Bürgermeister Manfred Eis: Nach fast zwei Jahrzehnten ist Schluss

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Das Roetgener Rathaus war fast zwei Jahrzehnte der Arbeitsplatz von Manfred Eis: Am Dienstag ist sein letzter Arbeitstag als Bürgermeister und Chef der Gemeindeverwaltung. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Am Dienstag ist Feierabend für Manfred Eis. Der 20. Oktober 2015 ist der letzte Arbeitstag für den Roetgener Bürgermeister. Ab Mittwoch, wenn sein Nachfolger im Rahmen der Gemeinderatssitzung in sein Amt eingeführt wird, ist Eis Pensionär.

Der 67-jährige, der seit 1966 in Rott wohnt, wird nach 19-jähriger Tätigkeit als Chef der Verwaltung (davon drei Jahre als Gemeindedirektor und 16 Jahre als hauptamtlicher Bürgermeister) das Rathaus verlassen. Manfred Eis wird auch nicht durch die Hintertür wieder zurückkehren. „Ausgeschlossen“ ist es für ihn, als Ruheständler weiterhin aktiv in der Kommunalpolitik mitzuwirken.

Manfred Eis war stets ein politischer Bürgermeister. Er scheute sich auch nicht, vom Gebot der Neutralität im Amt Abstand zu nehmen, wenn er davon überzeugt war, dass es dem Gemeinwohl dient.

1965 stieg Manfred Eis bei der Stadt Herzogenrath in die Verwaltung ein und startete eine klassische Berufsbildung mit einer damals noch siebenjährigen Vorbereitungs- und Ausbildungszeit für den gehobenen Dienst. Als Stadtinspektor wählte er die „Ochsentour“ bis zum Oberwaltungsrat und wurde schließlich stellvertretender Stadtkämmerer. Zu dieser Zeit hatte Manfred Eis bereits seine Fühler nach Roetgen ausgestreckt. Er saß für die SPD als „Feierabendpolitiker“ im Roetgener Gemeinderat, war fünf Jahre Fraktionsvorsitzender, ehe er dann 1996 zum Gemeindedirektor als Nachfolger von Ludwig Rosenbaum gewählt wurde.

Als Lebenszeitbeamter mit einem sicheren Berufs-Status ging er damit wohl wissend ein Risiko ein, denn bisher war die Gemeinde Roetgen immer nur von CDU-Chefs in der Verwaltung geführt worden. Rückblickend spricht er von einer „guten Entscheidung“.Zum Ende der Amtszeit von Manfred Eis sprach unserem Redakteur Peter Stollenwerk mit dem langjährigen Bürgermeister der Gemeinde Roetgen.

Herr Eis, war es eigentlich ihr Traumberuf, über eine Dauer von fast zwei Jahrzehnten Gemeindedirektor und Bürgermeister in Roetgen zu sein?

Manfred Eis: Beim beruflichen Einstieg 1965 war der öffentliche Dienst nicht mein Traumberuf, es ergab sich einfach. Durch den Laufbahnwechsel zum Wahlbeamten und damit verbundener Übernahme der Gesamtverantwortung, aber auch von den Gestaltungsmöglichkeiten für die Heimatgemeinde her, hat sich das Verständnis für den Beruf verändert, so dass ich heute sagen kann: Ja, du hast den richtigen Weg gewählt.

Sie haben mit vielen wechselnden Personen und politischen Mehrheiten im Roetgener Gemeinderat zusammengearbeitet. Hat Sie das nicht manchmal zur Verzweiflung gebracht?

Manfred Eis: Verzweifelt bin ich nie, wenn ich auch manchmal nah dran war. Oftmals habe ich mir die Frage gestellt, weshalb politische Entscheidungen in Roetgen so lange dauern, wenn gleiche Sachverhalte in anderen Kommunen schneller abgearbeitet werden.

Aktuell sind im Gemeinderat Roetgen sechs Fraktionen und ein Einzelbewerber vertreten. Ist bei dieser bunten Mischung eine konstruktive Kommunalpolitik noch machbar oder sind klare Mehrheiten die bessere Lösung für den Bürger?

Manfred Eis: Meinem Nachfolger muss bewusst sein, dass er keine politische Hausmacht im Rücken hat. Aus Sicht des Verwaltungschefs sind klare Mehrheitsverhältnisse für die Entscheidungsfindung günstiger, weil die Entscheidungen besser planbar und mit weniger Folgeaufwand verbunden sind. Sie sind auch oft kostengünstiger und schneller zu erreichen. Andererseits wird bei dieser Zusammensetzung des Gemeinderates der Demokratie die größtmögliche Entfaltung geboten.

Im Gegensatz dazu hatten sie bei den drei Wahlen zum Bürgermeister jeweils klare bis überragende Ergebnisse. Wie erklären Sie sich diese hohe Zustimmung?

Manfred Eis: Die Wählerzustimmung, sich für meine Person zu entscheiden, glaube ich in mehreren Aspekten zu erkennen: In der Gemeinde bin ich zu Hause, die berufliche Ausbildung und Prägung als klassischer Verwaltungsmann, die sachorientierte Arbeit, dabei immer ein offenes Ohr für die Bürger zu haben, die mit Augenmaß betriebene Haushaltspolitik, und der verantwortungsbewusste Umgang mit Steuergeld.

