Cartoonwettbewerb: „Toll, dass ein böser Witz belohnt wird”

Von: P. St.
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Würdige Preisträger des sech
Würdige Preisträger des sechsten internationalen Cartoon-Wettbewerbs im Monschauer KuK: Anja Kress (Mi.) wurde von der Jury auf Platz eins gesetzt, gefolgt von Silvia Sonntag und Martin Zak. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Das gilt auch für den Cartoon - sieht man einmal von der unvermeidlichen Sprechblase ab. Eine komplizierte politische Sachlage, ein peinlicher Auftritt oder ein diplomatischer Engpass lassen sich mit wenigen gekonnten Federstrichen auf den Punkt bringen.

Der Betrachter spürt immer sogleich, was bei den bis aufs Wesentliche reduzierten Zeichnungen gemeint ist, und in der Regel muss er schmunzeln und darf sich freuen, dass hier jemand keine Angst vor der Wahrheit zeigt, anderen den Spiegel vorhält und ihre Schwächen und wahren Absichten pointiert entlarvt.

So sah man auch am Samstagnachmittag im Monschauer Kunst- und Kulturzentrum (KuK) durchweg Menschen, denen ein breites Grinsen ins Gesicht geschrieben stand, denn die hier bis zum 1. Juli ausgestellten 120 Cartoons lösten so manchen unüberhörbaren Lacher aus, aber auch nachdenkliche Minen gehören zum Betrachten eines Cartoons wie auch der Durchblick erst beim zweiten Hinsehen.

Vor rund 50 Vernissage-Gästen wurden im KuK die besten 60 Arbeiten des internationalen Cartoonwettbewerbs ausgestellt, der zum sechsten Mal von der Städteregion Aachen in Kooperation mit unserer Zeitung veranstaltet wurde. Gleichzeitig wurden auch die sechs von der Jury mit Geldpreisen belohnten Sieger und Platzierten (insgesamt war der Wettbewerb mit 7000 Euro dotiert) ausgezeichnet.

Dass sich knapp 300 Zeichner aus über 50 Ländern mit rund 1000 Zeichnungen am Wettbewerb beteiligt hatten, unterstreicht die Bedeutung der Zeichner-Olympiade, der diesmal das Motto „Wahrheit in der Politik” vorgegeben worden war.

Zudem sind im KuK weitere 60 Arbeiten des bundesweit bekannten Cartoonisten Martin Perscheid („Perscheids Abgründe”) zu sehen, der zu den gefragtesten und bekanntesten Zeichnern in Deutschland gehört und mit spitzer Feder für Dutzende von Zeitschriften und Magazinen arbeitet.

In entspannter Runde hieß Städteregionsrat Helmut Etschenberg die Besucher mit einem launigen Grußwort willkommen und wusste wohl um die treffsichere Schlagkraft des Cartoons, dem es gelinge, „Licht ins Dunkel der Politikerlüge zu bringen”, denn die Lüge in der Politik sei sowohl „ein weites wie aus heiteres Feld”.

Die Jury, bestehend aus AZ/AN-Chefredakteur Prof. Bernd Mathieu, KuK-Leiterin Dr. Nina-Mika Helfmeier, den beiden Cartoonisten Heiko Sakurei und Martin Perscheid sowie Marion Sonntag von der Kasseler Galerie Caricatura, hatten die schwierige Aufgabe, die prämierungswürdige Arbeiten zu bewerten, in vierstündiger Arbeit kompetent bewältigt.

Die Präsentation der Preisträger war für Jury-Mitglied Bernd Mathieu auch zugleich eine willkommene Gelegenheit zu hintergründigen und bissigen Betrachtungen über Politik, Politiker und berühmte Lügen der jüngeren Geschichte. Lange Nasen und kurze Beinen bestimmten fast zwangsläufig eine Vielzahl der Arbeiten, und es überraschte auch nicht, dass Kurz-Karriere-Politiker wie Guttenberg und Wulff zur beliebtesten Zielscheibe der Zeichner wurden.

Auf den ersten Platz (2500 Euro) setzte die Jury Anja Kress mit ihrer Arbeit „Kindergarten”. Die 40-Jährige aus Kassel skizziert auf bissige Art und Weise die Sprach-Terminologie des Krieges, und dass sie die Sache auf den Punkt bringen kann, unterstreichen auch ihre jeweils zweiten Plätze bei den beiden vorgegangenen Wettbewerben. „Es ist toll, dass ein böser Witz von der Jury belohnt wird”, freut sich die Preisträgerin, denn allzu oft werde das Geschehen an Kriegsschauplätze verharmlost und medial glatt gebügelt. Der anhaltende Erfolg beim Cartoon-Wettbewerb bringt sie allerdings auch zum Nachdenken in eine andere Richtung. „Vielleicht sollte ich daraus was machen.”

Auf Platz zwei (2000 Euro) setzte die Jury Silvia Sonntag („Die Ente ist sicher”), und auf Platz drei (1000 Euro) landete Martin Zak mit seiner provokanten Arbeit „Wenn italienische Politiker lügen”. Über jeweils 500 Euro dürfen sich die drei weiteren prämierten Teilnehmer, Leonhard Riegel, Hannes Richert und Roland Weiß, freuen.

Großen Zuspruch fand auch die zeitgleich im KuK eröffnete Ausstellung von Martin Perscheid, der unentwegt damit beschäftigt war, seine zahlreichen Bücher zu signieren. In einem pointierten Porträt stellte Saskia Wagner von der Galerie „Caricatura” Kassel den renommierten Cartoonisten vor, der bereits über 3000 Cartoons gezeichnet hat und dessen Lieblingsfigur der „Depp” ist. An Inspirationen aus dem Alltag mangelt es Perscheid nicht, und so ließ es sich nicht vermeiden, dass so mancher Betrachter seine eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten gnadenlos gezeichnet wiederfinden konnte.

Die Doppel-Ausstellung im Kuk (freier Eintritt) ist noch bis zum 1. Juli dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
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