Blattzeit der Rehe: Völlig blind vor Liebe über die Straße

Von: Hermann Carl
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Während der Brunftzeit bezahl
Während der Brunftzeit bezahlen etliche Rehe ihr Liebeswerben mit dem Leben, weil sie selbst an Straßen jegliche Vorsicht vermissen lassen. Doch auch den Autofahrern droht Gefahr. Die Forstleute warnen. Foto: imago/stock&people

Nordeifel. Die Autofahrer tun gut daran, Ende Juli und Anfang August bei der Fahrt durch Waldgebiete, hauptsächlich aber auch durch Feld und Wiesengebiete vermehrte Aufmerksamkeit nach rechts und links walten zu lassen. In der letzten Juliwoche und in der ersten Augustwoche, sowie kurze Zeit davor und dahinter, findet die Brunft des Rehwildes statt.

Selbst die vorsichtigsten älteren erfahrenen Rehböcke sind jetzt liebestoll und vergessen all ihre sonstige Heimlichkeit. Jetzt heißt es, gegen Konkurrenten ankämpfen. Ist die passende Ricke oder das Schmalreh gefunden, geht das Liebesspiel los. Dazu lässt sich die Ricke oft stundenlang treiben. Es geht dann nicht nur über Berg und Tal, sondern auch blind im Liebesspiel, alle Gefahren vergessend, über die Straßen hinweg.

Erst nach längerer Zeit werden die Strecken, über die der Bock die Ricke treibt, kürzer. Die Ricke wird längere Zeit in einem Kreis getrieben, bis sie endlich stehen bleibt und der Natur ihren Lauf gibt. Bei diesem Treiben entstehen in den Wiesen und den Getreidefeldern Kreise, die der Jäger Hexenringe nennt. Bei vielen Leuten entsteht der Eindruck, hier sei ein Ufo gelandet. Dabei heißen die „Außerirdischen” einfach nur Reh.

Andere Jahreszeiten

Vor der Eiszeit gab es andere Jahreszeiten als jetzt. Alle Tiere mussten mit dem Weggang der Eiszeit ihre Paarungszeiten und Geburtszeiten so umsetzen, dass die Jungtiere im Frühjahr zu Welt kommen. Nur so finden sie in den Sommertemperaturen und der Nahrungsfülle Zeit zum Aufwachsen. Die Rehe haben das Problem anders gelöst. Wenn das Ei im Mutterleib des Rehs im Juli befruchtet wird, findet die Keimruhe statt. Das heißt, es ruht im befruchteten Zustand ca. fünf Monate lang in der Tracht. Erst Ende Dezember, Anfang Januar fängt es an zu wachsen.

Nach fünf Monaten, also im Mai kommen die Kitze zur Welt. Unglaublich, was die Natur in der Lage zu regeln ist. Noch toller kommt es, wenn in der Paarungszeit das Ei nicht befruchtet wird. Jetzt kommt das Reh im Dezember in eine leichte Nachbrunft. Das Ei wird befruchtet und siehe da, die Eiruhe fällt aus und der Fötus wächst sofort. Auch diese Kitze kommen im Mai zur Welt.

Im Sommer halten sich die Rehe überwiegend in den Wiesen und Feldern auf. Darum ist gerade hier in der Blattzeit Vorsicht für die Verkehrsteilnehmer geboten. Am hellen Tag, zu jeder Uhrzeit können hier die liebestollen Rehe wie blind über die Straße laufen. Gerade in dieser Zeit sind häufig Wildunfälle zu verzeichnen. Bei falschem Bremsverhalten können folgenschwere Unfälle durch Abkommen von der Fahrbahn geschehen.

Bei maßvollem Bremsen bloß keine Ausweichmanöver versuchen. So hart es für den Tierliebhaber ist, aber ein Überfahren ist nicht so folgenschwer, wie abenteuerliche Ausweichversuche bei hohen Geschwindigkeiten.

Ein angefahrenes Tier wird nicht immer am Unfallort liegen bleiben. Oft macht es den Eindruck, als habe es den Unfall unverletzt überstanden. In jedem Fall sollte man über die Polizei den zuständigen Jäger benachrichtigen, der nachschaut. Augen auf nach rechts und links sowie angepasste Geschwindigkeit sind die beste Prävention.
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