Dauer-Hitze: Futter für Rindvieh wird knapp

Von: ja/smb
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Nach der späten Aussaat im Frühjahr sollte die Getreideernte eigentlich erst in zwei Wochen beginnen. Durch die hitzebedingte „Notreife” aber laufen die Mähdrescher schon jetzt auf Hochtouren. Foto: Abels

Nordeifel/Düren. „Wir haben deutlich weniger Futter auf den Feldern als in anderen Jahren”, sagt der Lammersdorfer Landwirt Wilfried Jansen, der auch Vorsitzender der Kreisbauernschaft Aachen ist. Die heftigen Gewitterregen würden da kaum Abhilfe schaffen. Das Wasser läuft an der Oberfläche gleich wieder ab.

Die Böden sind zu hart, um das Wasser aufzunehmen. „Noch geht es von den Futtermengen so gerade, aber es wird schwierig. In den nächsten zwei Wochen brauchen wir unbedingt einen langsamen und länger andauernden Regen, damit der Boden erst aufweicht.”

Und weil auch auf den Heuwiesen kaum mehr Halme wachsen und der nun anstehende Schnitt wohl ausfällt, müssen die „Rinder- und Pferdehalter mit weniger Gras- und Maisilage auskommen”, rechnet Franz-Josef Kügelgen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Düren, hier ebenso mit steigenden Preisen wie beim Stroh, „das in diesem Jahr knapp und teurer werden dürfte”.

Die Ernte 2010 wird für die Landwirte zu einem Wechselbad der Gefühle. Die extreme Trockenheit und Hitze der letzten Wochen hat vor allem bei der nun anstehenden Weizenernte im Raum Düren und Euskirchen große Qualitäts- und Quantitätseinbußen zur Folge.

Ähren nicht richtig ausgebildet

Anders als bei der Wintergerste, die größtenteils bereits vor der derzeitigen Hitze- und Trockenperiode ihre Entwicklung abgeschlossen hatte, erwartet Ackerbauberater Heinrich Brockerhoff von der Außenstelle der Landwirtschaftskammer Rheinland in Düren beim Weizen Einbußen von 20 bis 30 Prozent im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt. Nach einem ungewöhnlich langen Winter, der eine späte Aussaat zur Folge hatte, sind die Ähren in den letzten Wochen einfach zu schnell gereift, der Mehlkörper konnte nicht richtig ausgebildet werden.

Der Landwirt spricht deshalb von „Notreife”. „Die Qualität ist in diesem Jahr geringer und auch der Ernteertrag ist deutlich reduziert”, erklärt Kreisvorsitzender Wilfried Jansen. In den drei Nordeifelkommunen Roetgen, Monschau und Simmerath wird allerdings kaum Getreide angebaut.

Qualitätsprobleme erwartet Ackerbauberater Brockerhoff allerdings auch beim Mais, der in diesen Tagen seine Kolben ausbilden sollte. Ohne Feuchtigkeit aber steht auch hier das Wachstum still. Ähnlich wie viele Menschen haben die Pflanzen den absoluten Spargang eingeschaltet und lagern kaum noch Reserven ein.

Auf der anderen Seite sind die Trockenschäden kein lokales Phänomen. In ganz Deutschland, Mitteleuropa und auch in den Schwarzmeerländern wird angesichts der Hitze mit deutlich geringeren Ernteerträgen gerechnet, mit der Folge, dass die Erzeugerpreise ansteigen. „Das Wetter brennt unsere Preise durch die Decke”, berichtet beispielsweise die Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft in ihrem aktuellen Marktbericht beim Getreide von „Preissprüngen gen Norden”.

Das könnte die mengenmäßigen Einbußen der Landwirte kompensieren, glaubt Heinrich Brockerhoff. Franz-Josef Kügelgen von der Kreisbauernschaft Düren beeilt sich aber bereits mit einer Entwarnung in Richtung Verbraucher. „Selbst wenn die Getreidepreise für die Bauern steigen sollten, wird das den Preis im Geschäft nicht maßgeblich beeinflussen, denn der Anteil des Getreidepreises am Ladenpreis für Brot und Brötchen liegt nur noch bei vier Prozent.”

Steigende Preise sind auch bei der Kartoffel zu erwarten. Brockerhoff spricht von einer „äußerst schwierigen Entwicklung”, weil die Knollen sehr sensibel auf die Hitze reagieren. Selbst stetige Beregnung könne nicht sicherstellen, dass die von der Industrie zur besseren Verarbeitung geforderten Einheitsgrößen erreicht werden. Allein bei Zuckerrüben scheinen die Aussichten noch nicht ganz so trüb zu sein. Probleme infolge der Trockenheit sind zwar auch hier festzustellen, weiß Brockerhoff, sie halten sich auf den guten Böden aber noch in Grenzen. Aber auch die Rüben brauchen jetzt dringend Feuchtigkeit, um Zucker einlagern zu können.
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