Branche beklagt Kostenexplosion

Von: M. S.
Letzte Aktualisierung:
mwstbild
Der Gast ist verunsichert: Nur für Ubernachtungen, nicht aber für den Verzehr gilt der seit Anfang des Jahres reduzierte Steuersatz für das Gastgewerbe. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Nordeifel. Der Gast im Hotel-Restaurant ist beim Blick in die Speisenkarte sichtlich verwundert und fragt den Kellner: „Vor Weihnachten kostete ein Steak in Ihrem Hause genau so viel wie heute. Dabei wurde der gesetzliche Mehrwertsteuersatz für das Hotel- und Gaststättengewerbe seit 2010 doch von 19 auf nun nur sieben Prozent gesenkt. Gibt Ihr Betrieb von der stattlichen Differenz denn gar nichts an seine Kunden weiter?”

Hartmut Becker, Pächter des Hotel-Restaurants „Perlenau” in Monschau wie des Café-Restaurants „Mestrenger Mühle” bei Vossenack, beseitigt einen Irrtum, der in diesen Wochen nicht nur in der Nordeifel weit verbreitet ist: „Die steuerlichen Entlastungen für unsere Branche gelten ausschließlich im Übernachtungsbereich. Für ein Frühstück muss nach wie vor mit 19 Prozent Umsatzaufgeld kalkuliert werden wie für die verzehrten übrigen Speisen und Getränke.”

Becker ist Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes/Nordrhein (Dehoga) für Aachen-Land. Er ist damit Sprecher von 350 Mitgliedsbetrieben, betreibt seit 1997 das Hotel Perlenau und übernahm vor gut drei Jahren auch die Mühle im romantischen Kalltal. Beide Herbergen (insgesamt zwölf Mitarbeiter) gelten als beliebte Ausflugsziele am Nationalpark Eifel. In der Region Aachen, weiß der 60-Jährige, gelten mehr als 80 Prozent aller Hotels und Gaststätten als klein- und mittelständisch, haben im Schnitt allenfalls fünf bis zehn Mitarbeiter und maximal eine Million Euro Jahresumsatz.”

„2009 ein schlechtes Geschäft!”

Warum der Gast die Steuererleichterungen bis dato auf seiner Rechnung beim Aus-Checken nicht spürt, liegt für den gebürtigen Eschweiler und seine Kollegen klar auf der Hand: „Solche Probleme wie in jüngster Zeit habe ich in meiner langen Laufbahn noch nicht erlebt! Unser Metier spürt schon längere eine wahnsinnige Kostenexplosion! Und dabei hatten wir 2009 zu allem Übel fünf Monate wetterbedingt ein sehr schlechtes Geschäft, das der Rest des Jahres nicht ausgleichen konnte.”

Becker errechnete, dass die Preise für Energie - Heizung, Strom, Gas, Wasser, TV und Kommunikation - in den vergangenen vier Jahren um hundert Prozent anstiegen:” Das können wir nicht auf den Gast umlegen!” Dabei müsse der Preis für Aufenthalt und Verzehr im Hausprospekt bereits 18 Monate vor dessen Druck und Auslieferung festgelegt werden.

Trotz ständiger Investitionen und Modernisierung zum Wohle der Kundschaft blieben den Hoteliers und Wirten die Besucher weg: „Wir beobachten, dass früher übliche Buchungen eines kompletten, langen Wochenendes dramatisch zurückgehen. Stattdessen wird nur noch eine Übernachtung nachgefragt.” Deutlich weniger Geschäftsreisende, aber auch schwindende Gruppen von Wanderern und Erholung suchenden Touristen würden registriert. Vielfältige Belastungen durch Abgaben und Gebühren beutelten, fährt Becker in seiner Mängelliste fort, die Unternehmen seiner Sparte - von der GEZ bis zur Gema.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert