Deal mit falschen Führerscheinen: Mann vor Gericht

Von: Dirk Lotze
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Für rund 500 Euro habe der Mann gefälschte Führerscheine verkauft. Foto: Oliver Berg/dpa

Nordeifel. Er soll reihenweise falsche Führerscheine verkauft haben, die echten Dokumenten nicht mal ähnlich sahen. Die Kunden: mutmaßlich arglose Autofahrer, die wie er aus Persien stammen, aber schlechter Deutsch konnten als er, die wenig Erfahrung mit europäischen Papieren hatten.

Ein Geschäftsmann aus Simmerath muss sich derzeit vor dem Landgericht in Wuppertal wegen gewerbsmäßigen Betrugs verantworten. Er wehrt sich mit einer Berufung gegen neun Monate Bewährungsstrafe, die das dortige Amtsgericht gegen ihn verhängt hat. Der Mann schweigt zu den Vorwürfen.

Die Staatsanwaltschaft sieht mindestens drei Fälle als sicher nachgewiesen. Dabei habe der Angeklagte für jeweils rund 500 Euro schlicht Übersetzungen ausländischer Führerscheine geliefert, die ähnlich etwa über den ADAC für einen Bruchteil des Preises zu bekommen wären. Fahren darf man mit den scheckkartengroßen Plastikkärtchen in Deutschland nicht.

Werbung habe der Mann für sein Geschäft über Annoncen abgewickelt. „Internationaler Führerschein“ habe dort gestanden. Für 20 Jahre sei das Dokument gültig. Ein Gerichtsdolmetscher hat festgestellt: Von Übersetzungen stand da nichts.

Die falschen Führerscheine waren aufgefallen, als ein Kunde (26) aus dem Münsterland im August 2013 in einen Unfall verwickelt wurde. Der Mann, inzwischen Student: „Die Polizei hat mich erst mal festgenommen, um festzustellen, woher ich diese Fälschung hatte.“ In der Folge sei er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden. Zusatzjobs habe er angenommen, um mehr als 10.000 Euro Schulden eigenständig abzuzahlen.

Über den Angeklagten sagte er: „Er hat mit meiner Zukunft gespielt.“ Die Opfer gaben an, dass sich der Angeklagte alle Unterlagen jeweils per E-Mail schicken ließ. Die Ware kam nach Bezahlung per Post. Am Telefon habe der Simmerather jeweils beteuert: Er fahre selbst schon seit 20 Jahren ohne Probleme mit so einer Karte durch Deutschland.

Nach vorläufigen Feststellungen des Gerichts stimmt das wohl nicht so ganz. Die Vorsitzende Richterin: „Sie versuchen seit 2007 erfolglos, ihren iranischen Führerschein umschreiben zu lassen. Ein Antrag läuft gerade. Sie sind viermal durch die Theorieprüfung gefallen.“ Die entsprechenden Zeugen seien bereits geladen. Zusätzlich habe sie eine Bußgeldakte angefordert, nach der er bei einem Tempoverstoß um 20 Stundenkilometer aufgefallen sei.

Der Angeklagte hat bis zur Fortsetzung des Prozesses Ende März Zeit, über eine Rücknahme seiner Berufung nachzudenken. Anwalt Holger Jacobs: „Ich habe Schwierigkeiten, mich ihm verständlich zu machen. Ich werde ihn nochmals in mein Büro einladen.“

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