Monschau - Das Goldene Buch der Stadt Monschau: Eine Zeitreise

Das Goldene Buch der Stadt Monschau: Eine Zeitreise

Von: Heiner Schepp
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Obwohl er selbst erst die jüngere Geschichte der Stadt Monschau miterlebt, weiß Alexander Lenders viele Anekdoten rund um das Goldene Buch zu erzählen. Bürgermeisterin Margareta Ritter ließ das vollgeschriebene alte Exemplar jetzt um 100 Seiten erweitern. Foto: Heiner Schepp
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Besonders im Haus Troistorff, der guten Stube der Stadt, liegt das Goldene Buch oft bereit, wenn berühmte Gäste oder verdiente Bürger empfangen werden, so wie hier BMW-Motorsportdirektor Dr. Mario Theissen, ein Sohn der Stadt. Foto: Heiner Schepp
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Im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung der CDU besuchte Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl am 29. August 1989, kurz vor dem Mauerfall, Monschau. Allerdings wurde der hochrangige Gast nicht von allen Monschauern herzlich empfangen... Foto: Heiner Schepp
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Kürzlich wurde das Goldene Buch von Franz Pütz aus Heimbach erweitert. 50 Blatt eines Büttenpapiers, das den ersten 200 Seiten sehr ähnlich ist, wurden hinzugefügt und der metallene Verschluss verlängert. Foto: Heiner Schepp

Monschau. Als Willy Brandt am 15. Mai 1959 Monschau besuchte, eilte der damalige „Stift“ und spätere Stadtdirektor Heinrich Jansen zu Fuß zu Rurbrücke, um dem damaligen regierenden Bürgermeister von Berlin und späteren Bundeskanzler ein Autogramm für das bekannteste Buch der Stadt zu entlocken. Es war einer der seltenen Fälle, wo Monschaus Goldenes Buch sich auf den Weg zu einem bekannten Gast machte.

Ansonsten lag und liegt das mächtige und repräsentative gute Stück immer dann bereit, wenn ein prominenter Gast der „Perle der Eifel“ seine Aufwartung macht, oder auch jemand, der sich um Monschau verdient gemacht hat.

Erst vor wenigen Wochen wurde das Goldene Buch in einer Meisterleistung der Buchmacherkunst erweitert. 50 Blatt, gleich 100 Seiten, eines Büttenpapiers, das den ersten 200 Seiten sehr ähnlich ist, wurden hinzugefügt und der metallene Verschluss verlängert, damit die Geschichte des Buches weitergehen kann. „Kurz nach meinem Amtsantritt als Bürgermeisterin wurde ich vor die Entscheidung gestellt, ob die Stadt ein neues Buch anschaffen solle, weil das alte voll sei. Das konnte und wollte ich nicht bestimmen“, erzählt Margareta Ritter von der Entscheidung, das inzwischen 64 Jahre alte Stück aufwändig erweitern zu lassen.

Die Geschichte des Goldenen Buchs der Stadt Monschau beginnt am 9. August 1949, als Franz-Peter Kranzhoff die ersten Festspiele in Monschau inszenierte und er sich gemeinsam mit meist lokaler politischer Prominenz wie Landrat Peter Schütt, aber auch CDU-Mitgründer Dr. Leo Schwering und den Darstellern der „Braut von Messina“ im Buch verewigte.

Die Gablonzer Glasbläser, die Tagung des Deutschen Städtebundes unter dem damaligen Präsidenten und früheren Bürgermeisters von Monschau, Josef Breuer, sowie die Einweihung der Brücke an Richters Eck waren die weiteren Einträge im ersten Jahr des Buches, das fortan „kein einfaches Gästebuch sein sollte, sondern eine Erinnerung an besondere Anlässe“, erzählt Margareta Ritter aus der Geschichte. Und solche gab es in den Nachkriegsjahren einige.

Allerdings ließ der erste Eintrag im neuen Jahrzehnt ein wenig auf sich warten; erst am 26. Juni 1950 war die Ernennung Walter Scheiblers zum Ehrenbürger der nächste Anlass, das Goldene Buch wieder aufzuschlagen – wie der Wälzer überhaupt in den 50er-Jahren und auch Anfang der 60er-Jahre eher zurückhaltend weiter gepflegt wurde. Die Grundsteinlegung des heutigen St. Michael-Gymnasiums (das zuvor oberhalb des heutigen KuK beheimatet war) am 29. September 1951, 600 Jahre Stadt Monschau im Jahr 1956 und der schon erwähnte Besuch der sozialdemokratischen Ikone Willy Brandt, der zu einem privaten Besuch in Monschau weilte, sind da zu finden.

