Damenkegelclub feiert 50 aktive Jahre: „Unsere Touren waren immer schön“

Von: P. St.
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Nur eine ruhige Kugel zu schieben, ist auch im fortgeschrittenen Alter noch nicht die Sache des Simmerather Damenkegelclubs „Die Wunderpuffel“, der vor 50 Jahren gegründet wurde. Foto: P. Stollenwerk
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Ihr Gründungsdatum haben die „Wunderpuffel“ eingraviert.

Simmerath. Wenn man heute von den 1960er Jahren oder genauer gesagt von der „68ern“ spricht, dann denkt man gleich an Protest, Befreiung, Demonstration, Rockmusik, Emanzipation und Aufbegehren. Die Stimmungslage jener wilden Zeit war vor einem halben Jahrhundert mit Sicherheit auch in Simmerath zu spüren, denn wie sonst hätte im Jahr 1967 in der damals noch stark von dörflichen Traditionen geprägten Eifel ein reiner Damenkegelclub eine Chance gehabt, sich durchzusetzen?

Dem Damenkegelclub „Die Wunderpuffel“ ist dieses Kunststück gelungen. Am 10. April 1967 trafen sich die zehn jungen Frauen zum ersten Kegelnachmittag in der Gaststätte Wilden in Simmerath. 50 Jahre später trifft man das muntere Zehner-Clübchen dort immer noch an, und eigentlich ist bis auf einige personelle Veränderungen nicht viel anders: Die Kegelbahn in Simmeraths Traditionsgaststätte „Schomeischesch“ ist gleich geblieben (einschließlich der Stufen hinunter zur Bahn) und die rüstigen Damen, von denen noch sechs Gründungsmitglieder aktiv sind, sind auch heute nicht um eine schlagfertige Antwort verlegen.

Der Club hält auch im 50. Jahr seines Bestehens fest zusammen, und mittwochs bei den 14-tägigen Treffen auf der Kegelbahn geht es gesellig und gesprächig zu. Nur die Kegeljungs gibt es nicht mehr. Zwischen 74 und 93 Jahren alt sind die Damen inzwischen, aber niemand denkt daran, eine ruhige Kugel zu schieben.

Warum sie sich im Frühjahr 1967 dazu entschlossen, ihre Freizeitaktivitäten zum Teil auf eigene Füße zu stellen, ist schnell erzählt: „Unsere Männer waren immer wegen des Fußballs unterwegs, und wir wollten auch mal etwas erleben“, klingt es wie im Chor.

Von den Gründerinnen sind bis zum heutigen Tage Maria May, Gitta Linzenich, Henriette Kaczmarek, Cäcilia Gorecko, Mathilde Nießen und Ingrid Titze noch am Start. Zu den Gründungsmitgliedern zählt auch die damalige Wirtin Anna Wilden. Ihr zuliebe kegelte man zunächst montags, weil die Gaststätte an diesem Tag ihren Ruhetag einlegte.

Gemeinsame Unternehmungen gehörten immer zum festen Programm des Clubs. Ob Mallorca, Ungarn, Österreich oder Tschechien: „Unsere Touren waren immer schön“, schwelgen die Damen in zahlreichen Erinnerungen. Nur nach einem Ausflug auf der Hamburger Reeperbahn sorgte eine Kegelschwester kurz für Verunsicherung als sie in die Runde fragte: „Müssen wir das jetzt beichten?“

Dafür wurden die Damen bei ihrem Berlinausflug im Theatersaal bei einer Kabarett-Aufführung der „Stachelschweine“ persönlich von der Bühne aus begrüßt. Der Ausflug anlässlich des 50-jährigen Bestehens wird noch geplant. Bis dahin wird aber noch fleißig geworfen und Startgeld gezahlt, damit die Kasse gut gefüllt ist. Ein Puddel kostet 10, eine verlorene Partie 30 Cent. Und wer seinen Club-Anstecker vergisst, muss ebenfalls Strafe zahlen. Auch die klare und konsequente Linie gehört zum Charakter des Simmerather Damenkegelcubs – heute wie vor 50 Jahren.

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