Debüt-Roman „Landlust“: Freudenhaus im Provinznest

Von: P. St.
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Nordeifel. Günter Hochgürtel ist in der Nordeifel kein Unbekannter. Als kreativer Kopf der Eifelrockband „Wibbelstetz“ hat er musikalische Meilensteine in der Region gesetzt, und ebenso auch mit einprägsamen Liedtexten Akzente gesetzt.

„Wibbelstetz“-Hits wie „Nempt mich möt“ oder „Himbeer-Marmelad“ gehören in der Eifel und darüber hinaus längst zum Allgemeingut. Was lag also näher, sich auch einmal an einem größeren literarischen Werk zu versuchen?

Folglich griff Hochgürtel zur Feder, und herausgekommen ist jetzt der Roman „Landlust“. Um es gleich vorweg zu sagen: Der „Eifel-Troubadour“ ist nicht der großen Verlockung erlegen, sich neben vielen anderen schreibfreudigen Autoren auch noch in die Reihe der Eifelkrimi-Produzenten einzureihen: „Nein. Es soll ja noch andere Formen von Literatur geben“, antwortete der in hiesigen Breiten bekannte Künstler und Journalist jedes Mal ein wenig genervt, wenn er auf seine literarischen Aktivitäten angesprochen wurde.

Von den mal frechen, mal sentimentalen Mundartliedern aus seiner Feder hat sich Hochgürtel auch in seinem Erstlings-Roman inspirieren lassen, wenn auch nicht immer deren pointierte Bissigkeit erreicht wird.

Der umtriebige Nettersheimer beschreibt seine Motivation, das Projekt in Angriff zu nehmen: „Um ehrlich zu sein, wollte ich schon immer Schriftsteller werden. Aber bislang hatte ich so viel Spaß am Musikmachen und an meinen Konzerten, dass ich für ein längeres Projekt keine Zeit hatte.“ Und außerdem wisse man am Ende nicht einmal, „ob das Zeug etwas taugt“, so Hochgürtel.

Dem Debütroman liegt eine wahre Geschichte zu Grunde, die Günter Hochgürtel vor 30 Jahren als Jungredakteur hautnah miterlebte. Damals gab es einen Riesenaufstand im Mechernicher Ortsteil Katzvey, als in einem normalen Einfamilienhaus ein Etablissement unter dem Namen „Club Exclusive“ eröffnete. Weil die dort tätigen Liebesdamen für Ortsunkundige schlecht zu finden waren – das Freudenhaus lag in einer unscheinbaren Stichstraße – fragten die Freier in der Nachbarschaft häufiger nach der Adresse. Was wiederum die Katzveyer Anlieger heftig verdross, so dass sie sich zusammenrotteten, um gegen den „Club“ vorzugehen.

Die bisweilen mit harten Bandagen ausgetragene Auseinandersetzung in einem bis dahin friedlichen Eifeldorf sorgte bundesweit für Schlagzeilen, selbst Rundfunk und Fernsehen berichteten. Im Stadtrat wurde heftig darüber diskutiert, ob Liebesdamen in einem reinen Wohngebiet zulässig sind. Ein Thema, das nach wie vor aktuell ist. „Mich hat fasziniert, wie konsequent sich die Leute damals solidarisiert haben. Drei Monate lang haben die Katzveyer abwechselnd an der Stichstraße gehockt und dem Club das Leben schwer gemacht“, erinnert sich der Autor. Er habe sich seinerzeit vorgenommen, die Story irgendwann einmal zu Papier zu bringen.

Nun ist es passiert: Mit „Landlust“ werden die damaligen Ereignisse neu aufgelegt, und zwar im „Club Diskret“ in einem Provinznest namens Klaasfeld. Doch Hochgürtel erlaubt sich große dichterische Freiheiten und fantasievolles Wunschdenken. Eingeflossen in die 280 Seiten des Romans sind die profunden Kenntnisse des Lokal-Journalisten, was die Mentalität seiner Eifeler Landsleute anbelangt. Der Mikrokosmos „Dorf“ ist Günter Hochgürtel von Kindesbeinen an vertraut.

Hochgürtels unkomplizierte Sprache verleiht dem Roman große Authentizität. Der Autor verfolgte wohl nicht die Absicht, ein literarisches Meisterwerk abzuliefern. Das Buch dient der leichten Unterhaltung, ist inhaltlich unkompliziert und die Verwendung von schlichten sprachlichen Mitteln, wie man es auch aus der Trivialliteratur kennt, rückt es besonders am Ende zeitweise aber auch in die Nähe des Groschenromans oder des dörflichen Laien-Theaters, wo sich am Ende alle in den Armen liegen. Immerhin: Der Spaß beim Lesen kommt nicht zu kurz.

Zu kaufen ist der Roman „Landlust“ in allen Buchhandlungen im Kreis Euskirchen, oder und www.guenter-hochguertel.de und www.amazon.de.

Günter Hochgürtel, „Landlust“, Edition Archipoeta; ISBN 978-3-00-048561-9, 8,90 Euro.

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