Blütenmeer aus Filzblumen im Stadtpark

Von: mon
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Drei Generationen haben mit Begeisterung bei dem Projekt zusammen gearbeitet: Marianne Ostler war für die „WollStühle“ mitverantwortlich. Foto: V. Monterey

Monschau. „Wir haben in Monschau viele Informationen sammeln können“, berichteten Ulli Flohr, begleitender Lehrer, und Monika Nordhaus, Künstlerin, Kulturvermittlerin und Projektleiterin der Kunstaktion am vergangenen Sonntag im Stadtpark Monschau, die im Rahmen des Wollrouten-Projektes, das in dem euregionalen Projekt „world.wide.wool.net“ entstanden ist.

Für diese Kunstaktion wurden die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10c der Gesamtschule Niederzier/Merzenich ausgesucht, die gemeinsam mit Studenten der Universität Köln und Seniorinnen des Seniorenheims Sophienhof, eine von insgesamt sechs Ausstellungen zu präsentieren, die sich mit dem kulturellen Erbe der Tuchindustrie in der heutigen Euregio Maas-Rhein auseinandersetzt, mit historischen Werkbauten, Kulturlandschaften und Museen und natürlich mit dem Werkstoff „Wolle“ selbst.

Eben dieser war am Sonntag überall zu sehen, bunt leuchtend bekleidete er Brücken, Bäume, Backsteinmauern, Wiesen, Stühle und lockte die Besucher an.

Noch während 45 Personen werkelten und die verschiedenen Installationen aus Filz und Wolle aufbauten, kamen die Neugierigen und staunten über eine Blumenwiese aus riesigen handgefertigten Filzblumen, bezogenen Stühlen aus Filz und gewebter Wolle – wobei die Beine der Stühle als Webrahmen gedient hatten – über meterlange bunte Wollfäden, die wie Angeln ins Wasser ragten und eine mit Pompons geschmückten Brücke. Von Bäumen ragten bunte Wollfäden, an deren Ende bunte Stifte, den Boden und eine Platte berührend, die ihr eigenes, vom Wind bewegtes Bild malten.

„Passend zum Frühling“, meinte Nathalia Senk aus Mühlheim an der Ruhr, die mit ihrer Familie zu einem Sonntagsausflug in die Altstadt gekommen war, „sehr schön und bunt.“

Das Tolle sei, dass heute „drei Generationen zusammenarbeiten“, so Ulli Flohr. Dazu gehören 29 Schüler, elf Studenten der Fachbereiche Kunst, Textilgestaltung und ästhetischer Erziehung und vier Senioren, die schon über achtzig Jahre alt sind.

Nach dem Besuch in der alten Tuchmacherstadt Monschau, die gemeinsam mit den historischen Produktionsstandorten Aachen, Eupen, Euskirchen, Vaals und Verviers das länderübergreifende Netzwerk der Wollroute darstellt, und nach sechs Einzelausstellungen in den genannten Orten mit verschiedenen Künstlern und Künstlerinnen, es abschließend eine gemeinsame Abschlussausstellung im LVR-Museum Euskirchen (voraussichtlich am 4. Juli um 18 Uhr) geben, wo alle Sichtweisen der beteiligten Künstler fotografisch und filmisch von Benjamin Fleig und Ludwig Kuckartz festgehalten, gezeigt werden.

Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, initiiert durch „Aachenstriktschön, Prym“ und dem Wollgeschäft „Görg & Görg“ aus Aachen.

Das „Mann“ auch Handarbeiten und man „schöne Akzente“ setzen kann, so Martin Görg, bewiesen die vielen Jungen der Klasse. Kilometerlang hatten sie tagelang mit Stricklieseln Wollfäden gesponnen, nass- und trocken gefilzt, mit der gleichen Begeisterung wie die Mädchen. So auch Enrico Büchel, der mit seinen Mitschülern so einiges während der vorbereitenden Exkursionen und Besichtigungen und im Unterricht dazugelernt hatte.

Aber auch die Seniorinnen Eva Falk, die mit den Schülern die Brücke bekleidet hatte, und Marianne Ostler, die mitverantwortlich war für die „Wollstühle“, zeigten große Begeisterung. Gemeinsam werde im Kunstunterricht gearbeitet und die Stücke würden nicht selten „im Seniorenheim ausgestellt“, so Ostler. „Ich zeige den Schülerinnen, wie es geht. Doch die neuen Techniken lerne ich von den Schülern.“

Das Zeugnis des Wissensstandes über die gemeinsame Geschichte der einzelnen Orte und das Zeugnis der Wolltuchindustrie konnte sich sehen lassen.

Und die Besucher konnten nicht nur das „Rote Haus“, die besterhaltenste Tuchmacherresidenz des 18. Jahrhunderts mit einem vollständigen Inventar oder das Webereimuseum Monschau-Höfen mit seiner typischen Heimweberei besuchen und die vielen zahlreichen Bauten der Altstadt der Ära der Tuchindustrie bestaunen, sondern auch die Wollverarbeitung der heutigen Generation und alles was man mit neuen Ideen daraus machen kann:

Wollstühle, Wollbäume, Filzblumen und Wollmauern, nicht mehr, wie einst im Mittelalter für den Eigenbedarf oder um zusätzlich, insbesondere im Winter, sich ein Zubrot zu verdienen, wie einst die arme Landbevölkerung, sondern „aus der Kreativität und Freude heraus“, so Falk, das mache „viel Spaß“.

Die Installationen werden noch rund ein bis zwei Wochen im Stadtpark zu sehen sein.

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