Bushof Simmerath: Das größte Problem ist der Alkohol

Von: Andreas Gabbert
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Kein schöner Anblick: Die Wartehäuschen am Simmerather Bushof werden immer wieder beschädigt. Die Gemeinde Simmerath sucht jetzt nach einer besseren Lösung. Foto: Archiv/Stollenwerk
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Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns versucht in der Mainacht am Bushof mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen: Der Platz ist auch an „normalen“ Tagen ein beliebter Jugendtreffpunkt. Foto: Archiv/Schepp

Simmerath. Die Zustände am Bushof in Simmerath sind immer wieder Anlass für Ärger und Beschwerden. In der jüngsten Sitzung des Generationen-, Schul- und Sozialausschusses der Gemeinde Simmerath stand das Thema jetzt erneut auf der Tagesordnung. Im Rahmen der Haushaltsplanungen für das Jahr 2013 hatte die SPD beantragt, zumindest 20.000 Euro Planungskosten für die Umgestaltung des Bushofes in den Haushalt einzustellen.

CDU und FDP waren der Meinung, die Sache müsse anders angepackt werden und hatten darum gebeten, im Ausschuss über geeignete Maßnahmen zu diskutieren. Deshalb waren Angelika Franz, die bei der Städteregion für Jugendarbeit zuständig ist, der Streetworker Gerold Gröbel und der Polizeibeamte Hermann Carl eingeladen, um über ihre Tätigkeit am Bushof und über die Situation der Jugendlichen zu berichten.

Mit dem Bushof sei es wie mit allen inoffiziellen Treffpunkten von Jugendlichen, erklärte Gröbel. Man habe es dort mit „Wellenbewegungen“ zu tun, die Leute wechselten oft. Deshalb sei es schwierig, „die Richtigen zu bekommen“. Die Altersstruktur sei sehr unterschiedlich und spanne sich von 13 bis etwa 26 Jahre. Der Bushof werde meist nachmittags und am frühen Abend aufgesucht, am Wochenende und wenn das Jugendcafé geschlossen hat öfter. Der Bushof sei vor allem wegen seiner Funktion als Knotenpunkt beliebt. „Hier kann man immer Leute treffen.“ Einerseits wolle man gesehen werden, andererseits werde auch gern die Anonymität der schlecht einsehbaren Wartehäuschen genutzt.

Als Streetworker sei er mindestens zweimal die Woche vor Ort und versuche eine Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen und sie zu sensibilisieren. Unbelehrbare gäbe es aber immer wieder. Die Kooperation mit dem Jugendcafé funktioniere gut, so sei es gelungen einigen Jugendlichen eine Alternative zum Aufenthalt am Bushof zu bieten. Das größte Problem sei aber der Alkohol. Das sei schwer zu handhaben, er dürfe ja nicht mal nach dem Ausweis fragen.

Das stellte auch der Polizeibeamte Hermann Carl heraus. „Wir haben kein Jugend-, sondern ein Alkoholproblem am Bushof. Die Schwierigkeiten beginnen erst, wenn der Alkohol ins Spiel kommt“, sagte Carl und erinnerte daran, dass er bereits vor Jahren ein Alkoholverbot im Simmerather Ortskern angeregt hatte. „So ein Verbot würde eine große Wirkung haben. In vielen anderen Städten ist sowas möglich.“

Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns bestätigte, dass ein solches Verbot bereits 2010 thematisiert wurde. Für die Gemeinde gebe es aber dafür keine rechtliche Grundlage, das habe man bis hin zum Innenministerium abgeklärt. Grundsätzlich sei der Vorschlag aber überlegenswert, damit renne man offene Türen ein. „Nennen sie uns die Städte und wir fragen nach, wie die es gemacht haben. Wir wären dankbar“, sagte Hermanns.

Simmeraths Ortsvorsteher Stefan Haas nahm die Idee auf und schlug vor, statt einem Alkoholverbot ein Glasverbot auszusprechen. „Mir ist es lieber, wenn hier statt Scherben Dosen rumliegen, die dann wahrscheinlich am nächsten Tag wegen des Pfands auch noch aufgesammelt werden.“

Schlimm werde es, wenn sich unter den Jugendlichen eine Anführerfigur finden würde, erklärte Carl. „Die ziehen andere mit.“ Carl ging auch auf die Auszubildenden ein, die im BGZ untergebracht sind. Die Zusammenarbeit mit den Betreuern funktioniere sehr gut. „Wir brauchen nur Pieps zu sagen, dann sind die sofort da.“ Oft helfe auch schon die Drohung, im BGZ anzurufen. Das Problem sei, dass es eine ständige Fluktuation gebe und die Lehrgangsteilnehmer alle sechs Wochen wechseln und immer wieder neu sensibilisiert werden müssten.

Siegfried Peeters (SPD) stellte fest, es gelte, den Ursachen auf den Grund zu gehen und nicht die Symptome zu behandeln. Er regte einen runden Tisch an, „bei dem die Politik erstmal außen vor bleibt“. Stattdessen sollten externe Berater aus anderen Kommunen, Städteplaner, Polizei, Streetworker, Anwohner und vielleicht auch der Gewerbeverein teilnehmen. Außerdem schlug er vor, über „bewirtschaftete Wartehäuschen“ nachzudenken. Ein privates Unternehmen werde in einem solchen Fall Wartung und Unterhalt übernehmen und dürfte das Häuschen im Gegenzug als Werbefläche nutzen.

Ortsvorsteher Stefan Haas fand die vorgeschlagenen Patenschaften (siehe Box) für die Wartehäuschen „grundsätzlich nicht verkehrt“. Im nächsten Jahr solle man die Häuschen aber lieber abreißen und durch Glasbauten ersetzen, damit möglicher Vandalismus besser beobachtet werden kann.

Günter Scheidt (CDU) meinte, man dürfe Jugendlichen nicht alles verbieten. Grundsätzlich dürften Jugendliche einen Raum zum Treffen haben, man wolle aber Vandalismus und Belästigungen vermeiden. Im Falle der Wartehäuschen wäre etwas „Unkapputbares“, das auch noch von außen einsehbar ist, die ideale Lösung. Außerdem schlug er vor, dass sich auch der Generationenbeirat der Gemeinde mit dem Thema befassen solle.

Gisela Kampshoff-Enderle (Grüne) hielt die Idee von Patenschaften für die Häuschen für eine „gute und mutige Idee“. Vielleicht könne man in diesem Zusammenhang auch über einen Wettbewerb nachdenken oder Künstler dazu holen.

Bürgermeister Hermanns merkte an, er habe bereits erfragt, wie hoch die Kosten für neue Häuschen wären. Dann seien 10.000 Euro pro Exemplar fällig, insgesamt also 40.000 Euro. „Ich weiß aber nicht, ob die unkaputtbar sind“, sagte Hermanns.

In der nächsten Sitzung des Generationen-, Schul- und Sozialausschusses sollen nun die Weichen für die weitere Entwicklung gestellt werden.

Bis dahin soll es wieder einen runden Tisch geben, ein mögliches Glasverbot geprüft werden und das Thema im Generationebbeirat diskutiert werden. Außerdem soll dann entschieden werden, ob man sich dafür entscheidet, die Häuschen von einem Unternehmen bewirtschaften zu lassen, Patenschaften zu vergeben oder sie abzureißen und aus „unkaputtbaren“, durchsichtigem Material neu zu bauen.

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