Busunglück eine Folge des Preisdrucks?

Von: Ernst Schneiders
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Busbrand Mützenich
Busbrand Mützenich

Monschau. Die von der Stadt Monschau nach dem Busunglück in Mützenich eilends anberaumte Pressekonferenz, im Geiste von Transparenz und Aufklärung, könnte sich als ein Schlag ins Wasser erweisen. Denn der dort präsentierte Unfallhergang scheint sich möglicherweise so nicht abgespielt zu haben.

Es werden nämlich die Stimmen lauter, die sagen, dass der Schulbus, besetzt mit 48 Kindern, bereits beim Halt an der Kalterherberger Kirche sichtbar aus dem Motorblock „gequalmt” habe. Der Busfahrer sei ausgestiegen, habe die Rauchentwicklung gesehen, sei dennoch wieder eingestiegen und weitergefahren. Ein schwerer Vorwurf.

Das weiß auch Manfred Schneider aus Kalterherberg, Kfz-Sachverständiger und Vater des zwölfjährigen Max, der im Bus gesessen hat. Max und andere Kinder hätten berichtet, dass es sich an der Kalterherberger Kirche genauso zugetragen habe. Nach Manfred Schneiders Erfahrung, untermauert von wissenschaftlichen Untersuchungen und Versuchen, dauert es nach dem Ausbruch eines Schmorbrandes im Motorraum eines Busses durchschnittlich noch 20 bis 25 Minuten, bevor das Feuer auf den Fahrgastraum übergreift.

Das würde zeitlich passen und sich mit den Aussagen der Kinder decken. Da die Feuerwehr bereits nach acht Minuten am Einsatzort gewesen sei und den Bus im Vollbrand vorgefunden habe, könne das Feuer nicht erst an der Haltestelle Kleinbüchel in Mützenich ausgebrochen sein.

Wie es sich tatsächlich zugetragen hat, wollen heute gleiche mehrere Sachverständige herausfinden, die sich mit dem sichergestellten Wrack beschäftigen werden, so Polizeisprecher Paul Kemen. Strafanzeigen gegen Fahrer oder Unternehmen liegen bei der Polizei noch nicht vor. Die Schuld oder Unschuld des Busfahrers wird ein Gericht zu klären haben.

Zuvor aber möchte die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Monschau mit dem Nahverkehrsunternehmen RVE und dem zuständigen Subunternehmen aus Gemünd ein Gespräch führen, an welchem neben der Politik auch die Schulen und die Polizei teilnehmen sollen. SPD-Fraktionsvorsitzender Gregor Mathar schreibt Bürgermeisterin Margareta Ritter, dem Vernehmen nach gebe es Hinweise, dass der Linienbus „bereits bei seiner Ankunft in Kalterherberg” eine Rauchentwicklung gezeigt habe. Sollte das zutreffen, so Mathar weiter, erscheine die Situation in einem „ganz anderen Licht”.

Der Sozialdemokrat erinnert daran, dass man in Monschau aus Kostengründen auf einen Schülerspezialverkehr verzichte und die Schüler im Linienverkehr transportiere. Allerdings müsse dieser Linienverkehr dann auch sicher sein. Allem Anschein nach gebe es aber „Lücken im Sicherheitshandeln” . Unglücke seien nicht völlig auszuschließen, aber bei der Schülerbeförderung „häufen sich die Vorfälle”, Verlust eines Hinterrades im vergangenen Jahr, jetzt der Busbrand, und „immer bei Subunternehmen, die im Auftrag des RVE” führen.

In den Stundenplan aufnehmen

Gregor Mathar stellt weiterhin die Frage, ob es sich hierbei um einen Qualitätsverlust bei Personal und Material zu Gunsten der Preisgestaltung handele, und fährt fort: „Jetzt scheint es ja geradezu angesagt zu sein, Busevakuierungen in den Stundenplan mit aufzunehmen und diese eingehend mit den Schülerinnen und Schülern zu üben.”

Bis Montagabend ist es uns nicht gelungen, den Chef des Gemünder Busunternehmens zu den Vorwürfen gegen den Busfahrer zu Wort kommen zu lassen. Eine Rückrufbitte wurde ebenfalls nicht erfüllt.
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