont: „Der Leiter der Theatergruppe ist auch bereits 64 Jahre alt, so dass auch hier früher oder später ein Nachfolger gebraucht wird.“

Dann hält plötzlich ein Bus vor dem Bauernmuseum an und 20 Grundschüler der Evangelischen Ganztagsschule aus Eschweiler steigen aus. Sie bekommen eine Führung durch das Museum und lernen, wie man früher gebacken hat. „Mir liegt gar nichts daran, dass das Bauernmuseum geschlossen wird, aber so wie jetzt kann es nicht weitergehen“, sagt Georg Schruff, bevor er die Grundschüler in Empfang nimmt, ihnen einige Brauchtümer und Sitten der Nordeifel näherbringt und die Einrichtung alter Eifeler Bauernhäuser zeigt.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert