Bürger haben den Kampf gegen die Aldi-Ansiedlung noch nicht aufgegeben

Von: Ernst Schneiders
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Derzeit scheint die Perspektive trübe wie das Wetter: Bei einer Aldi-Ansiedlung fällt der Blick vom Balkon künftig nicht mehr auf eine Wiese, sondern auf die eingehauste Laderampe des Discount-Marktes. Doch Waltraud und Lutz Heisterbaum geben noch längst nicht auf. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. Es sind offenbar noch einige Überraschungen in der Tüte. Lutz Heisterbaum, Kopf des Bürgerprotestes gegen die Aldi-Ansiedlung an der unteren Bundesstraße in Roetgen, lässt nicht locker und will „alle Möglichkeiten ausschöpfen”, um das Projekt direkt neben seiner Gartenhecke doch noch zu kippen.

Im Augenblick sieht es eher nicht nach einem Erfolg für die betroffenen Anwohner im Quartier rund um die Offermannstraße aus, denn das Vorhaben findet weiterhin eine politische Mehrheit im Gemeinderat und die Verwaltung hat sich bislang verfahrenstechnisch noch keine Blöße gegeben.

Das entmutigt Lutz Heisterbaum keineswegs. Sollte ein von ihm in Auftrag gegebenes Gegengutachten auch nur in Teilen so ausfallen, wie er es sich erhofft, dann, so Heisterbaum, werde es im Rathaus noch „große Augen” geben. Denn allein das Verkehrsgutachten der Gemeinde basiere auf „völlig falschen Parametern” und sei „nicht schlüssig”. Heisterbaum: „Um das festzustellen, muss man kein Fachmann sein.”

„Sehen, was die Roetgener wollen”

„Große Augen” soll es auch geben, wenn die Bürgerinitiative rechtzeitig vor der nächsten Ratssitzung bei Bürgermeister Manfred Eis aufkreuzt und ihm die Fragebögen und die Auswertung einer Bürgerbefragung in die Hand drückt. Zahlen nennen wollte Lutz Heisterbaum vorab nicht, nur so viel: „Dann wird man sehen, was viele Roetgener Bürger wirklich wollen.” Und dann müsse sich vor allem auch die UWG die Frage gefallen lassen, ob sie ihrem Anspruch, Politik für die Bürger zu machen, genüge.

Ein Ergebnis der Befragung, die oftmals mit einem ausgiebigen Informationsbedürfnis einhergegangen sei: Viele Roetgener Bürger könnten die politischen Vorgänge im Rathaus absolut nicht mehr nachvollziehen. Die Ursache sehen Lutz Heisterbaum und seine Ehefrau Waltraud in der „Überforderung der Politiker”. Die bekämen wenige Tage vor einer Sitzung des Bauausschusses eine 350 Seiten starke Vorlage mit zum Teil hochkompliziertem Inhalt. „Kein Mensch kann sich in der Kürze in diese Materie hineinarbeiten. Das werfen wir niemandem vor. Die arbeiten doch alle.”


Nach der Devise „Augen zu und durch” hätten dort einige Leute einen „tollen Nebenkriegsschauplatz für die Schulerweiterung” gefunden. Heisterbaum: „Es geht hier nicht um Roetgen und seine Bürger. Es geht hier um die Ausübung politischer Macht.”

Seit etwa dreieinhalb Jahren beschäftigten sich die Heisterbaums und andere bei weitem nicht freiwillig mit diesem Thema und fassen sich zunehmend an den Kopf.

Im November 2008 sei der von der Gemeinde beauftragte Gutachter Rainer Schmidt-Illguth zu dem Ergebnis gekommen, dass sich das Terrain an der unteren Bundesstraße nicht für großflächigen Einzelhandel eigne. Dieses Gutachten werde allerdings im Rathaus konsequent ignoriert.

Auch geht es Lutz Heisterbaum und seinen Mitstreitern nicht in den Kopf, dass es in der „flächenmäßig größten Gemeinde in NRW” nicht möglich sei, ein Gebiet auszuweisen, in welchem alle Einkaufsmärkte gebündelt untergebracht werden könnten. Dabei will er nicht den Eindruck entstehen lassen, nach dem St. Florians-Prinzip zu handeln. Heisterbaum: „Überall anders gibt es auch betroffene Anwohner. Ich würde zu den ersten gehören, die deren Anliegen mit unterstützen.”

Eine Art Altersversorgung

Es gehe bei dem Protest nicht nur um Belastungen und Optik, es gehe auch um existenzielle Dinge. Das schmucke Haus an der Hofstraße, „für das wir viel gearbeitet und lange gespart haben”, ist für Waltraud und Lutz Heisterbaum eine Art Altersversorgung. Wird der Aldi an dieser Stelle gebaut, dann sinkt der Wert der Immobilie um 30 Prozent plus X, hat Heisterbaum ermittelt, wobei X sich an der dann neuen Optik orientiert.

In der Nachbarschaft seien einige Leute geradezu verzweifelt, weil nach einer Aldi-Ansiedlung der Wert des Hauses geringer sei als das noch abzuzahlende Darlehen. Heisterbaum: „Sollte Aldi sich auf den Standpunkt stellen, entweder Bundesstraße oder gar nicht in Roetgen, dann eben gar nicht in Roetgen!”
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