Büttenredner: Das Salz in der Suppe bei jeder Sitzung

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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Drei Mal in die „Eifel-Bütt“ (von li.): Christoph Nellessen der Eefelbuer vom Rursee, der „Räuber“ Gottfried Schütt aus Einruhr und Christian Haas, „Ne janz normale Jeck“, aus Simmerath begeistern als Büttenredner seit Jahren mit ihren Vorträgen, die mit viel Lokalkolorit angereichert sind. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Simmerath. Sie sind das Salz in der Suppe jeder Karnevalssitzung, aber sie sind rar geworden. Gemeint sind Büttenredner aus der Region, die statt abgegriffener Witze Lokalkolorit auf die Bühne bringen und die im Gegensatz zu den bekannten Größen aus dem Kölner Karneval auch noch bezahlbar sind.

Drei von ihnen, denen die Gabe des guten Büttenredners offensichtlich bereits in die Wiege gelegt wurde, sind auch in dieser Session wieder im Eifeler Karneval unterwegs: Gottfried Schütt, Christoph Nellessen und Christian Haas absolvieren in diesen Wochen ein strammes Programm.

Gottfried Schütt aus dem „Ungerdorps“ (Unterdorf) von Einruhr ist dabei mit 62 Jahren der Senior in diesem karnevalistischen Rhetoriker-Trio. Man sollte nie den Fehler machen, ihn zu unterschätzen. Als er in der Session 2008/2009 Prinz der Ruuscher Breybrobbele war, sperrte er beim Prinzenfrühstück den kompletten Elferrat in einen Hundezwinger.

Auch in der Bütt hat „Gotti“ Schütt es faustdick hinter den Ohren. Da können von der Bühne aus nicht nur deutliche Worte in Richtung seines Publikums fliegen, sondern dem Vernehmen nach soll auch schon einmal ein mitgeführter Koffer in Richtung Elferrat geflogen sein. Zu den Personen aus dem Dörp, die er auf´s Korn genommen hat, will der ehemalige Baggerführer aber festgehalten wissen: „Natürlich habe ich da eine gewisse Narrenfreiheit, aber das geht nie unter die Gürtellinie“.

Zu seinen Geschichten und Anekdötchen aus dem Dorfleben macht er sich das ganze Jahr über Notizen, die dann in der Bütt in Reimform vorgetragen werden. „Beim Schreiben hilft mir Markus Kleinhuber“, erklärt Schütt, der 1987 Mitbegründer der KG am Obersee war.

Bei seinen Auftritten schlüpft er immer in andere Kostüme und räumt ein: „Lampenfieber habe ich auch heute noch vor meinen Auftritten“. Gerne erinnert er sich im Übrigen noch daran, als er bei einer Sitzung im Eifelhaus den Text seiner Zugabe zu Hause hatte liegen lassen. Während ein Bekannter dorthin eilte, habe er in der Zwischenzeit mit dem Publikum zusammen „Ich ben ene Räuber“ gesungen. „Seit diesem Zeitpunkt wird das Lied bei meinem Einzug gespielt“, erklärt Gottfried Schütt schmunzelnd.

Und noch etwas Schönes hat der Karneval dem Büttenredner gebracht. Als er 2008 mit Prinzessin Kerstin Hennig die Einruhrer Narren regierte, schlug Amors Pfeil bei dem „ewigen Junggesellen“ ein. Der Räuber aus Einruhr dazu strahlend: „Da habe ich meine Prinzessin geheiratet“.

Nicht als Räuber, sondern als Eifeler Landwirt betritt Christoph Nellessen aus Rurberg seit über zwei Jahrzehnten die Karnevalsbühnen. Der Vizepräsident der Rurberg/Woffelsbacher Kiescheflitscher, der im wirklichen Leben Leiter des Simmerather Bauhofes ist, schlurft zur Begeisterung des Publikums in Richtung Bütt, um dann in seiner unnachahmlichen Art als „Eefelbuer“ vom Leder zu ziehen. Der Rolle des teils miesgrämigen „Eifeler Bachelor of Agronomie“ ist Nellessen dabei fast immer treu geblieben. Mit Gummistiefeln, Latzhose, Arbeitshemd, einer plüschbesetzten Kopfbedeckung und einem hölzernen Heurechen hat er im Laufe der Jahre ein Markenzeichen geschaffen. Der Mann hat zudem karnevalistische Wurzeln.

Schon sein Vater als Gründungsmitglied der Kiescheflitscher, war im Rurberger Karneval eine feste Größe. Im zarten Alter von 12 Jahren ging dann auch „Klein-Christoph“ auf einer Kindersitzung erstmals in die Bütt. „Ende der 1980er-Jahre habe ich dann mit Adi Braun als Rursee-Duett auf der Bühne gestanden“, erinnert sich Nellessen und ergänzt: „Mit Adi moderiere ich auch zusammen den Simmerather Tulpensonntagszug“. Zwischendurch hat er seinem Eefelbuer auch mal eine Auszeit gegönnt.

„Da bin ich in die Rolle einer Eifelbäuerin geschlüpft“, erklärt er dazu. Zur Frage, wann er mit dem Schreiben für seine Büttenreden beginnt, meint er: „Ungefähr drei Wochen vor einer Session mache ich mir dazu konstruktive Gedanken. Und ansonsten wird das ganze Jahr über immer wieder mal etwas festgehalten“.

Zum Schluss lüftet Christoph Nellessen dann noch das Geheimnis eines guten Büttenredners: „Das kannst Du nicht lernen. So etwas bekommt man in die Wiege gelegt“.

Erfolgreicher Späteinsteiger

Auch wenn er unter der Bezeichnung „Ne janz normale Jeck“ in die Bütt steigt, ist das bei Christian Haas (50) aus Simmerath ohne Zweifel eine starke Untertreibung. Der im normalen Leben bei der Post im Kunden-Center Frechen (Briefbereich) als Servicemanager tätige Ur-Simmerather, der auch noch Präfekt der Kevelaer-Bruderschaft ist, liebt nicht nur Karneval, er lebt ihn auch. „Ich bin ein Späteinsteiger“, bekennt er. Seit 18 Jahren tritt er im Karneval in Simmerath und Umgebung auf.

Premiere war 1997 auf dem Kameradschaftsabend der Freiwilligen Feuerwehr. Danach ging es dann Schlag auf Schlag. „Mehr als 100 Orden und sonstige Andenken an meine Auftritte zieren inzwischen meinen Hobbyraum“, erklärt er. Darunter auch als Glanzstück der Kraremann-Orden, mit dem er 2009 von der KG Sonnenfunken ausgezeichnet wurde.

Daneben tritt er auch bei privaten Anlässen auf, und der alljährlich lustige Abend in der Seniorenresidenz ist für ihn ebenso wichtig. Zu seinen Büttenreden erklärt er: „Mitte August sind die in Kladde fertig“. An den Feinschliff geht es dann im Dezember.

Auch bei Christian Haas liegt der Karnevalsvirus in der Familie. Vater Erich war in der Session 1951/1952 Prinz in Simmerath. Wenn Christian Haas auf Sitzungen in die Bütt steigt, ist die „fürstliche Entlohnung“ im übrigen schon im Vorfeld geregelt. Ein Orden und ein Bier schlagen für den jeweiligen Verein auf der Verlustseite für wenigstens 20 Minuten beste Unterhaltung zu Buche. Da kann man schon mal den Hut ziehen und kräftig „Alaaf“ rufen.

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