Bruckner-Messe: Ein besonderer Akzent im Gottesdienst

Von: js
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Ökumenisches Erlebnis: Der evangelische Kirchenchor aus Monschau trug in Roetgen im Sonntagsgottesdienst eine katholische Messvertonung von Anton Bruckner vor. Foto: Josef Schreier

Roetgen. Es war ein wirklich besonderer Akzent, dass in der Roetgener Evangelischen Kirche im Sonntagsgottesdienst eine katholische Messvertonung aufgeführt wurde. Die Messe in C-Dur des damals achtzehnjährigen Anton Bruckner (aus dem Jahre 1842) hatte sich der Monschauer evangelische Kirchenchor unter der Leitung von Ingeborg Gäb vorgenommen. Er hatte sich dazu Verstärkung geladen - auch ökumenische, wie Pfarrer Bentzin hervorhob.

Ferner gab es Unterstützung durch Birgit Röseler (im Monschauer Land wohlbekannt) an der Orgel, sowie durch Silke Kjer und Simone Gäb. Die beiden jungen Frauen spielten – sicher auch ungewöhnlich – die beiden Hörner, die Bruckner bei diesem seinem Frühwerk vorgesehen hat.

Interessant, dass dieses Jugendwerk (das noch wenig von den späteren großen Messen und der Symphonik des Meisters spüren lässt) gerade unlängst von Friedhelm Schütz in einer anderen Besetzung in Rott aufgeführt worden war.

Diese verschiedenen Fassungen weisen schon darauf hin, dass der Brucknersche Originaltext für die reale Verwendung der Chöre seither in vielfacher Weise bearbeitet wurde. Die Fassung, die in Roetgen zu hören war, war diejenige, die der Salzburger Domkapellmeister Joseph Messner (selber als Komponist bekannt) in den 1920er Jahren erstellt hatte.

Innerhalb eines evangelischen (Wort-)Gottesdienstes können die einzelnen Teile des Messordinariums stellenweise freilich nicht die originale Funktion haben. Auch mögen die lateinischen Texte manchmal ein wenig wie Fremdkörper gewirkt haben. Aber solche Bedenken wurden von dem ökumenischen Erlebnis dominiert, dass es eben doch viel mehr an Gemeinsamkeiten zwischen den Konfessionen gibt, als es auf Grund der äußeren Trennung scheint.

Die Aufführung dieser kleinen Bruckner-Messner’sche Festmesse mag vor allem diese Gemeinsamkeiten gefeiert haben. Trotz gewisser Schwierigkeiten gab es einen festen Zusammenhalt zwischen Chor, Bläsersolisten und Orgel. Vor allem die beiden Hörner riefen einen Effekt der Stabilität und Sicherheit hervor, das von den Glaubenstexten der Messe selbst in anderer Weise ausgedrückt wurde. Vielleicht war es auch nicht ganz gelungen, die Gäste im Chor in der kurzen Zeit hinreichend zu integrieren. Trotzdem spürte man das ebenso musikalische wie spirituelle Engagement aller Beteiligten jederzeit.

Der Dirigentin des Monschauer Kirchenchores, Ingeborg Gäb, ist Anerkennung auszusprechen für ihren Einsatz, im kleinen Rahmen Großes zu vollbringen.

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