Christine Albert „outet“ sich als Stimmungssängerin

Von: js
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Brachten das Publikum zum Mitsingen: Christina Albert und Pascal Schweren. Foto: Josef Schreier

Monschau. Wieder hat die Sopranistin Christine Albert unter großem Publikumszuspruch in ihrer Heimat gastiert. Im Rahmen des Kammerkonzert-Zyklus „Montjoie Musicale“ präsentierte sie am Sonntag im Aukloster zusammen mit ihrem pianistischen Partner Pascal Schweren ein Programm, das unter dem Titel „Kunst – Kölsch – Karneval“ eine bunte Folge von teils ernsten und teils heiteren Liedern bot.

Am Beginn standen zwei Lieder von Johannes Brahms, die er auf „Kölsche“ Texte komponierte. Die lustig-ironischen Stücke wurden dann aber mit Liedern von Robert und Clara Schumann konfrontiert, die eines der beliebtesten Rhein-Motive, die Loreley, in durchaus dramatischer Weise darstellen.

Überraschende Interpretation

Dabei überraschte die Interpretation des Lieds von Clara Schumann, die das berühmte Loreley-Gedicht von Heinrich Heine („Ich weiß nicht, was soll es bedeuten ....“) ganz und gar anders ausdeutet als die allzu bekannte, als Volkslied geltende Fassung. In dieser Inszenierung wurde die Tragik der Loreley-Gestalt in ähnlicher Tiefe sichtbar, wie in dem Gedicht von Eichendorff, das in der gleichen Sequenz in der Vertonung von Robert Schumann zu hören war.

Es fiel gerade bei diesen Stücken auf, dass Christine Albert sich eine sehr nahegehende, gestalterische Kraft angeeignet hat, die die Werke dem Zuhörer sehr plastisch und erlebnishaft zugänglich macht.

Das galt natürlich auch für die drei Beethoven-Lieder, die den ersten Teil des Liederprogramms beendeten, auch wenn hier der Bezug zu den Leitthemen lockerer war. Pascal Schweren beendete diesen Teil des Konzertnachmittags schließlich mit einer frühen Klaviersonate von Ludwig van Beethoven. Schwerens Deutung war souverän und holte die überraschenden Wendungen besonders heraus.

Nach der Pause gab es eine Folge von Liedern des Opernkomponisten Gioacchino Rossini. Hier ging es um den Karneval – aber um den venezianischen. Christine Albert bot diese Stücke natürlich in Originalsprache dar. Diese ist aber nicht Italienisch, wie sie erklärte, sondern ein venezianischer Dialekt, den man in Analogie setzen könne zum „Kölsch“. Und dies ergab dann die Brücke zu den abschließenden kölnischen Karnevalsliedern, vor allem von Willi Ostermann.

Stimmungssängerin

Das Publikum mag etwas überrascht gewesen sein von diesem Übergang und ging nur zögerlich auf den Vorschlag ein, mitzuschunkeln, als es darum ging, sich zu erinnern, wie „einmal am Rhein das kranke Herz“ gesund wurde. Dennoch gab es nach Abschluss des offiziellen Programms frenetischen Beifall und in der Tat hatte sich Christine Albert in diesem zweiten Teil geradezu als Stimmungssängerin „geoutet“. So konnte es auch nicht schwerfallen, dass zur zweiten Zugabe, eben jenem „Volkslied“ von der Loreley, das Publikum lauthals einstimmte und einen schönen Nachmittag als Gemeinschaftserlebnis abschloss.

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