Die Volksvertretung in Roetgen gilt im Vergleich zu den Nachbarkommunen als sehr diskussionsfreudig. Gibt es dafür eine Erklärung?

Manfred Eis: In der politischen Diskussionsfreudigkeit wird eine strukturelle Veränderung in der Bevölkerung deutlich. Aufgrund des regen Zuzugs, welcher sich in der Zusammensetzung der politischen Gremien zeigt, kommen zwangsläufig andere, neue Gedanken in die Diskussion.

Wie sehen sie die Rolle der Gemeinde Roetgen im Verbund mit den beiden anderen Südkreiskommunen Monschau und Simmerath? Fühlen sich Roetgener mehr als Eifeler oder ist die Tendenz in Richtung Aachen doch ausgeprägter?

Manfred Eis: Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Viele Bürger schätzen die Gemeinde als Wohnort mit allen naturnahen Annehmlichkeiten, erledigen auch eine ganze Reihe von Alltagseinkäufen in den Südkreiskommunen. Gleichwohl sind viele Einwohner zum Oberzentrum orientiert. Deutlich wird es, wenn man die weiterführenden Schulen betrachtet. Der größte Teil der Roetgener Kinder und Jugendlichen besucht ab der 5. Klasse Schulen in Aachen.

Um manche Entscheidungen in Roetgen wurde hart gerungen. Was war in ihrer Amtszeit die schwierigste Entscheidung?

Manfred Eis: Das war die Umsetzung des Schulbaubeschlusses durch die Aufnahme von Krediten nach rund zehn schuldenfreien Jahren. Die Steuererhöhungen als Konsequenz habe ich sofort vorhergesagt. Mit gesundem Menschenverstand hätte diese Entwicklung eigentlich jeder politisch Verantwortliche erkennen müssen. Aber was heißt schon eigentlich...

Sie haben sich als Bürgermeister nie gescheut, politisch Position zu beziehen. Bei ihrem letzten Neujahrsempfang Anfang 2015 haben Sie die ihrer Meinung nach überzogene Mammutinvestition für die neue Schule noch einmal angesprochen und sich dafür scharfe Kritik eingehandelt. Wann darf man eigentlich als Bürgermeister die neutrale Ecke verlassen?

Manfred Eis: Ich meine, dass ein Bürgermeister nicht nur politische Positionen beziehen darf, sondern, wenn es um elementare, das Wohl der Gemeinde möglicherweise beeinträchtigende Entscheidungen geht, er dies sogar muss. Es ist seine Pflicht, ansonsten hat er den falschen Beruf gewählt. In diesem Amt kann man nicht immer Everybody's Darling sein.

Stünde die Gemeinde Roetgen ohne die Schulinvestition heute finanziell und strukturell anders da?

Manfred Eis: Ich bin überzeugt, dass die Gemeinde heute ohne die Schuldenbelastung aus dieser Maßnahme um rund 400.000 Euro Zinsen und Tilgung, die fast ausschließlich dort zuzuordnen sind, besser dastehen würde.

Wo sehen Sie die Gemeinde Roetgen in 20 Jahren? Ist die Kommune dann noch eigenständig?

Manfred Eis: Um diese Frage beantworten zu können, müsste ich Prophet sein. Es gibt zwar immer wieder Gedankenspiele, Roetgen mit Monschau und Simmerath zusammenzufassen, doch halte ich dies in den nächsten 20 Jahren zwar grundsätzlich für möglich, aber eher für unrealistisch, weil die jeweiligen gemeindlichen Strukturen doch unterschiedlich sind. Das wäre schwierig. Die kommunale Neugliederung von 1972 ist ja zum Teil bis heute mental noch nicht überwunden.

Bleiben Sie als Ruheständler der Politik verbunden?

Manfred Eis: Sicher werde ich das politische Geschehen in Roetgen weiter beobachten, allerdings versuche ich das dann emotionslos zu tun und ohne verbale Einwirkungen oder Eingriffe.

Sind Sie zufrieden mit der Wahl von Jorma Klauss, ihrem Nachfolger?

Manfred Eis: Ich bin froh, dass mein Nachfolger Ahnung vom Verwaltungsgeschäft hat und weiß, wie eine Verwaltung funktioniert. Mit gesundem Menschenverstand und Einfühlungsvermögen wird er seine Aufgabe angehen. Angesichts der aktuellen Zusammensetzung des Rates sollten sich in Roetgen ein paar kluge Köpfe zusammensetzen, damit es zu einer verlässlichen politischen Arbeit kommt. Darauf hat auch der Bürger ein Recht.

Haben Sie schon Pläne gefasst, wie Sie nun ihre reichlich vorhandene Freizeit nutzen?

Manfred Eis: Es wird sich zeigen, ob die Zeit dann so reichlich sein wird. Aufgaben gibt es genug. Vieles, was in den letzten Jahren liegenblieb, muss nachgeholt werden. Klar, die Freizeit, so ist es geplant, wird dann oft mit dem Wohnwagen genutzt.

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