Aachen - Campus: Fährt der Bus der Bahn davon?

Campus: Fährt der Bus der Bahn davon?

Von: Albrecht Peltzer
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Bislang nur eine Vision: Ob künftig eine Stadtbahn in Aachen vom Bushof zum Campus und von dort via Klinikum nach Vaals fahren wird, ist noch nicht klar. Eine Busverbindung wäre jedenfalls preiswerter.

Aachen. Am Dienstag war der RWTH-Campus Thema bei der Initiative Aachen. Es ging um die Präsentation von sechs Clustern. Die Planung für dieses ehrgeizigste Entwicklungsprojekt für Hochschule und Stadt Aachen ist in vollem Gange. Und auch in Sachen Infrastruktur wird intensiv nach innovativen Lösungen geforscht.

Stichwort Mobilität: Soll der Campus mit einer Stadtbahn erschlossen werden? Politisch scheint dies im Moment noch Priorität zu haben. Doch noch bevor in den entsprechenden Gremien beraten und beschlossen wird, gibt es spürbare Zweifel, ob die Stadtbahn - die 1999 schon einmal eine Komplett-Pleite in Aachen erlebte - wirklich eine Chance hat.

In der Diskussion steht eine Strecke vom Bushof über Seilgraben, Templergraben, Schinkelstraße und Westbahnhof zum Campus und von dort via Klinikum nach Vaals - geschätzte Investitionskosten für diese Trasse: rund 110 Millionen Euro. Hinzu kommen rund 2,5 Millionen Euro pro Fahrzeug. In der derzeitigen Kalkulation geht man von sechs Bahnen aus, die dann im Zehn-Minuten-Takt verkehren sollen.

Würde man die gleiche Strecke - auch mit eigener Trasse ab Westbahnhof - mit dem Bus befahren, so ständen nach Informationen dieser Zeitung rund 60 Millionen Euro an Investitionskosten an. Die Anschaffungskosten pro Bus werden mit einer halben Million Euro veranschlagt. Aseag-Vorstand Hans-Peter Appel - eigentlich stets ein Verfechter der Idee Stadtbahn - sagt: „Vorausgesetzt, auch der Bus befährt eine eigene Trasse, hat das Bus-System den gleichen Qualitätsmaßstab wie die Stadtbahn: Zuverlässigkeit, Beförderungsgeschwindigkeit, Fahrkomfort, höheres Nachfragepotenzial.”

Was dem System Bus in die Karten spielen kann, ist die Frage der Betriebskosten. Angesichts eines wieder stark steigenden Defizits der Aseag eine nicht unmaßgebliche Komponente. Auf 4,4 Millionen Euro werden die jährlichen Kosten für den Bus auf der Campus-Linie geschätzt. Eine Bahn wäre jährlich gut zwei Millionen Euro teurer.

Bei der Beförderungsleistung schneidet der Bus nach aktuellen Analysen im Vergleich zur Bahn nicht schlechter ab. Die Bahn (150 Plätze pro Fahrzeug) könnte nach bisherigen Planungen pro Stunde und Fahrtrichtung 900 Fahrgäste befördern. Beim Einsatz eines Doppelgelenkbusses (180 Plätze) wären das im gleichen Zehn-Minuten-Takt 1080 Fahrgäste. Ein normaler Gelenkbus (120 Plätze) würde bei einer Taktverdichtung auf 7,5 Minuten 960 Fahrgäste befördern können.

Ist eine Stadtbahn auch angesichts dieses Vergleichs finanzierbar? Nicht wenige halten die Kurzstrecke vom Bushof bis Vaals für völlig unrealistisch, weil vom Land nicht mit bezuschussbar. Sinn machen würde nur eine Stadtbahn, wie sie im Prinzip Ende der 90er Jahre schon in der Diskussion war: von Vaals bis Brand. Geschätzte 216 Millionen Euro Investitionskosten - also fast doppelt so viel wie bei der „kleinen” Lösung Bushof-Vaals - würde diese Bahnlinie kosten. Zuschüsse vom Land in Höhe von bis zu 85 Prozent könnten hier eingeworben werden. Ein Busbetrieb wird auf dieser Strecke mit rund 116 Millionen Euro veranschlagt. Einsparpotenzial besteht hier noch, wenn man in einzelnen Abschnitten auf eine eigene Fahrtrasse verzichtet.

Noch etwas steht beim derzeitigen Diskussionsstand der „großen” Lösung entgegen. Die Trierer Straße ist mit Millionenaufwand gerade erst von Grund auf saniert und umgestaltet worden.

Stadtbahn oder Bus? Oder welche Alternativen gibt es für den ÖPNV im Hochschulbereich und darüber hinaus? Die Diskussion darüber ist erst im Anfangsstadium - doch Weichen sollen bereits bis Ende des Jahres gestellt werden. Eine Grundsatzentscheidung im Aachener Stadtrat wird für Dezember erwartet.
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