Clara Viebig: „Das Kreuz im Venn” ist nur eines von 60 Werken

Von: P. St.
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Ein langes Leben für die Literatur: Clara Viebig in ihrem Haus in Berlin-Zehlendorf. Foto: Clara-Viebig-Gesellschaft

Nordeifel. Wenn man im Monschauer Land über die Schriftstellerin Clara Viebig spricht, dann wird im zweiten Atemzug sogleich ihr 1908 erschienener Roman „Das Kreuz im Venn” genannt. Clara Viebig hat in diesem Werk ein eindrucksvolles Bild der gesellschaftlichen Situation jener Zeit wiedergegeben.

Doch dieser Eifelroman ist nur eines von 60 Werken der seinerzeit in Deutschland höchst populären Schriftstellerin, die 1860 in Trier geboren wurde, fast 50 Jahre ihres Lebens in Berlin verbracht und am 31. Juli 1952 in Düsseldorf 92-jährig verstarb.

Obwohl ihr literarisches Werk sich nicht auf eine regionale Sichtweise beschränkt, sondern sich praktisch ein ganzes Jahrhundert in ihrem Werk widerspiegelt, wird Clara Viebig wohl immer mit der Bezeichnung „Eifeldichterin” in Verbindung gebracht werden.

Eine komplexe Würdigung der im vorigen Jahrhundert ebenso bekannten wie umstrittenen Schriftstellerin bietet jetzt die aus Anlass des 150. Geburtstages der Schriftstellerin erschienene Dokumentation „Clara Viebig - Ein langes Leben für die Literatur”.

Die Herausgeber Christel Aretz, derzeit Präsidentin der in Bad Bertrich ansässigen Clara Viebig-Gesellschaft und Peter Kämmereit, im Jahr 1992 Mitbegründer der Gesellschaft, zeichnen ein umfassendes Bild der Autorin und würdigen ihre Rolle in der deutschen Literaturlandschaft.

Clara Viebig war mit Sicherheit keine Heimatdichterin, auch wenn sie für viele ihrer Romana und Erzählungen die Eifel als Schauplatz wählte. Ihre sozialen Milieuschilderungen über das Leben in der Eifel besitzen literarischen Rang. Im Alter von 37 Jahren wurde sie zur ersten Schriftstellerin der Moderne und zählte Anfang des 20. Jahrhunderts zu den meistgelesenen Autoren in Deutschland.

1897 erlangte sie mit dem Novellenband „Kinder der Eifel” den literarischen Durchbruch. Zwei Jahre später stand Clara Viebig, die 1868 nach Düsseldorf und 1883 nach Berlin umzog, bereits auf dem Höhepunkt ihrer literarischen Karriere, nachdem 1899 in der Frankfurter Zeitung ihr Roman „Das Weiberdorf” erschienen war, ein „Skandalroman” wie es damals hieß.

Hauptdarsteller waren die Bürger der Südeifelgemeinde Eisenschmitt, die einen Sturm der Entrüstung entfachten, wo heute im Ortszentrum der Clara Viebig-Brunnnen mit Szenen aus dem Weiberdorf steht. Die Moralwächter von damals sahen in dem Werk einen Angriff auf Glaube, Sitte, Zucht und Ordnung.

In Berlin keine Notiz genommen

Nachdem Clara Viebig und ihr Werk in den letzten Jahren ein wenig in Vergessenheit geriet, wurde sie in den letzten Jahren in der Region wieder neu entdeckt und ihre Romane neu aufgelegt - so auch im Jahr 2010 „Das Kreuz im Venn.” Nur in Berlin hat man bislang keine Notiz von ihr genommen.

Die jetzt vorliegende Dokumentation gibt es anhand von Selbstzeugnissen, Autorenbeiträgen, Lebenserinnerungen des Sohnes und der Enkeltochter Einblick in das lange Leben für die Literatur. Erstmalig wird dabei auch das handschriftliche Manuskript einer Novelle von Clara Viebig reproduziert.

Wer über Leben und Werk der „Eifeldichterin” umfassend im Bilde sein möchte, sollte dieses Standardwerk für die Wiederentdeckung von Clara Viebig zur Hand nehmen.
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