Simmerath - Caritas-Spendenaktion startet wieder

Caritas-Spendenaktion startet wieder

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In abgelegenen Siedlungen Bosn
In abgelegenen Siedlungen Bosniens kommt die Caritas Sarajewo zu den hilfsbedürftigen Menschen.

Simmerath. Die Spendenaktion der Caritas für die Region Eifel in Simmerath „Teilen wie St. Martin” wird am Wochenende in den Gottesdiensten in Simmerath und Kesternich vorgestellt.

Gesammelt wird für alte und kranke Menschen oder für hilfsbedürftige Familien in Bosnien. Bis zum 27. November können Spenden, die auf Wunsch quittiert werden, im Simmerather Pfarrbüro oder bei Inge Heinen, Simrodstraße 20 in Simmerath (Tel. 02473/8378) abgegeben werden.

Seit Jahren bereits unterstützen auch Pfarren aus der Eifel die Bosnienhilfe des Caritasverbandes. Im vergangenen Jahr kamen Spenden in Höhe von fast 12.500 Euro zusammen, die es ermöglichten, die Pflege alter und kranker Menschen fortzusetzen, deren Lebenssituation äußerst schwierig ist, weil viele ihrer Familien im Ausland leben und sie aus dem Alltag heraus nicht unterstützen können.

Viele Rentner müssen mit der gesetzlichen Mindestrente von 70 Euro auskommen. Einer Pflegeversicherung gibt es nicht und viele Menschen sind nicht krankenversichert. In der Region Derventa im serbischen Landesteil ist die Armut besonders groß. Dort ist Hilfe vonnöten. Eine Stunde Pflege kostet etwa 9,50 Euro.

Für weitere 3500 Euro wurden 20 Schafe gekauft. Die Landwirtschaft ist für viele Familien in Nordbosnien nach wie vor eine Existenzgrundlage. Einige Schafe, Ziegen oder eine Kuh sind als Starthilfen für die kleine Selbsthilfeprojekte gedacht, und sie haben sich bewährt, wie Mitarbeiter der Bosnienhilfe kürzlich vor Ort sehen konnten.

Luise Kube, Margret Kaiser, Inge Heinen, Werner Schumacher und Diakon Hans-Karl Rouette lernten im September bei ihrem Besuch vor Ort zunächst in Sarajevo den neuen Caritasdirektor Don Mirco Simic kennen und trafen mit Dr. Hans Jürgen Möller zusammen, der seit einigen Jahren das vom Außenministerium finanzierte Deutsche Büro für wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Banja Luka leitet und als ausgewiesener Bosnienkenner gilt.

Die Arbeit des Büros zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation richtet sich vor allem an die in der serbischen Teilrepublik in Minderheit lebenden Katholiken. Schon zu Beginn des Gespräches, schreiben die Bosnienfahrer in ihrem Bericht, „wurde deutlich, dass es sich um ein vergessenes Land handelt, für das sich die Politik nicht interessiert, solange es halbwegs ruhig bleibt.” Auch viele Jahre nach Kriegsende gebe es kaum Erfolgsmeldungen und niemand wisse so recht, wie dieses Land nach vorne zu bringen sei. Möllers Einschätzung: „Bosnien hat unter den jetzigen Bedingungen keine Chance.”

Hans Jürgen Möller wies darauf hin, dass der Bürgerkrieg von den kriegführenden Parteien im Wesentlichen durch Plünderungen finanziert wurde, und er führt das Kriegsende darauf zurück, dass es es nichts mehr zu plündern gab, das Land ausgeblutet war.

Außerdem hatte Serbien seine Kriegsziele erreicht. Das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Ethnien vor dem Krieg bezeichnete Hans Jürgen Möller als „Mythos”, fernab der Realität. In größeren Städten hätten die Ethnien nebeneinander her gelebt, doch auf den Dörfern habe es scharfe Abgrenzungen gegeben.

Die Präsenz westlichen Militärs sei ein stabilisierender Faktor, der allseits anerkannt werde. Eines der größten sozialen Probleme ist die Armut, weil es keine regionale oder kommunale Armutsbekämpfung gibt. „Der Sozialstaat in Bosnien, das ist die Caritas.” Ein weiteres Problem ist die Altersstruktur. Nach Krieg und Flucht ist die Altersverteilung sehr ungünstig. Es gibt jedoch keine staatliche Institution, die sich dieses Problems annimmt. Ein ebenso großes Problem ist die Jugendarbeitslosigkeit, die bei mehr als 50 Prozent liegt. Auch das Bildungssystem ist mangelhaft.

Die Reise führte die Gruppe aus der Eifel in das kleine Dörfchen Bijelo Brdo, in welchem vor dem Krieg 3000 Menschen in etwa 400 Familien lebten. Beim Besuch lebten dort noch 27 Menschen, die meisten von ihnen waren alt. Darunter nur eine Familie mit fünf Kindern. Nach dem Besuch der Hauskrankenpflege in Doboj begleitete das deutsche Quintett eine der Krankenschwestern bei einem Hausbesuch, der sie zu Maria führt, Nach einer 20-minütigen Fahrt bergauf hält der Wagen vor einem kleinen baufälligen Haus, in welchem die 66-Jährige lebt.

Die Armut ist offensichtlich, aber Maria strahlt und freut sich über den Besuch. Rente bekommt sie nicht, weil sie nie gearbeitet hat, sondern sie lebt von ihren Ersparnissen. Den Bus kann sie sich nicht leisten. Sie hat Probleme mit den Venen und offene Beine und ist deshalb auf die Hilfe der Caritas angewiesen. Schließlich wird noch Pero besucht, der mit seiner Schwester dabei ist, sich eine Lebensgrundlage aufzubauen. Einige Hühner, Puten und zwei Schafe helfen ihm dabei. Im Tal versorgen zwei kleine Maisfelder seine Tiere mit Futter. In einem Bretterverschlag steht sein ganzer Stolz, eine Kuh, die er im Frühjahr über das „Schafprojekt” der Caritas bekommen hat. Er verkauft die Milch bei der Sonntagsmesse, den Rest verarbeitet er zu Käse.

Fazit nach der Rückkehr aus Bosnien: Die ambulante Pflege für alte Menschen ist weiter dringend notwendig. Die Hilfe für Familien in Form von Nutztieren ist eine echte Starthilfe. Die Caritas Sarajevo geht verantwortlich und sparsam mit den Spenden um. Ohne die Hilfe aus dem Bistum Aachen und der Eifelregion gäbe es diese Projekte nicht. Inge Heinen: „Unsere Gelder sind gut angelegt
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