Das eindrucksvolle Eifel-Album noch einmal aufgeschlagen

Letzte Aktualisierung:
14244441.jpg
Hören und schauen: Die Nacht der Bibliotheken in Simmerath hatte bei Worten von Thomas J. Lennartz und Fotos von Peter Stollenwerk ein aufmerksames Publikum.

Simmerath. „The place to be!“ lautete das Motto der „Nacht der Bibliotheken“ 2017, ein Motto, das Realität in Worte fasst. Schließlich schätzen Besucherinnen und Besucher die Bibliothek längst nicht mehr nur als Ort der Buch-Ausleihe. Bibliotheken sind für viele ein Treffpunkt, den sie nicht mehr missen möchten und wo Texte und Bilder zu erlebbaren Geschichten werden.

Genau aus diesem Grund hatten sich zur „Nacht der Bibliotheken“ rund vierzig Büchereikundige, aber auch Bibliotheksneulinge aufgemacht, um in der Gemeindebücherei Simmerath dabei zu sein, als noch einmal das Eifel-Album aufgeschlagen wurde, nachdem eine Wiederholung nach der „Uraufführung“ im letzten Jahr vielfach gewünscht worden war.

Als Titel trug die Veranstaltung ein Zitat von Clara Viebig: „Eine Brücke schwingt sich, über die jeder gehen muss, der ganz verstehen will, was Eifel heißt.“ Büchereileiterin Rita Plum hatte die Brücke gebaut, eine Brücke zwischen Geschichten, Eindrücken, Anekdoten, Reportagen aus Vergangenheit und Gegenwart, allesamt geschrieben von Eifel-Autoren, und einer Auswahl von faszinierenden Fotos von Personen und Landschaften des Monschauer Landes.

Immer wieder Natur im Fokus

Alle gingen mit über diese Brücke, indem sie heiter Skurrilem, aber auch Nachdenklichem und durchaus Ungewohntem lauschten, das wieder grandios vorgetragen wurde von Thomas J. Lennartz. Er zog alle Register seines sprachlichen und stimmlichen Ausdrucks.

Er feierte die Natur und die Einsamkeit auf Ludwig Mathars „Wanderung“ durchs Venn, eröffnete Ernest Hemingways Feuer der Wump Gun vor den Bunkern der Krauts im „Krieg an der Siegfriedlinie“, erschuf Hubert vom Venns leibhaftigen Harddrückejenesjenfonzeschäng und ließ ihn die „Kulturtage von Widdau“ ausrufen, um nur drei Höhepunkte der Lesung anzuführen.

Das Publikum schmunzelte, als von Jupp Hammerschmidts Klümpchensgläsern der Fastenzeit von früher die Rede war und von der „Tofu-Werdung Christi“ angesichts des Trends zum Vegetarismus von heute. Es litt mit beim brutalen Kriegskampfgeschehen auf den Eifel-Höhen und fand Gefallen an Sätzen wie „In der Dämmerung sahen sie Rehe, die aus dem Wald zum Äsen auf die Lichtung kamen. Sie waren sehr scheu, eins blickte zum Haus hin. Jetzt, wo du da bist, habe ich keine Angst mehr, sagte Magena“ in Norbert Scheuers Geschichte „Wald“.

Bei der Zugabe lachten die Besucher herzhaft über einen Eifelindianer, dessen Kopfschmuck in die Mauser gerät. Und immer wieder staunten sie und schwärmten von den Bildern, die die Texte begleiteten, jedes ein Kunstwerk für sich. Weiß getünchte Fachwerkhäuser, die sich hinter Buchenhecken ducken, ein erhobener Zeigefinger gegen menschlichen Größenwahn aus gesprengtem Bunkereisen vor stahlblauem Himmel, alte Menschen in alten Häusern und Werkstätten, beredte Zeugnisse aus schweren Zeiten, in denen jedes Ding seinen Wert hatte und behielt.

Und immer wieder stand die Natur im Fokus, fotografisch eingefangen in Baumgemälden, weiten Ausblicken, Miniaturanschichten, Wasserspiegelungen und Kuriositäten am Wegrand von Peter Stollenwerk, der seine journalistische Heimat in der Eifeler Lokalredaktion des Aachener Zeitungsverlags hat und das Monschauer Land seit langer Zeit auf seine ganz persönliche Weise ins Bild setzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert