Busfahren mit dem AVV: Cleverere Strecken, höhere Preise

Von: Udo Kals
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Aachen. Wenn beim Aachener Verkehrsverbund (AVV) von wandernden Kurzstrecken die Rede ist, dann können festes Schuhwerk und Spazierstock natürlich getrost im Schrank bleiben.

Denn es handelt es sich dabei um ein Tarifkonzept für den rollenden Verkehr, das einem simplen Grundmuster folgt: Der Kunde kann an jeder x-beliebigen Haltestelle in den Bus steigen und maximal vier Haltestellen mitfahren. Dies alles zu einem günstigen Preis, versteht sich. Schließlich sollen möglichst viele Verkehrsteilnehmer auf die rote Flotte umsteigen.

Für die komplette Städteregion

Dieses System wurde in den vergangenen Jahren immer mal wieder für die Stadt Aachen diskutiert und eigentlich auch für gut befunden. Allein aus Kostengründen kam es bisher nicht dazu. Nun könnten die auf das Busnetz begrenzten wandernden Kurzstrecken auf AVV-Wunsch schon bald eingeführt werden - und zwar auf Anregung der kaiserstädtischen schwarz-grünen Ratsmehrheit für die komplette Städteregion. Der AVV-Aufsichtsrat hat ein entsprechendes Konzept abgenickt, die AVV-Verbandsversammlung wird in ihrer heutigen Sitzung wohl grünes Licht dazu geben, das vorhandene Papier ausarbeiten zu lassen. Das Ziel: Im Frühjahr 2013 soll das Tarifsystem an den Start gehen und die bisherigen - von Kommune zu Kommune unterschiedlich großen, aber fest umrissenen - Kurzstreckenzonen ablösen, in denen verbilligte Tarife gelten.

Nicht abgeschafft, sondern in dieses Konzept eingebettet werden soll der in Aachen äußerst erfolgreiche City-XL-Tarif. Deutlich über 100 000 Einzeltickets gehen derzeit monatlich über den Tresen, sagt AVV-Sprecherin Birgit Krücken und spricht von einem Anstieg von 15 bis 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kein Wunder: Schließlich kann man für einen Euro im Gebiet der Aachener City - vom Hauptbahnhof bis zum Tivoli und vom Bahnhof Rothe Erde bis zum Westbahnhof - mit Bus und Bahn fahren.

Doch es ist zu befürchten, dass dieses Erfolgskonzept einen empfindlichen Knacks bekommen könnte. Der Grund: Wurde der XL-Tarif bei der jüngsten AVV-Preisrunde im Frühjahr noch verschont, soll das Ticket dem Wunsch des AVV nach schon bald deutlich teurer werden. Beschlossen sei zwar noch nichts, heißt es beim Verkehrsverbund. Doch nach „ersten Zielvorstellungen” des AVV soll der Preis zum Herbst 2011 für ein Einzelticket um 40 Cent auf 1,40 Euro steigen. Allein: Vorgeschlagen worden ist genau das allerdings seitens des AVV und der Aseag schon mehrfach. Die Preissteigerung ist bislang aber von Schwarz-Grün in Aachen stets abgeschmettert worden. Davon lässt sich der AVV nicht schrecken: Denn insgesamt soll sich die Preisspirale weiter nach oben drehen. Mittelfristig, so heißt es in der Vorlage für die Verbandsversammlung, soll der für einen größeren Bereich geltende City-Tarif auch teurer sein als die wandernden Kurzstrecken, die sich auf fünf Haltestellen beschränken.

Wie tief die Kunden künftig nun für die beiden Tickets in ihre Taschen greifen müssen, steht jetzt noch nicht fest. „Ob bei der tariflichen oder bei der inhaltlichen Ausgestaltung - es steht uns bei der Ausarbeitung des Konzepts noch viel Feinarbeit bevor”, meint Birgit Krücken. Doch eines stellt der Aachener Verkehrsverbund in der Vorlage bereits klar: Es sei „jetzt bereits darauf hingewiesen, dass für einen Teil der heutigen Nutzer des Kurzstrecken-Tarifs eine zum Teil deutliche Verteuerung der Fahrten durch das Angebot einer ,Wandernden Kurzstrecke eintreten wird”. Ein Beispiel: Der Kunde, der heute etwa sechs Haltestellen in einer Kurzstreckenzone fährt, muss bei deren Wegfall ab 2013 ein Ticket der regulären Preisstufe 1 lösen, da die Reichweite des neuen „Wander-Tarifs” nicht ausreicht. Nach heutigem Stand müsste er statt 1,60 Euro dann 2,40 Euro bezahlen.

Oberste Priorität soll bei der anzugehenden Tarifreform laut Vorlage indes „eine positive Wirtschaftlichkeit des Angebotes haben”. Will heißen: Nicht nur die rote Flotte soll rollen, sondern vor allem auch der Euro.
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