So wie Willy Brandt begab sich auch Konrad Adenauer am 18. August 1965 nicht an einen repräsentativen Ort wie Rathaus, Rotes Haus oder Haus Troistorff, um sich ins das Buch der Stadt einzutragen. Vielmehr schaffte man auch hier das Goldene Buch zum Marktplatz, wo der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, der dieses Amt zwei Jahre zuvor (1963) abgegeben hatte, im Rahmen einer CDU-Wahlkampfveranstaltung sprach. Man hielt das Buch dem da bereits 89-jährigen Adenauer hin und dieser kritzelte, gemeinsam mit dem ehemaligen Unions-Bundesvorstand Bert Even, seinen Namenszug auf die Seite, mehr nicht.

Da waren andere politische Gäste schreibfreudiger, seien es der bajuwarische CSU-Kämpfer Franz Josef Strauß (8.7.66), der stets gut gelaunte Norbert Blüm (CDU), SPD-Ministerpräsident und späterer Bundespräsident Johannes Rau oder die sozialdemokratischen Landesväter Clement und Steinbrück Anfang des Jahrtausends.

Nicht immer waren es in 64 Jahren einzelne Gäste, die Einlass in das Goldene Buch fanden. Bei den vielen Partnerschaftsanlässen mit Bourg Saint Andéol finden sich meist viele französische und deutsche Namen auf einer Doppelseite, und am 21. Dezember 1971 unterschrieb der komplette Rat der Altstadt Monschau aus Anlass der letzten Ratssitzung vor der kommunalen Neugliederung.

„Ganz normale Bürger“ erlangten Ende der 80er-Jahre Bekanntheit und finden sich unter dem 23. November 1989 im Goldenen Buch der Stadt Monschau: Es waren die ersten DDR-Übersiedler, die in der Stadt Monschau eine neue Heimat fanden und ein wenig irritiert schauten, als Bürgermeister Herbert Isaac sie als „unsere Freunde aus der Zone“ begrüßte, wie sich Alexander Lenders heute lachend erinnert.

Auch eine ganze Fußballmannschaft findet sich im Buch, nämlich jene von Schalke 04, die am 5. September 2003 dank guter Kontakte von Bürgermeister Theo Steinröx ein Benefizspiel in Konzen absolvierte. Trainer damals übrigens: der heutige Erfolgscoach des FC Bayern, Jupp Heynckes.

Wenn hier aufgezählt wird, wer sich in 64 Jahren so alles im Goldenen Buch der Stadt Monschau verewigt hat, dann ist es Chronistenpflicht, auch jene zu erwähnen, die einst ihre Unterschrift in das Buch setzten, heute aber nicht mehr darin zu finden sind.

„Es war“, verrät Alexander Lenders, auch hier Alt-Bürgermeister Herbert Isaac, dem seinerzeit der Eintrag des Schlagerduos Cindy und Bert (größter Hit: „Immer wieder sonntags“, 1973), die nach einem Auftritt im „Haus Wiesenthal“ empfangen worden waren, ein Dorn im Auge gewesen sei.

Säuberlich entfernt

In der Reihe der meist ehrenvollen Einträge habe jemand, der solchen „Singsang“ verbreite, nichts verloren, urteilte der damalige erste Bürger und schritt zur Tat: Mit einer Rasierklinge wurde die Seite des singenden Pärchens (Bert verstarb übrigens im vergangenen Jahr) fein säuberlich entfernt und ward nicht mehr gesehen...

Drei – unpolitische – Gäste seien noch erwähnt, deren Bucheintrag sehr wohl eine Ehre für die kleine Stadt darstellt(e): Astronaut Ulf Merbold, der erste westdeutsche Mensch im Weltall, trug sich am 18. April1996 ein, John Robert Lewis, US-Bürgerrechtler und Wegbegleiter von Martin Luther King, ist unter dem 3. September 2010 zu finden, und der langjährige Standesbeamte Alfred Krieger setzte zum Eintritt in den Ruhestand nach sage und schreibe 1907 Trauungen seinen Schriftzug in Monschaus bedeutendstes Buch.

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