Monschau - „Das Auge Istanbuls“: Ara Güler begeistert mit seiner Ausstellung

„Das Auge Istanbuls“: Ara Güler begeistert mit seiner Ausstellung

Von: avl
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Ganz im Sinne des berühmten Fotografen Ara Güler: Helmut Etschenberg (Mitte), Gisela Kayser (links von ihm) und Nina Mika-Helfmeier (rechts von ihm) zusammen mit den Besuchern der Vernissage. Foto: van Londen

Monschau. Kaum ist die erfolgreiche Ausstellung „World Press Photo 14“ abgebaut, die in knapp drei Wochen rund 5500 Besucher lockte, präsentiert das Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau (KuK) gleich einen weiteren Leckerbissen grandioser Fotografie.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Das Auge Istanbuls“ mit Fotografien des international renommierten Fotografen Ara Güler, strömten trotz Winterwetters so viele Interessierte nach Monschau, dass es im KuK recht eng wurde.

Auf insgesamt drei Etagen sind noch bis Sonntag, 12. April, zahlreiche, meist großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien, einige Farbaufnahmen und Filme über Ara Güler von Jim Rakete und Erdal Buldun zu sehen.

Nach den Begrüßungsworten von Städteregionsrat Helmut Etschenberg und der Leiterin des KuK, Dr. Nina Mika-Helfmeier, führte Gisela Kayser, Kuratorin und Geschäftsführerin des Freundeskreises Willy-Brandt-Haus (FkWBH), Berlin, in die Welt des international bekanntesten türkischen Fotojournalisten Ara Güler ein.

„Es lohnt sich, den Blick auch nach dem kulturell und historisch überaus reichen Osten zu wenden, in die Türkei und nach Istanbul. Dieses vielfältige Land beherbergt und verkörpert einen wichtigen Teil unserer eigenen historischen Wurzeln. Man denke nur an Istanbul, früher eine griechische und römische Großstadt, dann als Byzanz ein Jahrtausend lang die Hauptstadt des Oströmischen Reiches und des östlichen Christentums mit der Jahrhunderte lang größten christlichen Kirche der Welt, dann als Konstantinopel die Hauptstadt des osmanischen Großreiches. Venedig, Ravenna, ja das ganze Italien der Adria Küste wären ohne den Austausch und ohne die Handelsbeziehungen mit Byzanz und Konstantinopel nicht das, was sie heute sind. Ara Güler führt uns in diese ganze Vielfalt, die Quirligkeit und Melancholie und den kulturellen Reichtum seines Heimatstadt eindrucksvoll vor Augen. Er hat gleichsam Istanbul und die Türkei für den Westen mit seinen Fotografien entdeckt und ist somit der bedeutendste visuelle Historiker der Türkei. Das ist sein großer Verdienst.“

Im Laufe seines langen Fotografenlebens – Ara Güler ist aktuell 86 Jahre alt – bereiste er die halbe Welt, war als Nahost-Korrespondent für glanzvolle Magazine wie Time Life, Paris Match, London-Times und den Stern tätig, und porträtierte eine Vielzahl von Prominenten wie Winston Churchill, Maria Callas, Alfred Hitchcock, Salvador Dali oder Pablo Picasso.

Seine große Leidenschaft gilt jedoch immer seiner Heimatstadt Istanbul und ihren Bewohnern, den einfachen Menschen und ihren Lebensumständen. Der großen Stadt am Bosporus, dem historischen Zentrum und Schmelztiegel von drei Weltreichen, widmet Ara Güler eine einzigartige Hommage; dieser faszinierenden Stadt fühlt er sich verpflichtet. Für ihn stehen nicht die Bauwerke und die Architektur im Vordergrund, sondern immer der Mensch, der an ihm vorbei läuft. „Ein guter Fotograf muss die Menschen lieben“, sagt Güler.

Es ist seine besondere Art der Wahrnehmung, Flüchtiges in seinem dichtesten Moment aufzunehmen. In dieser Direktheit steckt die Illusion, das wahre Leben zeigen zu können. Es steht keinerlei voyeuristische Absicht dahinter, sondern Begeisterung für das Leben, für die Menschen.

Der 1928 in Istanbul geborene Fotograf ist Autodidakt, wie so viele seiner berühmten Zeitgenossen. „Die Bedienung einer Kamera lernt man in einer Woche“, meint Güler. Für ihn ist Technik Nebensache. „Wichtiger sind Ästhetik und Kultur und ein ausgeprägter Geschmack“, so Güler weiter.

Gülers Istanbul ist das der Werftarbeiter und Lastenträger, der Wasser- und Teeverkäufer, Fischer und Handwerker, Händler oder Straßenkinder, ein Istanbul der Pferdefuhrwerke und schwerfälliger Lastkähne, der Fischgarküchen, alter osmanischer Holzhäuser, bröckelnder Fassaden, auch der Armut. Zu seinen bevorzugten Bezirken zählen beispielsweise Orte, die auch heute noch vor allem von Zuwanderern aus den ländlichen Gebieten Anatoliens bewohnt werden.

Besonders gerne hielt er sich nahe der Galatabrücke auf, in den umliegenden Vierteln der kleinen Leute. Er vermittelt ein Bild des Lebens in einem Istanbul vor dem Abriss ganzer Stadtvierteln und Lebensräume zugunsten einer westlichen Allerweltsarchitektur.

Ara Güler hält eine im Verschwinden begriffene Welt mit seinen kunstvollen und beseelten Fotografien fest. „Man muss auf den richtigen Moment warten können. Zum Fotografieren gehört eine hohe Konzentration von Wissen. Nur so können gute Bilder entstehen“, verrät Ara Güler. So sind ihm einzigartige und stilprägende Bilder gelungen. Bilder, die längst Teil des nationalen Gedächtnisses der Türkei geworden sind.

Die Ausstellung „Das Auge Istanbuls“ mit Fotografien von Ara Güler sind noch bis Sonntag, 12. April 2015 im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau (KuK), Austraße 9, kostenlos zu sehen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kuk-monschau.de.

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