Blitz-Ausmarsch ohne Tusch

Von: Heiner Schepp
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beccy raus
Es hat nicht sollen sein: Beccy (links) hat den Traum vom Topmodel haarscharf verfehlt. Foto: dapd

Köln/Imgenbroich. Am Ende geht alles ganz schnell. 22.54 Uhr in der Kölnarena: Alle Kameras auf die Siegerin im Glitzerregen. Aber Jana Beller (20), die Gewinnerin der sechsten Staffel von „Germanys next Topmodel”, ist ziemlich verheult statt strahlend.

Und wo ist eigentlich Rebecca, die Zweitplatzierte? Die „Siegerin der Herzen”, die 19-Jährige aus Monschau-Imgenbroich, ist nicht mehr zu sehen. Ausmarsch ohne Tusch - so wie 50 Minuten zuvor Amelie Klever (16), das Küken des Final-Trios, das nach 23 Uhr ohnehin nicht mehr hätte fotografiert und gefilmt werden dürfen - und schon deswegen wohl kaum für den Sieg in Frage kam.

Es war der passend skurrile, ja chaotische Schlussakkord eines TV-Formats, bei dem (Quoten-)Erfolg und Gewinnsumme in krassem Gegensatz zur Qualität stehen. Denn was da vor einem Millionenpublikum am Donnerstagabend stundenlang über den Bildschirm stotterte, war langatmig, vorhersehbar und in weiten Teilen schlichtweg schlecht.

Natürlich mit dem Traktor

Den erwartbaren Gag - „Rebeccas Fans aus der Eifel sind natürlich alle mit dem Traktor nach Köln gekommen” - verbraucht schon der Einpeitscher, ehe die Kameras laufen. Der lässt dann auch die 15.000 in der Halle einmal fröhlich in die - immer noch nicht laufenden - Kameras winken, „damit Sie das nachher nicht machen müssen. Wir sind ja nicht beim Musikantenstadl”, witzelt „Christian”. Doch von diesem Format der Öffentlich-Rechtlichen hätten sich die Macher der Finalshow eine Menge abgucken können. Zum Beispiel eine professionelle Moderation. Thomas und Thomas, der eine tuntig („toll, toll, toll!”), der andere angeberisch („come on!”) haben das Charisma und den Unterhaltungswert einer Plattenbaufassade, und Heidi Klum löst mit ihrem Superlativ-Vokabular („Supermegaspitzenklasse”) Dauer-Fremdschäm-Attacken aus.

An diesem Abend hat das Trio ausnahmsweise mal nur Lob für die Mädchen übrig, die brav auch in eher unvorteilhafter Stolper-Garderobe oder im „Cosmic-Look” mit einem Hauch von Nichts eine recht gute Figur auf dem Laufsteg abgeben. Keine Frage: Diese Mädchen, alle drei aus NRW und mehr oder minder „vom Land”, haben das Zeug zum Modelberuf. Aber das hätte man dem geneigten Publikum auch in einem Bruchteil der Zeit beweisen können.

Die Geldmaschine rattert

Doch die Geldmaschine „GNTM” rattert bis zum bitteren Ende des folgenden Star-Magazins um Mitternacht weiter. Der Einnahmeerfolg ist schon am Stargast abzulesen: Lady Gaga kommt wohl kaum für einen Kleinwagen in eine solche Show und räkelt sich vor einer selbst inszenierten Enthauptung lasziv auf der Guillotine. Da verblassen selbst Keri Hilson und die sympathische Caro Emerald - an diesem Abend die einzige Darstellerin mit Normalmaßen - zum Vorprogramm.

Der Schluss ist enttäuschend - nicht nur weil der Kandidatin aus unserer Region am Ende ein Wimpernschlag zum Triumph fehlt.

Geschlagene sieben Minuten starren Heidi und die letzten Zwei auf die Riesenleinwand, ehe endlich das „Cosmopolitan”-Cover mit der Siegerin Jana erscheint, der sie das charakteristische Lippengrübchen auch noch wegretuschiert haben. „Die Frontseite mit Rebecca hätte vermutlich für höheren Einzelverkauf gesorgt”, findet ein Journalist eines Klatsch-Magazins.

Die so Gelobte aber darf erst gegen 23.30 Uhr vor halbleerer Halle und in der Folgesendung „Red” zeigen, dass sie auch mit der „Niederlage” so umgeht, wie zuvor mit Zickenterror in der Model-WG und mit allen sinnigen und unsinnigen „Challenges”: professionell.
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