Brauchtumspflege gerät in Bedrängnis

Von: Karl-Heinz Hoffmann und Anneliese Lauscher
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Still ruht die Musik? Der (Musik-) Spaß in Saal und Zelt wird künftig für die Karnevalsvereine teurer. Im nächsten Jahr schlagen die neuen Gema-Gebühren bei den Vereinen mächtig ins Kontor. Foto: Hoffmann

Nordeifel. Noch bevor sie in Kraft getreten ist, schlägt sie auch bei den Vereinen in der Region hohe Wellen. „Die Erhöhung der Gema-Gebühren ist für alle, die sich im Ehrenamt engagieren und das Brauchtum pflegen, ein Schlag ins Gesicht“, spricht Jochen David, Vorsitzender der Höfener „KG Biebesse“, stellvertretend für viele Klartext.

Rolf Schneider, Vorsitzender der „Kester Lehmschwalbe“ bringt seinen angestauten Ärger mit sarkastischem Unterton zum Ausdruck: „Wenn es das Ziel der Gema ist, die kleinen Vereine kaputt zu machen, dann kann man nur herzlich gratulieren – ihr seid auf dem richtigen Weg“.

Karnevals- und auch Schützenvereinen stehen offensichtlich mit der neuen Gebührenstruktur der Gema im nächsten Jahr schwere Zeiten bevor, auch wenn die für April 2013 geplante Reform jetzt zunächst einmal auf Juni 2013 verschoben wurde.

Großer Beliebtheit hat sich die Gema noch nie erfreut. Wenn im Schützen- oder Karnevalsfestzelt ein Gast mit Aktentasche und Zollstock erschien, sackte schon bisher die Stimmung bei den Vereinsvertretern angesichts des Gema-Mannes meist auf den Nullpunkt.

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) schützt in Deutschland das Urheberrecht von Komponisten, Textdichtern, Verlegern und Musikwerken. Für jedes Lied, das in einem Saal oder Zelt gespielt wird, muss eine Gebühr an die Gema gezahlt werden, die das Geld dann an den Komponisten oder Interpreten weiterleitet.

Torsten Gerhards, Vorsitzender der Simmerather KG Sonnenfunken konkretisiert: „Ich schätze bei einer normalen Veranstaltung, wo wir bisher so um die 500 Euro bezahlen mussten, werden wir in der nächsten Session bei 1200 Euro liegen.“ Gerhards ärgert zudem, dass man für die Darbietungen der Jugendtanzgarde zur Kasse gebeten wird und beziffert diese Ausgaben genau wie Klemens Janßen von den Kiescheflitschern aus Rurberg-Woffelsbach auf 229 Euro.

Maßgeblich für die Gema-Gebühren sind die Größe der Veranstaltungsstätte und der Eintrittspreis. Für einen Saal von 500 Quadratmetern und einem Eintrittspreis von 3 Euro, wären 150 Euro Gema-Gebühren fällig. Für jeden Euro, den die Eintrittskarte teurer ist, was der Realität wohl eher entspricht, nimmt die Gema 50 Euro mehr.

„Wir wissen nicht, wie wir das kompensieren können“, erklärt Frank Kühnel, Geschäftsführer der KG Roetgen, hierzu und fährt fort: „Wir fahren jetzt schon am Limit und über eine Anpassung der Eintrittspreise kann dieser Kostenpunkt nicht gedeckt werden“.

Auch die Rollesbroicher Klev Botze sind betroffen, die laut Schatzmeister Toni Heck bisher für ihre Proklamation rund 240 Euro bezahlen mussten und ab der nächsten Session mit einer Mehrbelastung von 83 Euro rechnen müssen.

Dabei ist die Belastung für die Vereine in den letzten Jahren ohnehin massiv gestiegen. Neben einem komplizierten Vereinsrecht sind die Auflagen und Vorschriften immer umfangreicher geworden. Gespräche mit Ordnungsämtern, die Einhaltung der verschärften Sicherheitsvorschriften, die TÜV-Abnahme von Zugwagen und die Verpflichtung von Security-Kräften seien hier nur als Beispiel für den Freizeitjob der Ehrenamtler im Rahmen der Brauchtumspflege genannt. Kein Wunder also, dass die Karnevalsvereine im Hinblick auf die neuen Gema-Gebühren sorgenvoll ins nächste Jahr blicken.

Thomas Kuck ist Kassierer der Ortsbauernschaft Mützenich, die alljährlich das größte Fest im Dorf organisiert, das Erntedankfest. Er berichtet: „Wir müssen 1600 Euro bezahlen, nur damit wir Musik spielen dürfen. Ich bin für die Wahrung der Urheberrechte, aber nicht dafür, dass Dorffeste darunter leiden. Falls die GEMA die Gebühren noch erhöht, wird es für uns schwierig.“

Aus Schmidt ist von den „Zylindermänn“, die die Harscheidter Kirmes organisieren, zu hören: „Die GEMA scheint ihre Kundschafter zu haben, unser Plakat wurde fotografiert, dann tauchte jemand auf, der das Zelt vermaß. Wir erheben nur sechs Euro Eintritt, arbeiten alle tagelang ehrenamtlich. Mit einer Erhöhung der Gebühren würde unsere Veranstaltung kaputt gemacht.“ Und Helmut Bergsch, einer der Organisatoren ist der Meinung: „Unsere Superstars schwimmen im Geld, und kleine Vereine mühen sich ab, ohne Miese aus der Veranstaltung raus zu kommen.“

Albertine Wirtz, die Vorsitzende des Ortskartells Schmidt, berichtet vom letzten Erntedankfest: „Wir sammeln Kuchenspenden bei Frauen und Bäckern, um zum Abschluss auf dem Dorfplatz eine Cafeteria anbieten zu können. Und der Erlös aus der Cafeteria geht an die Gema!“

Und Uschi Burmann die, die Kasse der KG Grieläächer führt: „Wir haben einen Gardevertrag, unabhängig von Sitzungen müssen wir auch zahlen, weil die Garden mit Musik trainieren.“ Auch beim TuS Schmidt kassiert die GEMA in nicht unerheblichem Maße: Selbst beim Oldieball, einer relativ kleinen Veranstaltung, die nur 5 Euro Eintritt kostete, waren ca. 200 Euro fällig. Und bei der Beach-Party langt die Gema kräftig zu, da nahm sie 1400 Euro.

Über das „Tarifgefüge“ der Gema gibt Sprecherin Ursula Goebel Auskunft und gibt zu: „Für Veranstaltungen mit Live-Musik oder Tonträgern existiert derzeit eine sehr komplexe, ausdifferenzierte und ungerechte Tarifstruktur“. Daher bedeute die neue Regelung auch eine Vereinfachung, und für etliche Vereine werde es künftig billiger. Viele Veranstalter seien verunsichert und glaubten, dass sie nächstes Jahr mehr zahlen müssen. „Doch in vielen Fällen wird es günstiger, so Ursula Goebel.

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