Dachsanierung: Kirchengemeinde fehlen 700.000 Euro

Von: Ernst Schneiders
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Sorgenvoller Blick nach oben (von links): Frank Liedtke, Pfarrer Jens-Peter Bentzin, Friedrich Deißner und Volker Böhm. Foto: Ernst Schneiders

Monschau. Wohl noch häufiger als ohnehin haben die Verantwortlichen der Evangelischen Kirchengemeinde Monschau um Pfarrer Jens-Peter Bentzin in den vergangenen Wochen zum Himmel geblickt, auf dass ihnen von dort ein Zeichen gegeben werde. Soweit ist es aber nie gekommen, denn die Blicke blieben an den Rissen in der Stuckdecke der Kirche hängen, die immer größer wurden.

Mehr als einmal hat Pfarrer Bentzin das Gotteshaus morgens aufgesperrt und eine bangen Blick hineingeworfen, ob nicht Stuckputz heruntergefallen ist. Ist er nicht, zum Glück, aber es hätte sein können.

Aus diesem Grunde wurde die Kirche nach einer außerordentlichen Baubegehung der Fachleute und der Presbyter, wie berichtet, für die Öffentlichkeit gesperrt. Zuerst muss das Dach saniert werden, denn auch die Aufhängung der Dachkonstruktion aus der Blütezeit der Tuchmacher ist in die Jahre gekommen. Und genau an diesem Punkt beginnt das Problem: Die Sanierung des denkmalgeschützten Bauwerks kostet schlappe 800.000 Euro. Etwas mehr als 100.000 Euro hat die Kirchengemeinde aus Kollekten und Spenden auf der hohen Kante. Fehlen also noch satte rund 700.000 Euro.

Kirche unbedingt erhalten

Gedanken, ob dieses enormen Finanzbedarfs das Gotteshaus aufzugeben und es anderweitig nutzen zu lassen, weisen Pfarrer, Architekt und Presbyter weit von sich. Die Kirche in Monschau habe „für den Protestantismus in der Region überregionale Bedeutung”. Die nächsten Gotteshäuser seien in Schleiden und in Roetgen, „und dazwischen wäre dann Niemandsland”. Eine Aufgabe der Kirche sei erst das „allerallerletzte Mittel”, heißt es mit demonstrativer Entschlossenheit.

Volker Böhm: „Die Kirche ist von den Tuchmachern hier gegründet worden, und wir sind immer noch der Meinung, dass diese Kirche hierher gehört und durch das Engagement vieler gesichert werden kann. Wir wollen diese Kirche erhalten und nicht aufgeben.” Pfarrer Bentzin und seine Mitstreiter sind deshalb bereit, jeden Strohhalm zu ergreifen, an dem am anderen Ende Geld hängt.

Einen „Schulterschluss” habe es bereits mit der Stadt Monschau gegeben, berichtete der Seelsorger. Bürgermeisterin Margareta Ritter habe sich das Malheur angeschaut und Hilfe zugesagt. Euro und Cent erwartet die Kirchengemeinde von der Kommune dabei nicht, „denn die Stadt hat selbst nichts”. Dankbar ist man allerdings, dass die Bürgermeisterin zugesagt hat, in Köln, Düsseldorf und anderswo „Türen zu öffnen”.

Unterstützung könnte von der Bezirksregierung, vom Land NRW und von der EU kommen. Versuche, an deren finanzielle Fleischtöpfe zu gelangen, sind in der Vergangenheit allerdings gescheitert. Das bereits seit fünf Jahren bekannte Problem in Monschau wurde als nicht so dringlich betrachtet und immer wieder verschoben.

Doch inzwischen ist Schluss mit lustig, und so geben sich die Ver- antwortlichen in Monschau denn auch optimistisch: „Bis zu 70 Prozent Förderung sind möglich!” Damit wäre man aus dem Gröbsten raus. Mit der Summe von 800.000 Euro werde, versicherte Architekt Frank Liedtke, das Nötigste gemacht. Von einer Luxussanierung oder Verschönerungsmaßnahmen, die man sich klammheimlich in einem Rutsch mitfinanzieren lasse, könne keine Rede sein.

Presbyterium tagt heute

Natürlich wird die Kirchengemeinde auf bei ihrer Rheinischen Landeskirche anklopfen und um eine Finanzspritze bitten. Heute Abend wird das Presbyterium die Köpfe zusammenstecken und beraten, was zunächst geschieht. So geht es unter anderem um die Frage, wohin man die aktuell 3261 Gemeindemitglieder (Tendenz steigend) vorerst zum Gottesdienst bittet.

Außerdem soll auch geklärt werden, ob und wie die Kirche zumindest unter der ersten Empore weiterhin genutzt werden kann. Jens-Peter Bentzin: „Es wäre schade, wenn wir nur noch die Tür absperren könnten.”

Was auch immer das Presbyterium beschließt, über eines ist man sich bei der Kirchengemeinde im Klaren: „Ohne immense öffentliche Förderung haben wir keine Chance!”
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