Mützenich - Das Venndorf punktet als große Familie

Das Venndorf punktet als große Familie

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
8539914.jpg
Die Erfolgsgeschichte von Mützenich, die am Dorfmuseum „Uraalt Scholl“ auf Holztafeln festgehalten ist, kann weitergeschrieben werden. Nach Landesgold 1983 (und Bundes-Silber) und 1993 sowie vier Mal Silber auf Kreis-/Städteregionsebene seit 1999 steht das Venndorf nun wieder ganz oben. Foto: Schepp (2), Privat
8539916.jpg
Unser Luftbild (aus 2007) zeigt das Ortszentrum mit Saal, Kirche/Friedhof, Sportplatz, Dorfplatz und Schule. Foto: Schepp (2), Privat
8539918.jpg
Mit einem afrikanischen Lied begrüßten die Grundschulkinder die Jury, der Kindergarten stimmte später die Dorfhymne „Hey Mötz‘nich!“ an.

Mützenich. „Hey Mützenich, Du mein Dorf am Venn, hier, wo ich groß geworden bin. Du bist ein Dorf, dekoriert mit Gold. Hey Mützenich, Du hast 1000 Volt!“ So hat (im Original natürlich in Mundart) Schösch Sommer einmal das Höhner-Stück „Hey Kölle“ auf Mützenich umgedichtet und damit eine Hymne auf sein Heimatdorf geschaffen.

Die Sache mit der Gold-Dekoration hat sich nun zumindest schon mal auf Kreisebene wiederholt: „Platz eins für Mützenich“ hieß es am vergangenen Samstag im „Haus der Städteregion“, als die Jury des regionalen Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ ihre Ergebnisse bekanntgab.

Der Sieg war deutlich, kam aber ein wenig überraschend: Mützenich hat bei einem überragenden Jury-Ergebnis mit 574 von 600 möglichen Punkten den Sieg im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ für die südliche Städteregion errungen und peilt nun zum dritten Mal in seiner Historie Landesgold an. Überraschend kam Platz eins in der Städteregion deshalb, weil das schon mit Bundesgold dekorierte Höfen eigentlich als Topfavorit gegolten hatte. 547 Punkte jedoch reichten für das Heckendorf letztlich „nur“ zu Rang zwei in einem Wettbewerb auf – zumindest in der Spitze – sehr hohem Niveau.

„Mützenich zeigte sich in allen Bereichen top aufgestellt und hat seine Vorzüge herausragend präsentiert“, sagte am Montag Andrea Drossard, Mitarbeiterin der Städteregion Aachen beim Amt für Regionalentwicklung und Europa. Das Venndorf habe sich offensichtlich sehr eingehend mit den sechs Bewertungsbereichen befasst und seine Präsentation hervorragend darauf abgestimmt. „Dadurch konnte Mützenich in praktisch allen Bereichen punkten und hat bis auf den Unterpunkt Baugestaltung in allen Kriterien von mindestens einem der sechs Jurymitglieder die Höchstbewertung bekommen“, lobte Andrea Drossard vor allem die 35-minütige Präsentation von Ortskartell-Schriftführerin Christina Els, aber auch den gesamten 120-minütigen Besuch im Grenzdorf.

Die Visite der Kommission hatte am vergangenen Dienstag dort begonnen, wo bei der Bereisung vor drei Jahren noch ein Trümmerfeld gelegen hatte: Die heute schmucke Reithalle ist gleichsam Symbol für den Gemeinschaftssinn des Dorfes, das die unter Schneelast an Heiligabend 2010 zusammengebrochene Halle mit vielen helfenden Händen wieder errichtete.

Nun empfingen die Mützenicher (und Kalterherberger) Grundschulkinder dort singend und musizierend den hohen Besuch, der sich dann im Casino an den stilecht mit Kaffeebohnen und „Vennwagge“ (Steine) dekorierten Tischen niederließen.

Nach der Begrüßung durch Ortsvorsteherin Jacqueline Huppertz ließ dann Christina Els die aufmerksame Jury 35 Minuten lang hören, was Mützenich so lebenswert macht und warum auch ein Dorf ohne Supermarkt, große Fabriken oder eine Tankstelle Zukunft haben kann. Unterteilt in die Bewertungsbereiche „Konzeption und Umsetzung“, „Wirtschaftliche Entwicklung und Initiativen“, „Soziales und kulturelles Leben“, „Baugestaltung und Entwicklung“, „Grüngestaltung und Entwicklung“ sowie „Dorf in der Landschaft“ zeigte die Präsentation in Wort und Bild, wie sich Mützenich entwickelt hat, welche Initiativen es im 2160-Seelen-Dorf gibt und vor allem, wie groß der Gemeinschaftssinn dort ist.

Dies wurde auch im weiteren Verlauf des Besuchs und auf der einstündigen Rundfahrt deutlich. Am Dorfmuseum faszinierte Gottfried Völl die Kommission mit dem Dengeln einer Sense, am Casino lag reichlich Literatur über das 1361 erstmals erwähnte, ehemalige Schmugglerdorf aus, und im Hof von Karl Volpatti erlebten die Juroren hautnah den Wagenbau für das bevorstehende Erntedankfest mit. „Das hat die Jury schon sehr beeindruckt, mit welchem Engagement hier das Vereinsleben getragen wird, Feste wie Kirmes oder Erntedank gefeiert werden und wie man in der Gemeinschaft des ja doch gar nicht mehr so kleinen Dorfes zusammensteht“, merkte Andrea Drossard an, die die Jury begleitet hatte. „Mützenich hat sich als Familie präsentiert“, fasste die Mitarbeiterin der Städteregion zusammen und ist überzeugt, dass der Städteregionssieger damit auch auf Landesebene eine gute Rolle wird spielen können. „Dabei werden wir Mützenich dann begleiten und unterstützen – ebenso wie natürlich Linden-Neusen, den Nordkreissieger“, so An-drea Drossard.

Zunächst aber darf in Mützenich auf das städteregionale Gold angestoßen werden – und wer die „Vennwagge“ kennt, der weiß, dass das nicht zu knapp ausfallen wird – schon in knapp drei Wochen beim größten Volksfest weit und breit, dem Erntedankfest im Golddorf Mützenich.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert