Burghof verschwindet aus Lammersdorfer Ortsbild

Von: ho
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Die letzte Runde für den Burghof: Die legendäre Gaststätte in Lammersdorf wird derzeit abgerissen. Auf dem Grundstück soll ein Mehrfamilienhaus errichtet werden. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Lammersdorf. Ein Stück Dorfgeschichte wird schon bald aus dem Lammersdorfer Ortsbild verschwunden sein. Der Burghof an der Bahnhofstraße, der über viele Jahrzehnte mit Saal und Gaststätte fester Bestandteil im Dorf der „Bessemsbenger“ war und in dem viele Festivitäten gefeiert wurden, wird nach mehrjährigem Leerstand abgerissen.

Auf dem über 2100 Quadratmeter großen Areal soll ein Mehrfamilienhaus errichtet werden. Paul Tings aus Rott sieht die Veränderung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Der vitale 77-Jährige hat zusammen mit seiner Ehefrau Alwine den Gastronomiebetrieb immerhin 35 Jahre geführt.

1973 hatte man den Burghof von der Stolberger Ketschenburg-Brauerei zunächst gepachtet und später dann das Objekt erworben. Im Rückblick betrachtet meint Paul Tings lächelnd, dass er sein halbes Leben in der Kneipe verbracht habe, wobei er nebenbei immer noch bei einer Firma gearbeitet habe.

Paul Tings war ohne Zweifel „Vollblut-Kneipier“. Mit leuchtenden Augen erzählt er von den verschiedensten Festivitäten im Burghof und weist daraufhin, dass seine Kegelbahn mit Sektbar nicht nur im Dorf einen nahezu legendären Ruf besaß.

Viele Ortsvereine fanden im Burghof ihr Domizil. Daneben gab es einen Jugendclub, der die ersten Beatbälle in der Eifel veranstaltete. Zudem wurde der Saal vom deutschen und niederländischen Militär sowie der belgischen Polizei für Übungen genutzt.

Kundenservice gehörte für Paul Tings auch zum Geschäft: „Ich weiß nicht, wie oft ich Gäste zu später Stunde noch nach Hause gefahren habe.“ Im Burghof hatten zu seinen Glanzzeiten unter anderem ein Dart- und der Motorrad-Club „LaMot“ (Lammersdorfer Motorradclub) ihr Vereinslokal.

„Das Preisskat-Turnier im Burghof war das höchst dotierte in der Region“, erzählt Paul Tings. Über viele Jahre hinweg war der Saal des Burghofs auch die Heimat der Lammersdorfer Karnevalsfreunde. Als sich die Karnevalisten ab 1998 entschlossen, ihre Veranstaltungen in ein großes Festzelt auf den Dorfplatz zu verlegen, war das auch für den Burghof ein finanzieller Einschnitt.

Im Sommer 2007 gab es dann einen schweren Schicksalsschlag für Paul Tings. Nachdem seine Ehefrau durch einen Schlaganfall zum Pflegefall wurde, schloss der Burghof Ende 2008 endgültig seine Pforten. In den folgenden Jahren bis zum jetzigen Verkauf hat Tings noch viel Arbeit und auch Geld in den Burghof gesteckt. „Die Kosten liefen ja weiter an.“

Zwischendurch lebte die Lokalität dann immer wieder kurz bei Abifeten auf, die aber auch teilweise mit viel Ärger für Tings verbunden waren.

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