Das Schrottauto ist weg: Jetzt droht reichlich Ärger

Von: Ernst Schneiders
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Ein Schandfleck verschwindet von der B258: Die belgische Polizei reagierte verärgert, weil sie nichts von der Aktion eines Aachener Unternehmens wusste. Foto: Ralf Huppertz

Fringshaus. Obwohl es gerade mal gut zwei Wochen dort stand, gehörte das Schrottauto für viele Passanten mittlerweile zum Alltag dazu, wie die frischen Brötchen und das Frühstücksei. Bei der morgendlichen Fahrt von Konzen nach Fringshaus über den belgischen Teil der B258 durch das Hohe Venn wich die Anspannung irgendwann der puren Erleichterung: Gott sei Dank, die Karre steht noch da!

Der lieb gewordene Anblick wird einem künftig fehlen, denn der völlig ramponierte Wagen ist am Montagvormittag von einem Aachener Schrott- und Metallhandel abgeholt worden. Sein Fahrer habe frühmorgens in Imgenbroich zu tun gehabt, erzählte Firmenchef Thomas Witt freimütig.

Bei der Gelegenheit sei der Fahrer angesprochen worden, ob es nicht möglich sei, das Schrottauto mitzunehmen. Kurzer Telefonkontakt mit dem Chef in Aachen und auf ging´s. Die Greifzangen am Kran des Aachener Lkw gaben der Karosse endgültig den Rest. Sollte zuvor jemand der Meinung gewesen sei, es gebe noch etwas zu reparieren, das kann er jetzt vergessen.

„Wie, der Wagen ist weg?”

Als die belgische Polizei im Kommissariat Raeren die frohe Botschaft vernahm, herrschte dort nicht eitel Freude. Ralph Egyptien, stellvertretender Leiter der Dienststelle, reagierte eher leicht pikiert: „Wie, der Wagen ist weg? Wir haben niemandem die Erlaubnis erteilt.”

Auf diese Erlaubnis aus Belgien wartete nämlich zu gleicher Stunde auch ein Abschleppunternehmer aus Rollesbroich, der auf eigene Kosten den Schandfleck an der B258 beseitigen wollte. Egyptien: „Ich habe dem Unternehmer am Telefon gesagt, dass er von mir hört, sobald ich weiß, unter welchen Bedingungen er den Wagen dort wegholen darf. Aber es kann doch nicht irgendjemand einfach so einen Haufen Alteisen wegholen und sagt uns nicht Bescheid. Zuerst aufladen und dann mal fragen was ist, so geht das nicht!” Das klingt nach reichlich Ärger.

Den betrachtet die deutsche Polizei in aller Ruhe aus der Ferne, weil es sich, so Polizeisprecher Paul Kemen, „unzweifelhaft um belgisches Staatsgebiet handelt”. Dass der Schrotthaufen inzwischen die Grenze nach Deutschland passiert hat, spielt unter Umständen nicht die entscheidende Rolle, weil nach wie vor die belgischen Vorschriften greifen.

Wäre das Auto auf deutschem Territorium an den Haken gekommen, dann wäre das weitere Prozedere so: Der Pkw wird kostenpflichtig sicher- und untergestellt. Dem Halter wird eine Frist gesetzt, um das Fahrzeug schadlos zu entsorgen. Verstreicht diese Frist, wird das Fahrzeug kostenpflichtig entsorgt und verwertet, inklusive der Trennung von Schad- und Betriebsstoffen. Anschließend erhält der Halter einen gerichtsfesten Bescheid, den er, so Paul Kemen, „im eigenen Interesse wohl bezahlen wird”. Ärger ist nämlich steigerbar - in „noch mehr Ärger”. Die belgische Polizei klärt derweil das weitere Vorgehen, denn sich einfach zu freuen, dass der Wagen weg ist, verstößt offenbar gegen Vorschriften.

„Man stelle sich vor”, so Polizeisprecher Paul Kemen, „der Wagen hätte in Deutschland Öl verloren und stehe anschließend in Belgien als Schrott herum. Das wäre dann richtig kompliziert geworden.” Dieser Grenzfall europäischer Zusammenarbeit ist aber zum Glück allen Beteiligten erspart geblieben.
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