Das tägliche Brot als Kunstobjekt

Von: Peter Stollenwerk
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Acht Künstler widmen sich einem Thema: Bei „Brot und Kunst“ ist ab 21. Mai in der Kulturstätte Weißes Pferdchen in Mützenich die Vielfalt eines künstlerischen Betätigungsfeldes zu sehen. Foto: P. Stollenwerk

Mützenich. Wenn die Kreativität nicht zum Überleben reicht, dann spricht man in einer Redensart gerne von brotloser Kunst. Ganz und gar nicht brotlos aber ist im wahrsten Sinne des Wortes jene Kunst, die ab Sonntag, 21. Mai, im Raum für Kunst in der Kulturstätte Weißes Pferdchen in Mützenich zu sehen ist.

 Hier widmet sich eine Gemeinschaftsausstellung dem Thema Brot und Kunst.

Acht Kunstschaffende aus der Region haben diese beiden Oberbegriffe als Ansporn und Herausforderung für ein Projekt gewählt, das sie zwei Jahre lang beschäftigte und begleitete. An dessen Ende steht nun die gemeinsame Ausstellung der Künstlergruppe. Es ist bereits die dritte thematisch festgelegte Präsentation der Gruppe.

Nachdem man bereits versuchte, sich den Oberbegriffen Einsamkeit und Wasser in unterschiedlichen Ausdrucksformen zu nähern, geht es nun um das Grundnahrungsmittel Nummer eins – das Brot. „Es geht um das harte Brot, das Brot des Lebens und das Manna, das vom Himmel fällt“, zeichnet Bernhard Schrouff, der Inhaber der Kulturstätte in Mützenich, die Spannweite der kreativen Möglichkeiten auf.

Die Chance bei einem vorgegebenem Thema bestehe darin, dass die Künstler sich „mit großer Vielfalt“ ausdrücken könnten. Das Brot besitze als elementares Lebensmittel längst nicht mehr den Stellenwert in der Gesellschaft wie es noch in früherer Zeit der Fall gewesen sei. Viele Menschen ständen heute dem Brot sogar distanziert gegenüber, „weil es Kohlenhydrate enthält und dick macht“.

Wie es ums Brot bestellt ist, wird auch ein Thema bei der Vernissage sein, denn jeder der acht Künstler wird exemplarisch eines seiner Werke erläutern. Außerdem wird Bäckermeister Andreas Neuß aus Imgenbroich aus der Sicht des Handwerkers das Brot einmal differenziert und substantiell betrachten.

Und damit es nicht nur bei der Theorie bleibt, ist bei der Ausstellung auch sprichwörtlich „was gebacken“. Selbst hergestelltes Brot wird an die Besucher verteilt, „um die Materie aus nächster Nähe zu erfahren“, sagt Bernhard Schrouff, der von einer „hochwertigen Ausstellung“ spricht, deren Bandbreite von Malerei, über Collagen bis zu Objekten reicht.

Isabella Bremer, die zur Künstlergruppe gehört, sieht beispielsweise den Kontrast, dass das Brot vom Ursprung her einst wertvoll gewesen sei, während man heute vor einer verwirrenden Vielfalt der unterschiedlichen Sorten stehe, „von Lifestyle bis zur Beilage“.

Für Johannes Wickert besitzt das Brot eine große Symbolkraft, „wenn Jesus Christus das Brot bricht, er aber von niemandem erkannt wird“. Für Irene Johnen hat das Thema mit anhaltender Dauer der Auseinandersetzung eine „riesige Dimension“ angenommen. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich beispielsweise mit der Getreideernte in früherer Zeit bis zu heutigen industriellen Arbeitsweise.

Sehr kritisch orientiert ist die Interpretation von Katja Schönborn. Ihr Thema ist Toastbrot, das sie als Objekt verarbeitet. Für sie gehört Toast nicht unter die Kategorie Lebensmittel. „Das ist ein nur ein toter Gegenstand ohne Wert.“

Für alle Künstler spielte neben ihrer persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Brot und Kunst schließlich auch der gruppendynamische Prozess während der zweijährigen Kreativphase, die gemeinsame Ausstellung immer vor Augen, eine wichtige Rolle.

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