Das Hospital, der Bischof, das Geld

Von: Ernst Schneiders und Udo Kals
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Die Patienten spüren von den D
Die Patienten spüren von den Debatten im Hintergrund nichts: Der Betrieb im Krankenhaus Simmerath läuft derzeit wie immer. Foto: Peter Stollenwerk

Simmerath. Seit zwei Jahren kämpfen die Menschen in der Nordeifel um das St.-Brigida-Krankenhaus in Simmerath. Inzwischen wissen sie, dass der Träger das Haus abgeben, das Land NRW es aber erhalten will. Mehr wissen sie nicht. Auch nach dieser langen Zeit steht die Zukunft des Krankenhauses in den Sternen.

Denn die geplante Übergabe am 1. Juli von den Maltesern an eine neue Trägergesellschaft - zu der das Medizinische Zentrum der Städteregion Aachen gehört - wird wohl nicht zustandekommen. Schließlich hatten die Verantwortlichen bis Mittwochnachmittag noch immer nicht die Bestätigung, dass keine bestehenden finanziellen Verpflichtungen auf einen neuen Träger übergehen. Dies ist für die Politik, die am Donnerstag über die Fortführung des Krankenhauses entscheidet, und die Verwaltung eine grundsätzliche Voraussetzung. Das hatten die Malteser auch zugesagt.

Selbst wenn es der Städteregion doch noch gelingen sollte, sich mit den Maltesern bei einer letzten Krisensitzung am Donnerstagmorgen zu einigen, hängt dann alles vom Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner ab. Der macht seine Zustimmung zum Verkauf des Hauses nämlich von der schriftlichen Zusage des neuen - nicht mehr katholischen - Trägers abhängig, dass bis Ende 2020 an St. Brigida auf Abtreibungen und alle Empfängnis verhütenden medizinischen Maßnahmen verzichtet wird.

Darüber soll der neue Träger dem Erzbistum zweimal jährlich Rechenschaft ablegen. Was in Häusern kirchlicher Trägerschaft absolut normal ist, hat die Städteregion bereits vor Wochen abgelehnt. Diese Forderung sei „unzumutbar”. Bleibe Meisner bei seiner Haltung, nehme er damit nicht absehbare Folgen für das St.-Brigida-Krankenhaus in Kauf.

Die Gründerinnen, die Zellitinnen, sind heute personell und finanziell nicht mehr in der Lage, das Haus selbst zu führen. Sie waren 1997 erleichert, mit dem katholischen Malteser-Orden einen ihrer Weltanschauung entsprechenden Träger gefunden zu haben. Diese Liaison war aber nicht vom Glück begünstigt. Auch wenn den Maltesern der Vorwurf gemacht wurde, aus ihren Möglichkeiten nicht das Beste gemacht zu haben, so sehen viele den Hauptgrund für die ständig wachsenden wirtschaftlichen Probleme in der Gesundheitspolitik, die kleinere Krankenhäuser auf dem Land benachteiligte. Medizinische Leistungen mussten gekürzt oder gar eingestellt, Stellen abgebaut werden.

2008 dann überschlugen sich die Ereignisse. In großer Sorge um den Bestand des Krankenhauses wandte sich die Gemeinde Simmerath an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Wenig später gab er eine Bestandsgarantie des Landes für St. Brigida. Doch die Odyssee ging weiter: Plötzlich hing der Fortbestand der Geburtshilfe am seidenen Faden. 3000 Nordeifeler folgten dem Aufruf des Komitees „Rettet das Krankenhaus”, gingen auf die Straße - und hatten Erfolg. Der damalige Kreis Aachen sprang gemeinsam mit den Eifelkommunen zur Verlustabdeckung finanziell in die Bresche. Schließlich sagte das Land sogar Mittel für die Umstrukturierung des Hauses zu.

St. Brigida droht die Insolvenz

Doch Ende 2009 gaben die Malteser überraschend bekannt, St. Brigida aufgeben zu wollen. Wieder stand die Städteregion für das Krankenhaus ein. Vereinbart wurde, das Haus zum 1. Juli von den Maltesern für den symbolischen Preis von einem Euro zu übernehmen. Die Malteser seien dem neuen Träger in wirtschaftlichen und finanziellen Fragen „weitgehend entgegengekommen”, sagt Johannes Hütte, Geschäftsführer der Malteser-Trägergesellschaft in Köln. Doch dieses Geschäft steht nun vor dem Scheitern.

Somit droht dem höchst defizitären Haus die Insolvenz. Viele Insider halten das inzwischen sogar für die beste Lösung. Dann sei die Entscheidung des Erzbischofs nicht mehr von Bedeutung, dann entscheide allein der Insolvenzverwalter. An der Grundhaltung wird das nichts ändern. Hütte: „Für den Kardinal und den katholischen Träger Malteser ist die Haltung in Sachen Abtreibung eindeutig.”
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