Caritas-Werkstatt: „Wir können mit der Industrie mithalten“

Von: Peter Stollenwerk
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Präzise Arbeit wird in der Caritas-Behindertenwerkstatt in Imgenbroich geleistet. Davon konnten sich auch zahlreiche Besucher beim Tag der offenen Tür überzeugen. Foto: P. Stollenwerk
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Franz-Josef Wilden hat jahrzehntelang Erfahrung in der Industrie gesammelt und ist seit drei Monaten Leiter der Imgenbroicher Caritas-Behindertenwerkstatt.

Imgenbroich. Die landläufige Vorstellung vom Innenleben einer Werkstatt für Behinderte ist bei den meisten Menschen immer noch fest verankert: Hier werden Bürsten, Kehrbesen und Putzlappen hergestellt. Wie weit diese Vorstellung von der Realität abweicht, konnten jetzt Hunderte Besucher beim Tag der offenen Tür in der Caritas-Behindertenwerkstatt (CWB) in Imgenbroich vor Ort betrachten und bestaunen.

Das Werk 5 im Gewerbegebiet wurde am 1. April 2002 eröffnet. 30 hauptamtliche Mitarbeiter kümmern sich in den acht Werkstattbereichen um rund 150 Beschäftigte aus dem Raum Stolberg und der Nordeifel.

Der Tag der offenen Tür 2017 war für Franz-Josef Wilden ein gelungener Einstieg. Der 62-Jährige aus Stolberg ist seit drei Monaten Betriebsleiter des Standortes in der Nordeifel, und noch nie kamen so viele Besucher, die sich vom Leistungsspektrum der CBW überzeugen wollten.

Angehörige, Kunden, Neugierige und auch der Vorgänger des neuen Leiters, Karl Wertz, schauten sich bei geführten Rundgängen auf dem weitläufigen Betriebsgelände um, das aktuell über eine Betriebsfläche von 12.000 Quadratmetern verfügt. Über 350 Besucher sorgten für einen enormen Andrang.

Franz-Josef Wilden, der zwischen 2009 und 2012 das Imgenbroicher Werk bereits als Interims-Leiter kennenlernte und zuvor 35 Jahre lang in der Metallindustrie beschäftigt war, ist stolz auf sein Team, das Tag für Tag gefordert sei, um im Wettbewerb bestehen zu können, denn auch für die insgesamt acht Caritas-Werkstätten in der Städteregion mit Hauptsitz in Eschweiler und deren 1200 Beschäftigte gelten ohne Abstriche die Regeln des Marktes.

Franz-Josef Wilden: „Wir arbeiten aufs Zehntel und absolut professionell.“ Das glaubt man dem Betriebsleiter beim Werksrundgang aufs Wort. Im Imgenbroicher Werk dominiert der Metallverarbeitungsbereich. Mehrmals täglich liefern Lkw hier sechs Meter lange Aluminiumprofile an.

Diese werde zugeschnitten und kommen später als Halteprofile für Solaranlagen zum Einsatz. Alle dazugehörigen Normteile werden angeliefert. System-Montage, Stanz-Montage, Verpackung und Werbeversand sind weitere Arbeitsfelder der CBW, der auch eine heilpädagogische Abteilung angeschlossen ist.

„Wir können mit der Industrie mithalten“, sagt Franz-Josef Wilden voller Überzeugung. Diese Behauptung untermauert er mit der Feststellung, dass allein vier Werkstattleiter vorher professionell in der Industrie beschäftigt waren.

Dem Wettbewerb ausgesetzt

Die CBW muss sich wie jedes andere Unternehmen dem Wettbewerb stellen und kann nur mit Qualität und Zuverlässigkeit punkten, denn aus reiner Menschenfreundlichkeit gibt es in der Regel keine Aufträge aus der Industrie. „Wir müssen verbindliche Auftragsbestätigungen einhalten und pünktlich den Kunden beliefern“, sagt Franz-Josef Wilden.

Dennoch lege man größten Wert darauf, dass in der Werkstatt ein „Wohlfühl-Klima“ herrsche und die Mitarbeiter motiviert seien, denn das Hauptziel jeder Behindertenwerkstatt sei es, möglichst viele Beschäftigte in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. So lautet auch der gesetzliche Auftrag. Deshalb durchlaufen alle Bewerber auch eine zweijährige Ausbildung vor Ort, beginnend mit einem Eingangsverfahren. Diesem schließt sich ein Orientierungsjahr und abschließend ein Ausbildungsjahr an.

Wie bei jedem anderem Arbeitnehmer gelte es, ständig daran zu arbeiten, die persönlichen Fähigkeiten und Neigungen der einzelnen Mitarbeiter herauszuarbeiten, betonte Franz-Josef Wilden: „Wir wollen die Menschen immer ein Stück weiterbringen.“ Auf diese Weise entdecke man auch so manches verborgene Talent.

Von den insgesamt über 1200 Beschäftigten in den acht Werken stehen in diesem Jahr fünf Kandidaten bereit, die auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden können, im Vorjahr waren es nur zwei, davor sechs Leute. Die Quote sei „relativ klein“, sagt CBW-Geschäftsführer Michael Doersch aus Eschweiler. Das aber sei die Realität auf dem Arbeitsmarkt. Es sei nicht leicht, den passenden Unternehmer zu finden, „der das Herz am rechten Fleck hat und einen Menschen mit Behinderung einstellt“, erläutert Doersch.

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