CHIO-Vermarkter Mronz: „Größtes Turnier mit kleinster Fläche”

Von: Manfred Kutsch
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Zu wenig Platz: Der ALRV drän
Zu wenig Platz: Der ALRV drängt auf städtische Unterstützung bei der Suche nach Erweiterungsflächen. Spätestens bis zu den Europameisterschaften 2015 sei ein Ausbau der 22 Hektar großen Anlage in der Soers zwingend notwendig. Der CHIO darf wegen des Platzmangels nur mit Sondergenehmigung stattfinden.

Aachen. Schon seit Jahren signalisieren der Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) und die Aachener Reitturnier GmbH (ART), dass das 22 Hektar große CHIO-Gelände in der Soers dem Platzbedarf des Pferdesport-Weltfestes nicht mehr gerecht wird. Mit dem Rückenwind des Zuschlages der Europameisterschaften 2015 spricht CHIO-Vermarkter Michael Mronz Klartext.

Im Interview mit unserer Zeitung fordert er die Unterstützung der Stadt Aachen, zusätzliches Gelände zur Expansion zur Verfügung zu stellen.

Wie groß ist der Bedarf nach mehr Fläche für den CHIO wirklich?

Mronz: Wir sind ja seit langem in einem guten und partnerschaftlichen Dialog mit der Stadt Aachen. Dass wir mit dem vorhandenen Areal nicht ausreichend Platz haben, steht außer Frage, das haben wir oft genug zum Ausdruck gebracht.
Aber bei aller Freundschaftlichkeit der Gespräche brauchen wir auch ein Ergebnis. Ich habe das Gefühl, dass in der Vergangenheit unser Anliegen nicht überall mit der notwendigen Ernsthaftigkeit gesehen wurde. Fakt ist: Wir sind das größte Turnier der Welt mit der kleinsten Fläche.

Umgeben ist das CHIO-Gelände unter anderem von der Eissporthalle, dem Polizeipräsidium, Hockeygelände und den Anlagen des Eisenbahner Sportvereins. Eine Expansion jenseits des Soerser Weges hat ja ALRV-Vorstandschef Frank Kemperman jüngst beim Forum Soers unserer Zeitung ausgeschlossen.

Mronz: Ich will heute nicht über die Zeitung spekulieren, woher die zusätzlichen Flächen kommen könnten. Wir sind ja bereits in Gesprächen, so dass die Verantwortlichen der Stadt unser Anliegen kennen und auch die Flächen, von denen wir glauben, dass es dort Möglichkeiten gibt. Aber jetzt nach dem EM-Zuschlag gibt es die Notwendigkeit, zu Ergebnissen zu kommen, die dauerhaft eine Durchführung des CHIO unter dem aktuellen Regelwerk des Weltverbandes FEI ermöglichen.

Wieso? Verstießen die vergangenen Turniere gegen FEI-Regeln?

Mronz: Wir bekamen zuletzt für den CHIO nur Sondergenehmigungen der FEI. Der Begriff sagt ja schon, dass eine Sondersituation dafür bestehen muss. Und eine jährliche Veranstaltung ist keine Sondersituation. Es ist an der Zeit, dass unsere Interessen jetzt stärkeres Gehör finden - wobei das ja nicht unsere persönlichen Interessen sind, sondern die der Veranstaltung als Werbeträger für Stadt und Region.

Nennen Sie mal einen Fall von Sondergenehmigung.

Mronz: Kleines Beispiel: Die großen Laster der Reiter dürfen laut Reglement nicht in den Stallungen stehen.

Gehen Sie davon aus, dass zusätzliche Flächen bereits 2015 kommen könnten?

Mronz: Das ist zwingend nötig. Und dazu muss man verstehen: Der EM-Zuschlag ist für viele Außenstehende nach der WM 2006 eine Selbstverständlichkeit. So als würde jetzt der kleine Bruder kommen. Doch die EM zu kriegen war deutlich schwieriger als bei der WM.

Warum?

Mronz: Es gab noch nie eine EM mit einem derartigen Konzept der Bündelung nahezu aller Disziplinen.

Fehlen ALRV und ART die Wertschätzung seitens der Stadt Aachen? Kümmert man sich zu wenig um den Branchenführer im Pferdesport?

Mronz: Wir haben das Gefühl, dass wir diese Wertschätzung von der Stadt sehr wohl erfahren. Wertschätzung ist ja etwas, was man sich selber erarbeiten muss. Wir versuchen unsere Hausaufgaben zu machen und eigenverantwortlich eine Top-Veranstaltung auf die Beine zu stellen - ohne dabei alle vier Wochen bei der Stadt anzuklopfen und zu sagen: Wir haben ein Problem, helft uns bitte. Aber dann darf ich nach der EM-Vergabe auch einmal an dringende Notwendigkeiten erinnern.

Der vierwöchige Hilfsappell zielt offensichtlich in die Nachbarschaft zu Alemannia Aachen. Wie erleben Sie die Gespräche der letzten Zeit zwischen Stadt und Alemannia?

Mronz: Alemannia ist ein wichtiger Werbeträger und eine feste Größe im Sportangebot von Stadt und Region. Deshalb halte ich eine Unterstützung durch die Stadt und Unternehmen für richtig und wichtig. So wie wir als CHIO Aachen dies auch getan haben, als es um das Verkehrskonzept ging, ohne das die Baugenehmigung für das Stadion nie erteilt worden wäre. Und dessen tragende Säule war unter anderem die CHIO-Brücke, die es ohne unsere Hilfe nicht gegeben hätte und somit neue Fragen aufgekommen wären.

Dennoch scheint das Tauziehen der letzten Wochen zwischen Stadt und Alemannia nicht spurlos an Ihnen vorbei gegangen zu sein.

Mronz: An mir persönlich schon. Aber aus der Vielzahl der Wortmeldungen der Menschen in der Region habe ich den Eindruck gewonnen, dass sie es irgendwann leid sind, mit immer neuen Sachverhalten konfrontiert zu werden. Wenn ich das als Außenstehender sagen darf: Man hätte einen klaren Schlussstrich ziehen und sagen sollen: So, da stehen wir, das sind unsere Sorgen. Und jetzt muss man mal gemeinsam gucken, wie man die löst. Heute kommt bei vielen Vereinen und Aachener Bürgern Unmut auf, weil sie sich fragen, inwieweit sie auf Geld verzichten müssen, damit es Alemannia zur Verfügung gestellt werden kann. Wobei ich es für eminent wichtig halte, dass die Probleme am Tivoli gelöst werden, und die Stadt sich dort auch einbringt.

Nun hat der ALRV ja nicht die Erwartung, städtisch subventioniert zu werden, der CHIO ist ja ein gesunder Laden?

Mronz: Der aber nicht vom Himmel fällt. Der gesunde Laden ist: Identifikation des Publikums, tolle Sportler, zeitgemäße Aufstellung.

Der Deal ist also: Wenn schon kein Geld, dann wenigstens Gelände. Welchen Einfluss hat die Stadt darauf überhaupt?

Mronz: Es geht hier nicht um einen Deal, sondern darum, gemeinsam mit der Stadt etwas Bestehendes weiterzuentwickeln und für das Turnier zeitgemäße Bedingungen zu schaffen. Es gibt Ideen, die wir der Stadt übermittelt haben. Daher würden wir es begrüßen, wenn wir uns zeitnah - am liebsten noch vor dem CHIO - zu weiteren Gesprächen zusammensetzen, dabei ein Gesamtkonzept andenken und dies auch mit einer Zeitschiene versehen.
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