Das „Bermudadreieck“ wird entschärft

Von: Heiner Schepp
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Aus der Kreuzung mit zwei Spangen bei Raffelsbrand wird ein Kreisverkehr, seit knapp drei Wochen baut der Landesbetrieb Straßen NRW mit einem Jülicher Unternehmen hier einen Kreisverkehrsplatz. Foto: Schepp
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Mehr als ein Dutzend teils schwere Kollisionen hat es hier seit 2014 trotz zwischenzeitlich geänderter Beschilderung gegeben. Foto: Archiv/psm
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Eine Umfahrung hält die Behinderungen während der Bauarbeiten gering. Foto: Schepp

Raffelsbrand. Weil sie aus der Luft betrachtet dreieckig ist, hat der Volksmund die Einmündung der Landstraße 24 in den Kurvenverlauf der B399 bei Raffelsbrand „Bermudadreieck“ getauft. Da an diesem tückischen Straßenabschnitt aber noch kein Fahrzeug spurlos verschwunden ist, soll dieser Name wohl eher die Gefährlichkeit der Kreuzung zum Ausdruck bringen, die die Polizei auch schriftlich hat.

Etwa ein Dutzend mehr oder weniger schwere Kollisionen hat es hier in den letzten Jahren gegeben, was die sogenannte Unfallkommission veranlasste, sich Gedanken zur Umgestaltung der Straßenführung zu machen. Das Ergebnis der Gedankenspiele von Polizei, Straßenverkehrsbehörde, Kommunen und Landesbetrieb Straßen NRW dürfte bis zum Ende der Sommerferien fertig sein: ein großer, möglichst ebener Kreisverkehr, der die Unfallhäufigkeit an dieser Einmündung eindämmen soll.

Gemeinhin sind Autofahrer nicht gerade erbaut, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit auf rot-weiße Baken und eine beginnende Baustelle treffen. Da ist der Fall in Raffelsbrand, wo die Nordeifel auf die Zubringerstraßen nach Stolberg und Düren trifft, etwas anders gelagert. Denn mit dem hier begonnenen Bau eines Kreisverkehrsplatzes wird eine höchst knifflige Einmündung zweier Hauptverkehrsstraßen sicherlich entschärft. Und die Lösung Kreisverkehr hatten vor drei Jahren, als das Thema erstmals richtig hochkochte, nicht nur Politiker und Verkehrsexperten, sondern auch betroffene Autofahrer häufig vorgeschlagen.

Damals, 2014, hatten sich sieben Unfälle alleine in der Zeit vom 27. März bis 16. Oktober an der Einmündung in Raffelsbrand ereignet. Sieben Menschen waren bei diesen Unfällen schwer, acht leicht verletzt worden.

Die Mehrheit der Unfälle war gleich gelagert. Wer von der Landstraße 24 auf die Bundesstraße 399 abbiegen möchte, trifft auf ein Stoppschild. Dieses Verkehrszeichen sei jedoch in fünf der sieben Fälle „nicht ausreichend beachtet worden, es kam zu Zusammenstößen beim Abbiegen“, hieß es seitens der Polizei. Das Straßenverkehrsamt des Kreises Düren berief daraufhin die Unfallkommission ein, die sich in diesem Falle aus Vertretern des Straßenverkehrsamtes, des Landesbetriebs Straßen NRW, der Polizei Düren und der Gemeinde Hürtgenwald zusammensetzte.

Die Kommission hatte sich Anfang November 2014 vor Ort ein Bild von der Lage gemacht und anschließend Vorschläge erarbeitet, um die Situation zu entschärfen. Kurze Zeit später wurde die Einmündung als Unfallhäufungsstelle eingestuft und durch eine Fahrbahnmarkierung und größere Schilder noch deutlicher gemacht, dass der von der L 24 auf die Bundesstraße 399 fahrende Verkehr hier anhalten muss.

Markierungen reichen nicht

Markierung und Beschilderung alleine jedoch lösten das Problem offensichtlich nicht. Der bislang schwerste Unfall an der ominösen Stelle ereignete sich Rosenmontag 2015, als sich ein Auto auf der Heimfahrt von einer Karnevalsfeier in Lammersdorf im Dreieck überschlug und eine junge Frau ums Leben kam. Zwar wurden dieser Unfall und seine schweren Folgen später anderen Ursachen zugeordnet als der Straßenführung, riefen aber die Öffentlichkeit und zuständigen Behörden erneut auf den Plan. Spätestens nach weiteren Unfällen Anfang 2016 reifte die Entscheidung für einen Kreisverkehr und wuchs der Druck auf eine schnelle Umsetzung. Diese läuft seit nunmehr drei Wochen.

„Wir haben zunächst eine provisorische Umfahrung gebaut, um während der Bauarbeiten für den eigentlichen Kreisverkehr den regen Verkehr hier nicht zu sehr zu beeinträchtigen“, sagte Arnd Meyer unserer Zeitung. Erst in den letzten vier Wochen, also etwa ab Anfang August, würden Teil- oder Vollsperrungen notwendig, wenn zunächst der Zweig nach Zweifall (L 24) und ganz zum Schluss der Ast nach Lammersdorf angebunden werde. „Dann wird man rund drei Wochen nicht nach Lammersdorf fahren können“, sagt Meyer.

Der Experte vom Landesbetrieb spricht von einem „normalen Kreisverkehr“, der etwa einen Durchmesser von 36 Metern haben werde. „Wir müssen hier ziemlich tief baggern, da der Kreisverkehr weitestgehend eben sein und kein Gefälle haben soll“, so Meyer.

Rund eine Million Euro lassen sich Bund (zwei Drittel) und Land (ein Drittel) dieses gute Stück Verkehrssicherheit kosten. Doch wenn die Maßnahme künftig schlimme Unfälle verhindert, dann sind es für alle, die hier täglich fahren, sicherlich gut angelegte Steuergelder.

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