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„Davon lassen sich auch viele Umweltbewusste blenden“

Von: ag
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Nordeifel. Die Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ sieht sich durch eine Studie im Auftrag von WWF und Greenpeace bestätigt. In dieser Studie aus dem November 2012 geht es nicht um das geplante Pumpspeicherkraftwerk am Rursee, sondern um das geplante Pumpspeicherkraftwerk Kaunertal in Tirol. Die angeführten Bedenken seien aber in vielen Punkten mit der Sichtweise der Bürgerinitiative identisch.

Die Umweltorganisationen halten fest, die Studie des Schweizer Energieexperten Heini Glauser zeige, dass neue Pumpspeicherkraftwerke aufgrund des Strukturwandels im europäischen Strommarkt wirtschaftliche Auslaufmodelle seien. Vor allem wegen der wachsenden Konkurrenz zu günstigem Solar- und Windstrom sei zu erwarten, dass die Pumpspeicherung in den nächsten Jahren zu einem Verlustgeschäft werde, das letztlich der Steuerzahler tragen müsse. Deshalb fordern sie die Tiwag (Tiroler Wasserkraft AG), die das Projekt in Tirol vorantreibt, auf, das Projekt zu den Akten zu legen.

Heini Glauser bezeichnet Pumpspeichersysteme als „Wasser im Dienste von Kohle und Strom“. Pumpspeicherkraftwerke lieferten keine erneuerbare Energie, sondern seien Stromverbraucher. Ein Viertel des zum Pumpen eingesetzten Stroms gehe beim Betrieb verloren. Dieser Energieverlust rechne sich bislang aber nur dank einer Spanne zwischen günstig eingekauftem „Pumpstrom“, hauptsächlich aus Kohle- und Atomkraftwerken, und dem Verkauf von teurem „Spitzenstrom“.

Diese Gewinnspanne werde aufgrund des Ausbaus von Solar- und Windenergie in Zukunft sinken. Für große Pumpspeicherkraftwerke, die auf längere Phasen mit Tiefpreisen und längere Phasen mit hohen Gewinnen angewiesen seien, sehe die wirtschaftliche Zukunft nicht gut aus, schreibt Glauser in der Studie.

Sehr teuer und sehr aufwendig

„Gefragt sind zunehmend flinke Ausgleichskraftwerke oder Zwischenspeicher in der Nähe großer Solar- und Windstromproduktion, d.h. dezentrale Lösungen. Diese Tendenz wird zusätzlich dadurch beschleunigt, dass der Ausbau von riesigen Stromtransporttrassen in Europa sehr teuer und zeitaufwendig wird“, heißt es in der Studie.

Die Konsequenz dieser Entwicklung sei, dass größere Pumpspeicherkraftwerke auf Eis gelegt wurden. Als Beispiele werden das Pumpspeicherkraftwerk Atdorf im Schwarzwald und die Schluchseewerke der EnBW genannt. Der Schub der vergangenen Jahre bei den erneuerbaren Energien habe die Fantasie der Befürworter von Pumpspeichern beflügelt.

Weil Wind- und Sonnenenergie unregelmäßig produziert werde, liege der Gedanke nahe, dass Pumpspeicherkraftwerke im Ausgleich der erneuerbaren Energien ein neues Geschäftsfeld finden, wenn die thermischen Großkraftwerke vom Netz genommen werden.

„Von diesem Gedanken lassen sich auch viele Umweltbewusste blenden“, schreibt Glauser. Die hohen Investitionskosten von Pumpspeicherkraftwerken verlangten nach langen und gut planbaren Phasen zum Pumpbetrieb. Für einen wirtschaftlichen Betrieb seien thermische Großkraftwerke, die zu klar definierten Zeiten billige Überschüsse produzieren, nötig.

Schließlich kommt Glauser zu dem Schluss, dass das Pumpspeicherkraftwerk Kaunertal „ein Projekt von gestern“ sei, das auf thermische Großkraftwerke und den Höchstspannungsleitungsausbau angewiesen sei. „Es blockiert und behindert den Umstieg auf erneuerbare Energien wie Sonne, Holz und andere Biomasse durch die Fehlallokation der Mittel.“

Das Projekt sei ökonomisch höchst riskant, könne schon in wenigen Jahren scheitern und müsse dann von den Steuerzahlern bezahlt werden. Pumpspeicherkraftwerke seien eventuell als Ergänzung von thermischen Großkraftwerken bei gleichem Besitzer attraktiv. Aus dieser Mischrechnung könne dann eine Rendite generiert werden. Im Umkehrschluss bedeute dies, dass Atom- und Kohlekraftwerke mit Pumpspeicherkraftwerken rentabler betrieben werden können. „Wenn die Tiwag auf dieses Auslauf-Modell setzen will, sollte sie dies offen kommunizieren.“

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