Das Geschäft der Holländer mit der Eifel

Von: Marlon Gego
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Teilanimation des „Resort Ei
Teilanimation des „Resort Eifeler Tor”: In Heimbach entsteht ein Bungalowpark nach niederländischem Vorbild in einer Art Neo-Fachwerk-Optik. Ein Teil der 96 Häuser und 84 Wohnungen wird Ende August eröffnet. Foto: Dormio

Heimbach. Die Appartements in den obersten Etagen waren die ersten, die Serge van der Heijden verkauft hat, der Blick über die bewaldeten Berge und das Heimbacher Staubecken gehört zu den schönsten, die Geld in der Eifel kaufen kann. Dass es in erster Linie Niederländer sein werden, die sich an diesem Blick erfreuen, gehört zum Plan.

Das „Resort Eifeler Tor”, ein Bungalowpark, der Ende August bei Heimbach teileröffnet wird, ist von Niederländern geplant und gebaut worden, ebenso wird es in erster Linie in den Niederlanden vermarktet. Das ist kein Zufall, sondern ein Plan, sagt Serge van der Heijden, der Resort-Leiter.

Seit 2007 ist Deutschland das beliebteste Reiseziel der Niederländer, in den Jahrzehnten davor war es fast immer Frankreich. Warum sich das geändert hat, kann man an vielen Dingen festmachen, an den gestiegenen Benzinpreisen zum Beispiel, an der stetig wachsenden Popularität von Kurzurlauben, an der Nähe zu Deutschland. An einer zunehmenden Normalisierung des deutsch-niederländischen Verhältnisses, das auch Jahrzehnte nach dem Ende des Krieges noch belastet war, natürlich auch. Allerdings beschränkt sich das Eifel-Interesse der Niederländer nicht mehr allein auf Urlaubsbesuche, sondern zunehmend auch aufs touristische Geschäft. Das „Resort Eifeler Tor” ist dafür nur eines von vielen Beispielen.

Claudia Driehuijs, die in Den Haag aufwuchs, bevor sie 2003 nach Deutschland kam, betreibt im Simmerather Ortsteil Hirschrott seit 2010 ein großes Ferienhaus, in dem bis zu 18 Menschen wohnen können. Gemietet wird das Haus in erster Linie von Niederländern. Sozusagen im Zweitberuf sucht sie mit ihrer Agentur „Eifel Star Immo” gezielt nach Immobilien für niederländische Interessenten: Ferienwohnungen, Wochenendhäuser, Gewerbeimmobilien wie zum Beispiel Hotels oder Pensionen. Und man kann sagen: Das Geschäft läuft.

Dass immer mehr Holländer Immobilien in der Eifel kaufen, habe auch mit dem niederländischen Wohnungsmarkt zu tun, glaubt Claudia Driehuijs. Die Immobilienpreise seien im Moment so hoch wie nie, Wochenendhäuser in Holland würden so zum Luxus für einige wenige. Parallel dazu findet in Deutschland seit einigen Jahren die Umkehr eines früheren Trends statt, sagt der Aachener Wirtschaftsgeograf Helmut Breuer: Die Bevölkerung zieht verstärkt vom Land in die Stadt. „Das sorgt dafür, dass die Immobilienpreise auf dem Land sinken.” Weil die Generation jüngerer Menschen, die in der Eifel bleibt, eher selbst baut anstatt alte Häuser zu kaufen, vermittelt unter anderem Claudia Driehuijs viele der Immobilien, die in der Eifel leerstehen, zu niedrigen Preisen an niederländische Interessenten.

Ein Geldsegen für Heimbach

Wie das „Resort Eifeler Tor”, so werben auch die Hotels „Eifelgold” in Simmerath-Erkensruhr und „De Lange Man” in Monschau-Rohren fast ausschließlich in den Niederlanden um Kundschaft - und auch um Personal, der Sprache wegen. An der Rezeption wird man auf Niederländisch begrüßt, deutsche Gäste sind zwar willkommen, aber eigentlich nicht vorgesehen. Während es in Erkensruhr und Rohren zumindest anfangs Skepsis gegenüber den niederländischen Hotels gab, sind die Niederländer in Heimbach überaus willkommen.

Das „Eifeler Tor” wird in 96 Bungalows und 84 Wohnungen über 1130 Betten verfügen. Resort-Leiter van der Heijden geht davon aus, in drei Jahren, wenn alle Wohneinheiten fertiggestellt sein werden, 50.000 Gäste und 220.000 Übernachtungen pro Jahr vermelden zu können. Wenn man bedenkt, dass 2011 die Anzahl aller Übernachtungen in der Stadt Heimbach zwischen 70.000 und 80.000 lag, wird begreiflich, warum es in Heimbach kaum Widerstände gegen das Resort und die massiven Eingriffe in die Landschaft gab, in der es gebaut wird. Allein die Kurtaxe wird der Stadt einen Euro pro Gast pro Nacht bescheren, bei 220.000 Übernachtungen also 220.000 Euro im Jahr. Gemessen am Einzelhandelsumsatz, der in Heimbach jährlich zwischen 500.000 und 600.000 Euro liegt, ist alleine schon die Kurtaxe so etwas wie ein Goldregen für die kleine, notorisch klamme Stadt.

Während eines Dorffestes hat ein Bekannter aus dem Nachbarort Claudia Driehuijs vor kurzem erzählt, mittlerweile zögen derart viele Holländer in die Eifel, dass die Eifeler begönnen, einen niederländischen Akzent zu entwickeln. Driehuijs schaute ihn zunächst ungläubig an, dann begann der Bekannte zu lachen. Er hatte bloß einen Witz gemacht, noch nicht einmal einen bösen.

Was genau ist das „Resort Eifeler Tor”?

Ende August wird das 50 Millionen Euro teure „Resort Eifeler Tor” zunächst teileröffnet. Die eigentliche Eröffnung ist im Juni 2013, fertig wird der Park Ende 2013. Rund 50 Arbeitsplätze sollen entstehen. Das 7,5 Hektar große Resort besteht neben Restaurants, Geschäften und einem Schwimmbad aus 96 Häusern und 84 Wohnungen, die an private Investoren verkauft werden. Von bislang 40 verkauften Einheiten sind 37 Käufer Niederländer, nur drei sind Deutsche.

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