Steckenborn - Blutiger Revierkampf: Wütender Bussard greift Jogger an

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Blutiger Revierkampf: Wütender Bussard greift Jogger an

Von: Heiner Schepp
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Mittlerweile kann Uli Greuel, hier mit Sohnemann Nick, wieder lachen über seine unliebsame Begegnung mit einem Mäusebussard im Buhlert. Am Montagabend war ihm danach weniger zumute. Foto: Heiner Schepp

Steckenborn. Uli Greuel wird in der nächsten Zeit wohl nur noch mit Käppi seine Runden drehen. Und der begeisterte Sportler der Laufgruppe Steckenborn hat seinen Kollegen vom SC Komet, aber auch allen anderen Hobbyläufer eindringlich empfohlen, die alte 10-Kilometer-Volkslaufstrecke unweit der Forellenzucht beim Michelshof vorerst zu meiden.

Denn Uli Greuel wurde am Montagabend „Opfer“ einer unliebsamen Begegnung zwischen Mensch und Tier: Ein Mäusebussard griff den alleine und langsam bergauf laufenden Jogger aus der Luft an und fügte ihm eine etwa vier Zentimeter lange, blutige Kratzwunde auf dem Kopf zu. „Ich wusste erst gar nicht, was los war“, berichtet der 47-Jährige, der gegen 20 Uhr die gewohnte Strecke gemütlich absolviert hatte.

Kurz ehe er die Lichtung unterhalb der Forellenteiche erreichte („Da geht‘s ganz schön bergauf, deshalb lief ich ziemlich langsam“) spürte er plötzlich einen stechenden Schmerz auf dem Kopf. Etwas benommen und geschockt drehte der Läufer sich um, konnte aber zunächst nicht sehen, wer oder was ihn da getroffen hatte. „Ich dachte zuerst, es irgendetwas vom Baum gefallen. Und dann dachte ich, jemand hätte mir eins übergebraten, um mich auszurauben, obwohl ich gar nichts dabei hatte...“

Hoch oben auf dem Wipfel

Dann aber sah Uli Greuel seinen Widersacher: Ein Mäusebussard segelte über ihm durch die Luft und ließ sich hoch oben auf dem Wipfel einer Fichte nieder. Mit Steinen versuchte der 47-Jährige, den Greifvogel aufzuscheuchen und zu vertreiben.

„Ich hatte keine Lust, dass der mich nochmal angerift“, so Greuel. Doch der mächtige Vogel zeigte sich völlig unbeeindruckt, „ich glaub‘, der hat mich von da oben ausgelacht“, mutmaßt der Läufer, der sich dann auf den Heimweg machte – sich immer wieder umdrehend und beobachtend. Der Bussard aber flog keinen weiteren Angriff.

Blut lief herunter

Erst als Uli Greuel wenig später am Vereinsheim in Steckenborn ankam, wurde deutlich, dass er beim Angriff doch mehr als nur eine Schramme davon getragen hatte: „Meine Laufkollegen fragten, woher denn das Blut stamme, das da an meinem Hals herunterläuft...“

Immer wieder hört und liest man von Angriffen der Mäusebussarde auf Jogger und Radfahrer – und immer wieder ist die Aufregung groß bei diesem Konflikt zwischen Mensch und Tier. Dabei ist das Verhalten des Greifvogels eine allzu natürliche Reaktion.

Der Bussard muss sein Nest bzw. seine Jungen beschützen. Kommt ein „Feind“ in die Nähe, hat der Bussard nur zwei Varianten: Angriff oder Flucht. Weil er mit dem Nest oder seinen Jungtieren an einen Ort gebunden ist, bleibt nur der Angriff, um den „Feind“ in die Flucht zu schlagen.

Während der Brutphase kommt es selten zu Konflikten. In der Ästlingsphase, wenn der Jungvogel das Nest langsam verlassen will, ist er noch sehr unselbstständig. Das erwachsene Tier begleitet und beschützt das Junge.

In dieser Zeit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Vogel angreift, wenn sich schnell bewegende Menschen (Jogger, Läufer) oder „Feinde“ in der Nähe befinden. Meist geschehen diese Zwischenfälle in den Monaten Mai und Juni. Und deshalb besteht in dieser Zeit durch aus überall dort eine Gefahr für Läuferinnen und Läufer, wo der Bussard brütet.

Der Mäusebussard ist in offenen, baumreichen Landschaften wie dem Buhlert daheim. Die Gefahr für den Menschen ist aber nur groß, wenn in der Ästlingsphase die Jungvögel beginnen, dass Nest zu verlassen. Der erwachsene Bussard begleitet seine Sprösslinge und versucht sie zu beschützen.

Von anderen Greifvögeln ist dieses Verhalten eher selten bekannt. Es hat zwar auch Konflikte mit Habichten oder Krähen geben, aber das ist eher selten. Und deshalb war auch für Uli Greuel spätestens beim Googeln am heimischen PC klar, dass der Angriff nur von dem Tier mit dem schönen lateinischen Namen „Buteo buteo“ stammen konnte.

Denn auch ein Laie kann einfach unterscheiden, ob der am Himmel kreisende Vogel ein Mäusebussard oder ein Milan ist: Der Milan hat an der Schwanzflosse eine Gabelung und allgemein eine schlankere Flügelform. Der Bussard hat breitere Flügel und einen massigerer Körper. Der relativ kurze Schwanz ist am Ende abgerundet. Das Gewicht eines ausgewachsenen Bussards beträgt zwischen 900 und 1300 Gramm, die Flügelspannweite etwa 1,2 Meter.

Im Internet konnte der Steckenborner auch nachlesen, dass er den Angriff kaum hätte verhindern können. Denn der Bussard hat eine gute Taktik, um seine natürlichen Feinde anzugreifen. Er ist in erster Linie ein Ansitzjäger und sitzt auf einem Baum oder einer Stange und jagt am Boden befindliche Beute. Der Bussard jagt keine Vögel wie Falke und Sperber. Die Beute reicht bis zur Größe von Hühnern. Der Bussard wartet und schwebt dann lautlos auf sein Opfer nieder.

Zumindest in nächster Zeit sollten sich Hobbysportler im Wald vorsehen. Eine Mütze oder ein Käppi schützt vor den scharfen Krallen des Greifvogels, ein Radfahrhelm sowieso. Wenn man sich der Gefahr bewusst ist, kann man einen Stock, einen Ast oder etwas Ähnliches in die Höhe halten. Der Bussard greift immer den höchsten Punkt an.

Am besten ist aber, man meidet beim Sport in der Natur um diese Jahreszeit Waldbereiche, wo man schon häufiger den Bussard hat kreisen sehen.

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