Nordeifel - Das Geschäft mit den alten Kleidern

Das Geschäft mit den alten Kleidern

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
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Und rein damit: Die Altkleidersammlung ist ein großes Geschäft. Seit einem Jahr dürfen auch die Kommunen daran verdienen. In Simmerath und Roetgen wird darüber nachgedacht, in Monschau nicht. Foto: A. Gabbert
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Invasion der Wäschekörbe: Das ist kein neuer Service der Kommunen und auch keine Aktion einer Hilfsorganisation. Dahinter steckt ein privates Unternehmen.

Nordeifel. Sie sind blau oder rot und stehen plötzlich in der Grundstückseinfahrt: Wäschekörbe. An der Grünentalstraße in Imgenbroich sind sie zurzeit überall zu finden. Das ist kein neuer Service der Kommune und auch keine Aktion einer Hilfsorganisation. Hinter dieser Invasion der Wäschekörbe steckt ein privates Unternehmen, wie auf den Aufklebern in den Körben zu lesen ist.

Bezahlen muss man für die Abholung der Kleider nichts. Eine gute Gelegenheit also, um wieder Platz im Schrank zu bekommen. Viele Menschen wollen mit der Abgabe ihrer alten Kleidung aber auch etwas Gutes tun und wie Sankt Martin ihren Mantel mit den Armen teilen. In der Branche ist auch gerne die Rede vom „Sankt-Martin-Mythos“ und den machen sich die Unternehmen zu nutze. Mit dem caritativen Gedanken haben solche gewerblichen Sammlungen aber wenig zu tun, denn mit den aussortierten Textilien lässt sich richtig Geld verdienen.

Rund 750.000 Tonnen Altkleider kommen nach Schätzungen jährlich in Deutschland zusammen, etwa die Hälfte davon reißen professionelle Sammelbetriebe an sich und verdienen daran nicht schlecht. Der Verkauf einer Tonne Altkleider bringt circa 350 Euro ein.

Auf diesem umkämpften Markt mischen neben Hilfsorganisationen und gewerblichen Sammlern inzwischen auch viele Kommunen mit und wollen ihr Stück von dem großen Kuchen abhaben. Möglich ist das durch das „reformierte Kreislaufwirtschaftsgesetz“, das am 1. Juni 2012 in Kraft getreten ist. Demnach dürfen die Kommunen auch selbst Sammelcontainer aufstellen. Mit dem Geld, das so in den Haushalt gespült wird, wollen einige Kommunen die Müllgebühren senken.

Kooperationsmodelle

In Monschau erfolgt die Aufstellung von Altkleider-Containern derzeit ausschließlich über die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) bzw. das Sozialwerk Eifeler Christen. „Deren Aktivitäten wollen wir weiterhin unterstützen und damit zulassen“, sagt Bürgermeisterin Margareta Ritter. Man sei sehr froh über das Bestehen der karitativen Einrichtungen.

Die Gemeinden Simmerath und Roetgen gehören im zum Zweckverband Regioentsorgung, der wiederum dem Zweckverband Entsorgungsregion West (ZEW) untergeordnet ist. „Beiden Verbänden ist daran gelegen, ihre Gebühren zu senken, deshalb gibt es jetzt Überlegungen, Kooperationsmodelle mit gemeinnützigen Organisationen zu entwickeln“, erklärt Heinz Mertens von der Gemeinde Roetgen. Er rechnet damit, dass die Regioentsorgung zum Jahreswechsel ein Konzept vorgestellt. Zurzeit duldet die Gemeinde Roetgen das Aufstellen von Containern der Arbeiterwohlfahrt und des DRK.

Zurück zu den Wäschekörben, die plötzlich unbestellt vor der Haustüre landen. Bei einigen Leuten hat das für Unruhe gesorgt, weil sie befürchten, dass Ganoven die Altkleidersammlung nur als Vorwand benutzen, um Häuser und Wohnungen für spätere Raubzüge auszuspionieren. Wieder andere haben Angst, es könne sich um Tierfänger auf der Suche nach Katzen für Tierversuche handeln. Man sei Hinweisen nachgegangen, die aber in keinem Fall verifiziert wurden, erklärt Polizeisprecherin Sandra Schmitz. Trotzdem solle man stets auf der Hut sein und sich im Zweifelsfall an die Polizei wenden.

Misstrauen sei grundsätzlich angebracht, wenn ein Sammler allzu sehr gefühlsbetont oder mit Symbolen wie Kreuz oder Kirche werbe. Hier werde vielfach ein gemeinnütziger Zweck nur vorgetäuscht, sagt Thomas Ahlmann Sprecher des Dachverbandes „FairWertung“, einem Zusammenschluss von gemeinnützigen Sammlern. Wenn Kontaktdaten wie Name und Adresse fehlten, sei dies ein weiteres Indiz für unseriöse Geschäftemacherei. Häufig sei nur eine Handynummer angegeben, die gar nicht vergeben ist oder bei der nur ein Anrufbeantworter zu hören ist. „

Vorsichtig sollten Sie auch bei Sammlungen mit Wäschekörben oder Sammeltonnen sein. Meist sind es gewerbliche Sammler, die dafür gezielt einen Vereinsnamen gemietet haben. Sie greifen außerdem bewusst in private Eigentumsrechte ein, wenn sie ohne Ihre Zustimmung einen Sammelbehälter auf Ihrem Grundstück aufstellen“, sagt Ahlmann.

Für die Sammlung in Imgenbroich hat die Städteregion übrigens keine Genehmigung erteilt.

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