Schmidt - Bussard vertreibt Joggerin aus seinem Revier

Bussard vertreibt Joggerin aus seinem Revier

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Ein solcher Mäusebussard hat einer Schmidter Joggerin einen ordentlichen Schrecken eingejagt. Hermann Carl hat in seiner „Rollenden Waldschule” ein besonders schönes Exemplar. Foto: S.M. Berners

Schmidt. Eigentlich wollte die Joggerin aus Schmidt nur ihre Runde am Rossberg laufen. „Plötzlich bekam ich einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf”, erzählt sie später. Als sie sich umdrehte, zog der braun-weiß gefiederte Raubvogel schon wieder in der Höhe seine Kreise.

„Ich bin getaumelt”, beschreibt sie. „Mein Kopf hat geblutet. Ich dachte nur, hoffentlich kommt der nicht wieder.” Kam er nicht.

„Das war bestimmt ein Mäusebussard”, sagt Hermann Carl. Das vermutet der Betreuer der „Rollenden Waldschule” der Kreisjägerschaft nicht etwa, weil Mäusebussarde besonders aggressive Vögel wären, sondern ganz einfach, weil der in der Eifel am häufigsten vorkommt. Und weil deren Nester nicht ganz so versteckt liegen, wie beispielsweise die der Habichte.

Gefahr für Jungvögel

„Die Mäusebussarde brüten am Rand von Laub- oder Fichtenwäldern”, erklärt Karl Fischer, der Betreiber der Greifvogelstation in Hellenthal. An den angrenzenden freien Flächen könnten die Bussarde jagen und außerdem hätten sie dort ihre Feinde im Blick. Und zu denen gehören eben auch Jogger, wenn sie in das Revier der Vögel kommen und ihnen als Gefahr für die Jungvögel erscheinen. „Sie wollen die Menschen nur verscheuchen”, erklärt Fischer. Meistens handele es sich dabei um Scheinangriffe. Nur sehr selten berühre ein Vogel einen Menschen. Einen weiteren Angriff starteten die Vögel normalerweise nicht.

Vielleicht hat sich der Mäusebussard in Schmidt also nur verschätzt. „Die Krallen sind scharf und die Kopfhaut blutet direkt sehr stark”, erklärt Carl. Den Eindruck, dass sich solche vermeintlichen „Attacken” häufen, erklärt er folgendermaßen: „Es gab eine Zeit lang sehr wenige Raubvögel. Da passiert so etwas natürlich seltener.” Außerdem gab es früher weniger Jogger und vielleicht wurde einem Scheinangriff auch nicht so viel Bedeutung beigemessen. Aggressiver seien die Vögel jedenfalls nicht geworden.

Schützen können sich Jogger allerdings kaum. Die Vögel kommen, so hat es die Natur eingerichtet, lautlos und unbemerkt herangeflogen und sind ebenso schnell wieder weg. „Die Farbe des T-Shirts ist dabei übrigens nicht entscheidend, es kann höchstens sein, dass der Vogel auffällige Farben schneller wahrnimmt.” Das Shirt der Schmidter Joggerin war knallrot. Sie trabte nach Hause, die Wunde wurde im Krankenhaus gesäubert, genäht werden musste sie nicht.

Es sei sinnvoll, wenn betroffene Jogger für andere ein Schild aufsetzen würden. Dann könnten diese einen Umweg nehmen, rät der Experte aus Hellenthal. Einen Umweg wird auch die Schmidterin von nun an laufen. Strecken gibt es ja genug in der Eifel. „In vier Wochen passiert das nicht mehr”, beruhigt Hermann Carl die Jogger. Denn dann verlassen die jungen Vögel das Nest, und ihre Eltern müssen sie nicht mehr vor vermeintlichen Feinden beschützen.
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