Bis zu 21 Minusgrade in der Eifel keine Seltenheit

Von: Raimund Palm
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Auch ohne Ozonloch und drohend
Auch ohne Ozonloch und drohende Klimakatastrophe hat des Wetter in der Nordeifel bereits seit Jahrhunderten seine Kapriolen gedreht. Foto: Raimund Palm

Nordeifel. „Öfen und Kohlen sind knapp im Dorf, und man muss sich am Holzfeuer im Küchenherd warm zittern. Es ist der kälteste Winter seit 1928/29. In den Kellern erfrieren viele Kartoffeln.” So lesen wir in den Notizen „Konzen in schwerer Zeit” von Josef Erkens und Heinrich Huppertz über den Winter in den ersten Januarwochen 1947.

Am 29. Januar 1947, so ist überliefert, wurden in Monschau minus 21 Grad gemessen. Es war eine bittere Zeit vor 65 Jahren, nicht einmal zwei Jahre nach dem Krieg. Viele Häuser sind erst notdürftig repariert, überall Not und Mangel - und bittere Kälte. „Die sibirische Kälte hat sogar die tiefsten Sümpfe im unwirtlichen Vennland auf dem Konzener Berg zum Erstarren gebracht.”

Schwerstarbeit für Heizungen

Sibirische Kälte herrscht auch in diesen Tagen dank „Sibirienhoch Cooper” und „Hoch Dieter” wie die Meteorologen sagen. Doch in den Häusern von heute braucht wohl niemand zu frieren, selbst Eisblumen haben trotz der lausig kalten Nächten hier in der Nordeifel kaum noch eine Chance, an den Fenstern der Häuser aufzublühen. Die meisten Wohnungen sind gut gegen die Kälte isoliert - auch dank der Thermopane-Scheiben der Fenster (und den Jalousien davor). Gleichwohl: Die frostigen Temperaturen deutlich unter Null (auch morgens und abends) sorgen dafür, dass die Heizungen Schwerstarbeit leisten müssen, um für eine wohlige Wärme im Haus zu sorgen, der Ölverbrauch steigt kräftig an.

Bei minus 14,6 Grad liegt der „Kälterekord” der letzten Jahre in der Nordeifel: Gemessen wurde diese Temperatur am 8. Januar 2003 an einer privaten Messstation in Steckenborn. Aktuell diese Daten: Um 8.30 Uhr am Mittwoch an der Wetterstation auf dem Steling: minus 12,7 Grad, Tendenz: steigend: bis minus 18 Grad kann es in den nächsten Nächten werden, wie im „Eifelwetter” dieser Zeitung zu lesen war. Also, so kalt wie in Sibirien mit Frost bis zu minus 40 (und viel mehr) Grad ist es hier noch lange nicht.

Mitte Dezember 2008 wurden im russischen Kjusjur, nahe der Lenamündung am Nordpolarmeer, sogar ein Minimum von minus 51,6 Grad gemessen. Doch auch die Nordeifel, einst als „Rheinisches Sibirien” abfällig abgetan, kennt sehr kalte Zeiten. So gab es zum Beispiel im Jahr 1942 vom 7. Januar bis zum 16. März Dauerfrost. Ununterbrochen an 72 Tagen zeigte das Thermometer Temperaturen unter Null an, der Rekord lag damals am 29. Januar bei minus 29 Grad, am 23. Januar wurden bereits minus 21 Grad gemessen.

Befreit vom Eise...

Auch die Tage um den 30. Januar 1933 waren eisig kalt, bis minus 15 Grad zeigte das Thermometer. „Die Rur ist fast völlig zugefroren”, berichtet das Montjoier Volksblatt am 27. Januar. Eine Woche später meldete die Zeitung: Eisgang auf der Rur. Tauwetter und Regen haben die starke Eisdecke auf der Rur zum Schmelzen gebracht. „Heute früh um Viertel vor sechs Uhr löste sich das Eis und stürzte mit Donnergetöse zu Tal. Oberhalb Dreistegen hatte sich Eis der Rur und des Perlbachs gestaut, so dass die Feuerwehr ihm mit langen Haken und Äxten zu Leibe rücken musste.” Am Nachmittag musste das Eis sogar gesprengt werden.

Früher, als es noch kein Ozonloch gab und keine Klimakatastrophe drohte, schlug das Wetter so manche Kapriole, wie ein Blick in das „Wetterbüchlein für Jedermann” von Walter Scheibler zeigt. Dazu ein paar Beispiele: Der Winter 1836/37 gilt als einer der „strengsten und anhaltendsten Winter, seit es Wetteraufzeichnungen gibt. Am 11. 1837 stand das Thermometer bei minus 10 Grad, dazu lag im Durchschnitt 80 Zentimeter Schnee, wodurch alle Verkehrsverbindungen unterbrochen wurden. Der Postwagen von Aachen nach Trier musste drei Tage lang in Roetgen ausharren; am 10. April wurden 230 Bürger aufgeboten, um die Straße von Imgenbroich bis zur Kalterherberger Gemeindegrenze aufzuschaufeln; in Imgenbroich mussten sogar 403 Einwohner „Dienst an der Schneeschaufel” tun.

Der Februar 1849, so ist überliefert, war es so mild, dass keine Flocke Schnee gefallen ist. Von März bis Mai 1880 herrschte eine „Dürre, wie sie seit Menschengedenken nicht vorgekommen” sei. Der Winter von 1718/1719 sei „gelind gewesen, erst am 5. April habe es angefangen zu frieren, so ist dort zu lesen. Und weiter: Der Sommer sei dann von „ungewöhnlicher Hitze und Druckendheit” gewesen.

Winterliche Rückfälle

Winterliche Rückfälle sind im April nicht ungewöhnlich. Im Jahr 1903 hat es täglich bis zu 20 Zentimeter geschneit, damals tobte am 19. April ein heftiger Schneesturm über Deutschland. In jenen Tagen quälten sich die Soldaten eines Infanterie-Regiments aus Aachen mühsam über die tief verschneiten Straßen zur Schießübung nach Elsenborn. Als die Soldaten nach vier Wochen zurückkehrten, mussten die Bürger aufgefordert werden, entlang der Marschstrecke Eimer mit Wasser aufzustellen - wegen der großen Hitze.

Überliefert ist für das Monschauer Land auch dies: Vor 174 Jahren, genau vom 7. bis zum 21. Januar 1838, war es fortwährend minus 20 bis minus 21 Grad kalt. „Die Armenkommission verteilte an die Armen Torf, damit sie sich gegen die Kälte schützen konnten.” Torf als Brennstoff hat aber auch in der Nordeifel längst ausgedient. „Torf braucht man eher noch als Brot. Erfrieren müsste man im Winter, wenn der Schnee haushoch um die Schützhecken sich türmt, wenn man keinen Torf in der Herdkiste hätte.” So lesen wir in der Erzählung. „Die Torfstecher” von Ludwig Mathar.

In diesen Tagen herrscht sibirische Kälte - wie vor 65 Jahren. Der Sommer 1947 war sehr heiß, die Bäche trocknen aus, im Venn wüten heftige Waldbrände. Folgt den eisig kalten Tagen auch in diesem Jahr ein heißer Sommer?
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