Das Roetgener Türmchenhaus ist Geschichte

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Da fällt der Turm: Der Laster zieht das Dach des Türmchens auf dem alten Schmiddemhaus herunter und lässt die schiefergedeckte Konstruktion zu Boden krachen.Foto: Heimat- und Geschichtsverein Roetgen

Roetgen. „Wir hoffen, dass es einen Weg gibt, dieses Kleinod unter den Roetgener Gebäuden doch noch zu retten“ – so formulierten es Rolf J. Wilden und Franz Schroeder vom Heimat- und Geschichtsverein Roetgen noch vor einigen Tagen. Doch diese Hoffnung war vergebens – der Abriss des markanten Fachwerkgebäudes an der Bundesstraße 34 hatte am späten Dienstagnachmittag begonnen.

Nachdem Anfang Mai bekannt geworden war, dass das Roetgener Ärztehaus, das so genannte „Schmiddemhaus“, einem neuen Gebäude weichen sollte, regte sich bei den Roetgenern der Protest. Denn das Haus mit dem markanten Türmchen und der teilweisen Fachwerk-Fassade prägt das Ortsbild von Roetgen seit mehr als 100 Jahren.

„Wir haben mit unseren Mitteln versucht, das Schlimmste zu verhindern, aber leider waren wir erfolglos“, sagte Rolf. J. Wilden vom Heimat- und Geschichtsverein Roetgen am Mittwoch. „Es kam leider so, wie wir vermutet hatten: Nach der Kommunalwahl fuhren die Bagger auf.“

Als der Heimat- und Geschichtsverein vor wenigen Wochen vom geplanten Abriss hörte, lag bei der Bauaufsicht der Städteregion Aachen bereits ein Abbruchantrag vor. Schnelles Handeln war gefragt. Deshalb wandte sich der Heimat- und Geschichstverein sofort an die Untere Denkmalschutzbehörde, um eine Unterschutzstellung des Gebäudes zu erreichen.

Obwohl laut NRW-Denkmalschutzgesetz der Verein als Institution nicht „antragsfähig“ ist, hat die Baubehörde daraufhin die Erteilung einer Abbruchgenehmigung vorerst zurückgestellt und einen Antrag an die Denkmalschutzbehörde, zwecks Überprüfung, gestellt. Doch das Gesuch um Denkmalschutz für das Gebäude wurde von der Oberen Denkmalschutzbehörde abgelehnt – ohne dass die Bausubstanz zuvor näher untersucht wurde. Die Abrissgenehmigung wurde erteilt.

Der Heimat- und Geschichtsverein forschte weiter. „Als Käufer nannte die Behörde uns die Raiffeisenbank Simmerath, die dort angeblich eine neue Geschäftsstelle bauen wollte“, sagt Rolf J. Wilden. „Auf unsere Nachfrage hin teilte uns die Raiffeisenbank Simmerath jedoch mit, dass sie das Gebäude für einen Dritten, der nicht genannt werden will, erworben hat.“

Dass nun am Dienstagabend mit dem Turm der markanteste Teil des Gebäudes abgerissen wurde, ärgert die Vertreter des Heimat- und Geschichtsvereins besonders. „Das ist wohl mit der Absicht geschehen, erst einmal Fakten zu schaffen, um später in Ruhe die Schandtat vollenden zu können“, sagen Franz Schroeder und Rolf J. Wilden.

Es sei nicht das erste Mal, dass in Roetgen historisch relevante Gebäude einfach abgerissen würden. Mit diesem Abriss setze sich nun die „fortschreitende Zerstörung des charakteristischen Ortsbildes durch die Entfernung nicht mehr benötigter alter Gebäude fort“, kritisiert der Heimatverein.

Und weiter: „Wir wundern uns doch sehr, dass der Rat der Gemeinde Roetgen bisher kein Mittel gegen diesen Vandalismus gefunden hat. Wenn Roetgen seine Seele behalten soll, brauchen wir dringend eine erfolgreiche Initiative und kein neues Kaufland.“

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